Lobau weiter sinnlos von Amts wegen entwässert

Seit elf Jahren wird die Lobau mit Wissen der Behörden sinnlos entwässert – im Umfang von bis zu zwei Drittel jener Wassermengen, die dem Nationalparkgebiet mühsam über die Neue Donau und das Mühlwasser zugeführt werden.

Die Entwässerung geschieht mit Hilfe von Sperrbrunnen entlang des Donau-Oder-Kanals, die das von Wien heranströmende Grundwasser seit 30 Jahren in die Donau ableiten. Sie wurden eilends errichtet, nachdem 1989 unterhalb des Tanklagers Öl im Grundwasser entdeckt worden war.

2009 ging jedoch eine neue, effizientere Reihe von Sperrbrunnen direkt am Tanklager in Betrieb. Seitdem waren die alten Sperrbrunnen am Donau-Oder-Kanal überflüssig.

Nun sollte man annehmen, dass die Stadt Wien, angesichts der verheerenden Verlandung und Austrocknung der Lobau ab diesem Zeitpunkt keinen Tag verstreichen ließ, um diese Entwässerung der Lobau wieder abzustellen.


Jedoch: Nichts geschah und niemand verlor darüber ein Wort.

Mit einem Mal, im November 2018, kam die Angelegenheit zur Sprache. Bei der Vorstellung des neuen Nationalpark-Managementplans in Orth an der Donau hieß es, dass die Wasserwerke daran arbeiten würden, „den alten wasserrechtlichen Bescheid, der dieser Sperrbrunnenreihe zugrunde liegt, ungültig zu machen, damit sie außer Betrieb gesetzt werden können.“

Es waren bis dahin zwar neun Jahre vergangen, in denen der Lobau sinnlos große Mengen von Grundwasser abgezapft wurden, aber nun würde ja endlich etwas geschehen.

Jedoch: Nichts geschah und niemand verlor darüber ein Wort.

Zwei Jahre später. Unser Kollege Robert Poth ist der Sache nachgegangen. Hier sein Bericht:

„Ende Mai 2020 habe ich mich bei der MA 31 (Wiener Wasser) nach dem aktuellen Stand in Sachen Sperrbrunnenreihe am Donau-Oder-Kanal erkundigt.

Ende Juni 2020 erteilte mir die MA 31 die folgende Auskunft: “Das Wasserrechtsverfahren für die Außerbetriebnahme der Sperrbrunnenreihe wurde eingeleitet. Im Zuge dieses Verfahrens, sind weitere Maßnahmen und Untersuchungen erforderlich. Die Dauer dieses Verfahrens ist unsererseits noch nicht abschätzbar.”

Wie sich herausstellte, läuft das Verfahren vor der obersten Wasserrechtsbehörde der Republik, beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

Die Zuständigkeit ergibt sich wohl aus § 100 Abs. 1 Ziffer f Wasserrechtsgesetz: ” … für Wasserversorgungsanlagen eines Versorgungsgebietes von mehr als 1 000 000 Einwohnern, jedoch ausschließlich der Verteilungsanlagen; …“.

Rätselhaft ist natürlich, welche “Maßnahmen” und “Untersuchungen” in dieser Frage überhaupt erforderlich sein sollten. Diese Sperrbrunnenreihe war ja ursprünglich bloß eine Sofortmaßnahme, um Kontaminationen des Grundwassers im Bereich des Brunnenfelds des Grundwasserwerks Lobau durch Altlasten im Bereich des OMV-Tanklagers zu verhindern. Dass diese Sperrbrunnen seit Langem unnötig sind, wurde spätestens 2013 amtlich festgestellt (siehe Gesicherte Altlast W12: Tanklager Lobau).

Da der Grund für den Betrieb dieser Sperrbrunnen nicht mehr existiert, sollte ihre Stilllegung eigentlich umgehend bewilligt werden können.

Also habe ich mich Anfang Juli per einfacher Mail an das zuständige Bundesministerium gewendet:

Welche “Maßnahmen” und “Untersuchungen” sind in diesem Zusammenhang überhaupt erforderlich, und wie lange könnte es bis zur Bewilligung der beantragten Stilllegung dauern?

Am 17. September 2020 kam folgende Antwort: 

„Bezugnehmend auf Ihre Anfrage betreffend die allfällige Außerbetriebnahme der Sperrbrunnenreihe beim Grundwasserwerk Lobau wird mitgeteilt, dass diesbezüglich über Antrag der Stadt Wien – MA 31 ein behördliches Verfahren beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus eingeleitet wurde. Nach Prüfung der Sach- und Rechtslage haben Sie im gegenständlichen Verfahren keine Parteistellung, weshalb seitens des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus keine Informationen zum behördlichen Verfahren sowie über den Ausgang des Verfahrens bekannt gegeben werden.“
Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus
Sektion I – Wasserwirtschaft, Abteilung I/1 – Wasserrechtlicher Vollzug

Original-Artikel: https://beasts.at/sperrbrunnen-dok-stilllegung-verfahren-eingeleitet/
Die Sperrbrunnen-Story im Detail: https://beasts.at/lobau-wasserentzug-durch-unnoetige-sperrbrunnen

 

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