Für Leute mit Phantasie: das Fasangartenwasser

Für alle, die es nicht kennen: Hier sehen sie das Fasangartenwasser. 
Wo es sich noch vor wenigen Jahrzehnten erstreckt hat, zeigen alte Stadtpläne.
Eine Pfütze als Symbol für den Umgang der Politiker der Stadt Wien mit der Lobau.

Man könnte die Panozza-Lacke, das Fasangartenwasser, das Schröderwasser, das Tischwasser, den Markethäufelgraben und das Oberleitnerwasser sehr wohl wieder durchgehend und ausreichend mit Wasser versorgen, aus der Neuen Donau zum Beispiel, aber man tut es nicht. Und das schon seit Jahrzehnten, entgegen den Empfehlungen zahlreicher Studien, die die ökologische Bedeutung und den Erholungswert der Lobau durch Austrocknung gefährdet sehen.

Die zuständigen Fachabteilungen (Forst, Wasserbau) würden zwar gerne, bemühen sich auch, werden aber dabei realpolitisch nicht unterstützt. Die bereits bestehende, sparsame Zuleitung über die Alte Donau und die Neue Donau in das Mühlwasser ist sinnvoll, kommt aber in der Lobau nicht wirklich an. Das kann jeder mit eigenen Augen beobachten.

Es sieht aus, als würde man die Teams der Fachabteilungen „von oben her“ gerade einmal nicht daran hindern, etwas zu unternehmen, mehr nicht. Das Schicksal der Lobau, so dürfte man im Wiener Rathaus denken, ist den Wählern ohnehin ziemlich egal. Wie sollte man sich das auch anders erklären, wenn die zuständige Stadträtin kein Wort über die Zukunft des Wiener Nationalparks verliert, stattdessen jedoch unzählige Worte, Aussendungen und PR-Fotos mit Sprühnebelduschen und Fotos von süßen Felltieren in der Öffentlichkeit verteilt.

Fasangartenwasser 1927

Das Fasangartenwasser könnte jedenfalls über einen Durchstich vom Entlastungsgerinne (Neue Donau) zur Panozzalacke mit Wasser versorgt werden. Die Planung ist weitgehend abgeschlossen. Das Projekt steht seit rekordverdächtig langer Zeit in den Startlöchern.

Laut Auskunft des Forstbetriebs der Stadt Wien, bedarf es aufgrund „aufwändiger Behördenverfahren bei der obersten Wasserrechtsbehörde“ noch zahlreicher „Grundlagenuntersuchungen, Modellierungen und Beweissicherungen“ bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann. Im kommenden Winter, so heißt es, könnten dann wieder weitere Schritte gesetzt werden. So weit, so löblich. Den Mitarbeitern des Forstbetriebs und der Abteilung Wiener Gewässer ist das Schicksal der Lobau keineswegs egal. Aber sie können keine Wunder vollbringen – ohne politische Rückenstärkung und ohne entsprechende Finanzierung.

Die Chronik des Geschehens ist dennoch kaum zu fassen: Das Projekt Panozzalacke ist ein Oldtimer. Walter Redl, der damalige Chef der MA 45 (Wasserbau) stellte zum Beispiel schon im April 2004 in einer Meldung der Rathauskorrespondenz offiziell fest, dass „in Zukunft eine Einleitung über die Panozzalacke“ erfolgen solle.

In der Website der Initiative zur Revitalisierung des Fadenbachs, die auch mit der Stadt Wien kooperiert hat, steht auf der Seite „Panozzalacke“ bereits am 15.9.2002, dass als zusätzliche Dotation für die Obere Lobau eine Verbindung vom Entlastungsgerinne zur Panozzalacke geplant wäre. Zu diesem Zweck würde ein Durchstich mit einem ca. 1 Meter starken Rohr unter der Raffineriestraße errichtet werden. Dadurch könne Wasser aus der Neuen Donau in die Panozzalacke einströmen, und dann weiter in den Fasangarten-Arm und den Markethäufelgraben.

Das war 2002! Seit dieser sicher nicht frei erfundenen, öffentlichen Information sind also 18 Jahre vergangen. 18 Jahre, um ein Loch zu bohren und das Fasangartenwasser samt der Oberen Lobau mit Wasser zu versorgen. Der Bau der Wiener Reichsbrücke hat vier Jahre gedauert. Die Amerikaner haben zehn Jahre gebraucht, um auf dem Mond zu landen.

Fotos: Robert Eichert, Christa Reitermayr

Kommentare

  • <cite class="fn">Helmut Sattmann</cite>

    Die Austrocknung ist wirklich dramatisch. Und die Unterlassungen durch die Gemeinde Wien sind schlichtweg unverständlich.

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