Der alte Mann und die Lobau: Am Ende zählt nur die Tat

Peter Appelius, Jahrgang 1937, ist Literat, Musiker und begeisterter Lobau-Liebhaber. Was denkt jemand über die derzeitige Situation, der schon länger durch die Wildnis an der Donau streift, als die meisten von uns auf der Welt sind?

Mitte der 50er-Jahre im Donau-Oder-Kanal

Appelius ist seit den frühen 1950er-Jahren (!) in der Lobau unterwegs – als aufmerksamer Beobachter und Fotograf. Er gilt hier auch als der erste Taucher. Die ältesten bekannten Unterwasserfotos aus den Gewässern zwischen Aspern und Schönau stammen aus seiner Kamera.

Sechzig Jahre ist es her, seit er an den Wiener Volkshochschulen über die Lobau einen damals für das Publikum geradezu exotischen Dia-Vortrag gehalten hat. Titel: „Tierparadies am Strom“.

Der aktuelle, traurige Zustand des Gebietes, dieser hoffnungslose Stillstand und die Aussicht darauf, dass das Paradies verlandet und vertrocknet, ohne dass irgendjemand imstande wäre, Lösungen anzubieten oder bestehende Vorschläge endlich durchzusetzen, hält Peter Appelius für „hint‘ und vorn verquargelt.

Appelius: „Ich habe mir erlaubt, ein fiktives Schreckensszenarium an die Wand zu malen, dass nämlich anerkannte Wissenschaftler mit der Schreckensmeldung „Der Wienerwald liegt im Sterben!“ vor die Öffentlichkeit treten würden. Was hätte das wohl für Folgen?  Mit Garantie käme es zu einer Rettungsaktion, die von den höchsten Spitzen der Politik getragen würde – und das mit Nachdruck und ohne Verzögerung.

Und weiter: „Die Lobau hingegen stirbt und wartet seit Jahrzehnten vergeblich auf solche Hilfe. Für ihren Bestand mussten wir fortwährend kämpfen – allen voran der tapfere und standhafte Anton Klein, der über sich selbst hinauswuchs. Was machen wir falsch, was muss getan werden, damit der Lobau von der Politik endlich die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird?

Seit das Mühlwasser endlich durchgehend fließt, keimt bei Peter Appelius ein wenig Hoffnung. Ob der Durchfluss weiter anhält oder wieder abbricht, werde sich zeigen, meint er lakonisch.

Das fortgeschrittene Alter hat den in Erdberg wohnenden Lobau-Pionier – der sich gerne als der letzte Erdberger darstellt – jedenfalls noch keine Sekunde verzagen lassen:

Sogar heute gibt es Zweifler und Quertreiber. Wir müssen weiter um jeden Quadratmeter Boden kämpfen und außerdem sehr genau aufpassen, was in den Randbereichen des Nationalparks geschieht!”

“Am Ende zählt nicht, wovon Du geträumt hast, sondern nur, was Du auch getan hast. Vielleicht zwingt uns der Planet, Gewohnheiten zu ändern, weil es gar nicht mehr anders geht.

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