Ja, es gibt (noch) Muscheln in der Lobau!

Auf einem jener bedrückenden Fotos der beinahe komplett ausgetrockneten Unteren Lobau, die der WWF Anfang Mai in einer Presseaussendung veröffentlichte, war auf trockenem Grund auch eine tote Muschel abgebildet.

Das Bild veranlasste mehrere Wutbürger in den Kommentarspalten der Zeitungen dazu, selbstsicher darauf hinzuweisen, dass es – „typisch WWF“ – ein Fake wäre, jedenfalls arrangiert worden sei oder von ganz woanders herstammen würde, da doch jeder wisse, dass es in der Lobau gar keine Muscheln gäbe.

Zeit für eine Richtigstellung: Es gab und gibt sehr wohl eine ganze Reihe von Muschelarten in der Lobau. Warum sollte es auch ausgerechnet in der Lobau keine Muscheln geben?

Auf dem Originalfoto aus der Unteren Lobau vom 5. Mai, welches die Besserwisser zum Besserwissen veranlasste (siehe Titelbild), ist eine eingeschleppte asiatische Körbchenmuschel zu sehen – ein Symbol dafür, dass hier die heimischen Muscheln in arger Bedrängnis sind – durch faunenfremde, eingewanderte Muschelarten und durch die Verlandung, Verschlammung und Austrocknung der Gewässer.

In der Lobau heimisch sind folgende vier Arten, die heute nur noch in Restbeständen vorhanden sind:

Die Gemeine Teichmuschel (Anodonta anatina)
Die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea)
Die Malermuschel (Unio pictorum)
Die Große Flussmuschel (Unio tumidus)

Die Große Teichmuschel, die Malermuschel und die Große Flussmuschel sind in Wien am Papier „streng geschützt“. Letztere ist laut Wiener Naturschutzverordnung zudem „prioritär bedeutend“, was de jure nach sich zieht, dass für sie ein Schutzprogramm erstellt werden sollte.

Dazu kommen eingeschleppte Arten:

Die asiatischen Körbchenmuscheln (Corbicula sp.)
Die Dreikant-Muschel und die Quagga-Muschel aus dem Schwarzen Meer (Dreissena polymorpha und D. bugensis)
Die Chinesische Teichmuschel (Sinanodonta woodiana)

In der Vergangenheit wurden auch noch die Bachmuschel (Unio crassus) und die Abgeplattete Teichmuschel (Pseuanodonta complanata) in naheliegenden Gewässern gefunden. Zudem gibt es noch diverse Kleinmuscheln – die Kugelmuscheln und die Erbsenmuscheln (Sphaerium, Pisidium).

Mehrere Untersuchungen zeigen in der Lobau einen dramatischen Rückgang der Großmuscheln. Ihre Bestände sind durch Verlandung, Wassermangel und durch mangelnde Durchströmung in einem äußerst kritischen Zustand.

Zu retten wären sie nur durch eine großzügige Anbindung der Gewässer an die Neue Donau oder an den Donaustrom. Dies würde nicht nur den Muscheln eine Chance gegeben, sondern auch den Erhalt der Lobau mit ihrer besonderen Biodiversität gewährleisten.

 

Quelle:

  • Sattmann, Helmut & Duda, Michael & Eschner, Anita & Gallmetzer, Ivo & Kaiser, Patrick & Mason, Katharina & Schnedl, Sara-Maria & Haring, Elisabeth (2025): Die letzten Muscheln der Lobau. Ist eine Restaurierung der Großmuschel-Populationen in der Lobau möglich? In: Arianta, Vol. 12, 24-30, November 2025

Fotos: Helmut Sattmann, Kurt Kracher, Naturhistorisches Museum Wien

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