Robert Eichert: Wien kann froh sein, dass es die Lobau gibt

ROBERT EICHERT aus Wien-Donaustadt radelt durch die Lobau, fotografiert in der Lobau, recherchiert über ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart, schreibt über sie, erzählt über sie und kämpft für ihren Fortbestand.

Rekordverdächtige 24 Jahre lang war er Grüner Bezirksrat und hat sich in dieser Zeit einen erstklassigen Ruf als Umweltexperte, Lobau-Kenner und Lokalhistoriker erarbeitet. Seine umfangreiche Sammlung historischer Dokumente und Fotos zur Umweltgeschichte des 22. Wiener Gemeindebezirks und der Lobau ist konkurrenzlos.

2006

So kommt es im Jahr 1998 zur Kooperation mit Gernot Ladinig für das Buch „Die Alte Donau – Menschen am Wasser – Perspektiven einer Wiener Landschaft“ und 2004 zur Zusammenarbeit mit Ernst Gerhard Eder für „Umwelt Stadt: Geschichte des Natur- und Lebensraumes Wien“. 2015 stellt Eichert historische Pläne für „Materialien zur Umweltgeschichte Österreichs“ zur Verfügung.

Für die DBZ, die „Donaustädter Bezirkszeitung“ ist er seit vielen Jahren als Serienautor kulturhistorischer Themen tätig. Die monatliche Doppelseite „Kuriose Ideen, G’schicht’ln und Geschichte“ ist mittlerweile eine Institution. Dazu kommt die von ihm initiierte allzeit kritische Berichterstattung über unklare Vorkommnisse in der Lobau.

Als Ausstellungsmacher gestaltet Robert Eichert 2010 mit Liselotte Hansen-Schmidt in der Volkshochschule Donaustadt die Ausstellung „1938 bis 1945 – sieben Jahre Tausendjähriges Reich”.

Seiner Ausstellung „Wilderer in der Lobau!“ liegt eine tiefgründige Archivrecherche zugrunde. Sie wird 2014 im Nationalparkhaus Lobau und in der Nationalpark-Forstverwaltung Groß-Enzersdorf gezeigt.

2011 landet Eichert mit „Hilfe, die Emanzipanzen kommen!“ (Die Frauenemanzipation in der Karikatur von 1830 bis 1930) gewissermaßen einen Kassenschlager. Die Ausstellung muss wegen des großen Interesses verlängert werden.

Im Vorstand des Vereines „Zukunft Wienerwald Nord-Ost“ engagiert er sich seit 2014 für die dringend notwendige Grünraumvernetzung zwischen dem Nationalpark Donau-Auen im 22. und dem Bisamberg im 21. Wiener Bezirk.

In der Lobau hat sich Eichert nichtsahnend schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt: die „Eichert-Quelle“. Sie flutet am Lausgrund das überschüssige Trinkwasser aus einem unmittelbar daneben liegenden Brunnen in die Untere Lobau. Robert Eichert und der Naturfotograf Norbert Sendor hatten entdeckt, dass von diesem Brunnen aus ständig erstklassiges Wasser in die Donau geleitet wird und sie fragten sich, was wohl dagegen sprechen könnte, die vertrocknende Lobau damit zu bewässern. Eichert nahm den Kampf mit den Behörden auf und nach endloser Überzeugungsarbeit gelang es ihm, sie zur Einsicht zu bringen. Seitdem ist die (von Norbert Sendor benannte) „Eichert-Quelle“ die einzige und oft lebensrettende Einspeisung von Wasser in die Untere Lobau.

Anton Klein und Robert Eichert

Mit Anton Klein, dem Gründer des Lobaumuseums, hatte Robert Eichert ein zwar inhaltlich inniges, persönlich jedoch distanziertes Verhältnis. Die Vorbildwirkung Kleins ist dennoch in Eicherts Worten bis heute spürbar:

„Der Herr Klein ist immerhin 88 Jahre geworden und er hat bis zu seinem Lebensende die Kraft gehabt, für die Umwelt, für den Naturschutz zu kämpfen. Er war kompromisslos, geradlinig, und hat so viel Energie gehabt und einfach nicht aufgehört.“

Robert Eicherts Engagement und seine Recherchen zur Umweltgeschichte münden aktuell in kulturhistorischen Führungen und in Vorträgen: „Umweltgeschichte der Lobau in Bildern von 1800 bis heute. Wie sind die Menschen im Laufe der Geschichte mit ihrer „Umwelt Lobau“ umgegangen?“ Interview in der Radiosendung „Open Up“ im Lokalradio Orange 94.0

Am Kühwörtherwasser, Jänner 2017

Dass die Lobau nur noch ein schwacher Abglanz ihrer selbst ist, eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft, ist ihm bewusst. Das mindert seine Begeisterung nur wenig:

„Trotz all der umwelthistorischen Veränderungen ist die Lobau ein wichtiges Naherholungsgebiet für Wien. Und deswegen sollte man schauen, dass nicht noch mehr Begehrlichkeiten auf sie losgelassen werden. Trotz der Anschläge in der Vergangenheit ist sie ein ganz tolles, erhaltenswertes Naturjuwel und Wien kann froh sein, dass es auf der einen Seite den Wienerwald hat und auf der anderen Seite die Lobau.“

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