Im Nationalpark wird wieder einmal gebaut

Der Schönauer Rückstaudamm – der von Groß-Enzersdorf aus, entlang der Felder an Mühlleiten vorbei bis Schönau führt – wird saniert.

Die Österreichische Wasserstraßen GmbH „via donau“ rodet beidseitig Schutzstreifen und wird den Damm in der Folge sanieren. Anlass dafür war das Hochwasser im Juni 2013, bei dem es – laut via donau – am Marchfeldschutzdamm, der direkt an der Donau verläuft und an den Rückstaudämmen „zu Sickerwasseraustritten, Aufweichungen und Setzungen“ gekommen sei.

Fotos: Robert Eichert

Auf mehr als sieben Kilometer wird nun eine Dichtwand eingebaut, ein Weg und eine Drainage hergestellt.

Noch im Jahr 2006 wollte sich die Politik dies ersparen. Damals drängten Experten des WWF, der Universität Wien, der Universität für Bodenkultur und des Nationalparks im Rahmen eines „Hearings“ vehement darauf, die Lobau endlich zu bewässern und im Idealfall Hochwasser möglichst umfassend durch die vertrocknende Landschaft abfließen zu lassen.

Die Idee mit dem umfassenden Hochwasserabfluss wurde abgewiesen, unter anderem mit dem Argument, dass es sonst notwendig wäre, den Schönauer Rückstaudamm teuer zu sanieren und sogar zu erhöhen.

Da wegen des nötigen, besseren Hochwasserschutzes aber in jedem Fall der, direkt entlang der Donau laufende Marchfeldschutzdamm erhöht werden müsste, sollte dieser zum Ausgleich „mindestens zwei Wehranlagen“ erhalten, mit deren Hilfe man die Untere Lobau halbwegs bewässern könne („ … um eine entsprechende Gewässervernetzung und Dynamisierung der Unteren Lobau zu erreichen.“)

Das im Konsens verfasste Abschlussdokument des Hearings wurde von der zuständigen Stadträtin, ihren Mitarbeitern und leitenden Beamten am 2. Oktober 2006 handschriftlich unterzeichnet. Danach kam alles anders:

Die versprochenen Wehranlagen wurden niemals gebaut und die Untere Lobau verlandet unaufhörlich weiter. Für Machbarkeitsstudien zur Einspeisung von Wasser wurden (mit Unterstützung der EU) seitdem viele Millionen Euro ausgegeben. Seit 2015 – neun Jahre nach dem unterfertigten Abschlussdokument des Hearings – überlagert die Angst um eine mögliche Verschmutzung des Trinkwassers jede weitere, signifikante Bewässerung.

Denn eine fachübergreifende Studie kam in diesem Jahr mit Hilfe von Modellrechnungen zu einem Ergebnis, das der Lobau keine Chance lässt: Die Dotation mit Wasser sei demnach zwar „ökologisch und im Hinblick auf die Nationalparkziele unabdingbar“, wegen vermutlicher Trinkwassergefährdung jedoch unmöglich.

An technischen Lösungen für die Untere Lobau würde jedoch fieberhaft weitergearbeitet werden. An mutigen politischen Entscheidungen wird augenscheinlich nicht gefeilt.

Und die Sanierung des Schönauer Rückstaudammes hat man sich trotzdem nicht erspart.

Quellen:
„Ergebnisse des ExpertInnenhearings und weitere Vorgangsweise hinsichtlich Fertigstellung des „Verbesserten Hochwasserschutzes für Wien“ (Oktober 2006)
Projektdatenbank Hochwasserschutz Donau http://www.viadonau.org/
Hochwasserschutz im Marchfeld“ in meinbezirk.at (1.12.2015)
Anfragebeantwortung in der Sitzung der Bezirksvertretung Donaustadt betreffend Sanierung des Schönauer Rückstaudammes (10. September 2014)

Hinterlasse einen Kommentar

*