2019 seit 10 Jahren geschlossen: das alte Lobaumuseum

34 Jahre lang war das Lobaumuseum inmitten der Oberen Lobau ein Fixpunkt für Tausende Wanderer und Hunderte Schulklassen. Im Mai 2009 wurde es geschlossen.

Sein Begründer, der keinen Streit vermeidende Polizist und Umweltaktivist Anton Klein, war seit mindestens 1984 mit dem Vermieter des Gebäudes, dem Forstamt der Stadt Wien, in heftige Scharmützel verwickelt.

Anfangs ging es noch um inhaltliche Fragen. Der Konflikt fand, wie bei Anton Klein zu erwarten, seinen Weg in die Tageszeitungen. Der Ökologe Bernd Lötsch verteidigte 1984 das Lobaumuseum und seinen Begründer in einem Leserbrief an den KURIER: „Ich gestehe offen die vielfältigen Anregungen, die ich selbst von Anton Klein bekommen habe. Ihm seine liebevoll eingerichteten Ausstellungsräume in der Lobau zu sperren, mit der Begründung, er betreibe seine Ausflüglerinformation nicht wissenschaftlich genug, ist einer Gemeinde nicht würdig.“

Im Lauf der Jahrzehnte wurde das denkmalgeschützte Gebäude zusehends baufälliger. Anton Klein war bereits 84 Jahre alt, als er „wegen Sicherheitsmängeln“ im Mai 2009 die endgültige Kündigung erhielt.

Er empfand die Entscheidung natürlich als unangebracht und warf der Forstverwaltung „absichtliches Verwüsten und bewusstes Verwahrlosen“ des Gebäudes vor, wären doch nach Auffassung des Kontrollamts der Stadt Wien alle sicherheitsrelevanten Mängel kurzfristig zu beheben gewesen.

Die Liste der Beanstandungen war lang: abgeschlagener Innenverputz, elektrische Leitungen, die zu Boden hingen, Schimmel, Feuchtigkeitsschäden, eine brandgefährliche Wandverkleidung. Das denkmalgeschützte Gebäude, so wurde vom Kontrollamt empfohlen, würde eine Generalsanierung benötigen – was bis heute nicht geschehen ist.

Die Donaustädter Bezirkszeitung beschrieb das traditionsreiche Museum damals als „einem Dornröschenschloss nicht unähnlich.“ Und weiter: „Wie auch im Märchen, scheint die Zeit hier stillzustehen. Ein knarrender, alter Holzboden, niedrige graue Wände, nahezu vollständig verdeckt von unzähligen Lehrtafeln, Schriftstücken und Bildern. Von der Decke baumeln Spinnennetze.“

Der hochbetagte Anton Klein sah die Bedeutung und die Aufgabe seines Lebenswerks aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel:

„All die Moose, Flechten, die Algen. Das braucht Zeit, Einfühlungsvermögen. Da im Museum ist es dargestellt, da muss man oft herkommen. Das ist nicht ein Museum, das man heißhungrig herunter schlingt wie eine Wurstsemmel, sondern wie einen Kaugummi kaut. Es ist eine wertvolle Bereicherung für das Verstehen des Lebens. Und wenn man das Leben verstanden hat, begreift man auch, wie wir überleben können. Dann wird man die Natur auch in ihrer paradiesischen Herrlichkeit verstehen können.“

Es war dem Museumsgründer und Retter der Lobau nicht gegönnt, in Frieden zu scheiden: „Als Dank für die Pionierarbeit hat man uns gekündigt und aus der Lobau ausgetrieben!!“

In seinen ersten zwanzig Jahren war das spätere „Dornröschenschloss“ zweifellos voller Leben, ein gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt. Es war als Museum offiziell anerkannt und selbstverständlich eine regionale Berühmtheit:

„Das Lobaumuseum im Naturschutzgebiet Lobau ist eines der eigenartigsten, aber auch engagiertesten der ohnedies schon illustren Reihe der Kleinmuseen.“
(Wiener Museumsführer: Klein-, Sonder- und Fachmuseen. Von Berndt Anwander und Thomas Reinagl, 1995)

„Mitten im Herzen der Lobau liegt das Lobaumuseum. Geballte Natur- und Menschengeschichte dieser Wiener Landschaft sind hier überschaubar dokumentiert.“ (Lieblingsorte der Wiener: ein Führer zu legendären Orten in der Stadt und deren spannenden Geschichten. Von Heidi Salome Stift, 2004)

„Vor allem aber wollen die Initiatoren des Museums den Besucher auf die Schutzfunktionen des Auwaldes aufmerksam machen und auf die Notwendigkeit, dieses Reservat zu hegen und zu bewahren.“
(Erziehung und Unterricht, Band 130, Österreichischer Bundesverlag, 1980)

 „Sie kleidete sich für das Joggen um und lief in Richtung des kleinen Lobaumuseums davon.“
(„Der Tote lebt – ein Fall für Trautmann“ von Ernst Hinterberger, 2006)

„1972 gegründet. Wiege des Nationalparks Lobau-Donau-Auen.“
(http://www.zukunftsbezirk-donaustadt.at)

„Das Lobaumuseum mit seiner einzigartigen Vielfalt bietet sowohl historische wie auch botanisch-zoologische Raritäten und Kuriositäten.“
(PID-Rathauskorrespondenz, 10.3.2000)

„Unsereinem gefällt die fast trotzige Antiquiertheit der chaotischen Sammlung, die Überladenheit, die all jene schätzen, die nur in Museen dieses Typs, im Graubereich zwischen öffentlich und privat, immer aufs Neue auf Überraschungen stoßen, die sie die halbes Dutzend Museumsbesuche zuvor im verrückten Wirrwarr glatt übersehen haben. Und unsereiner ist von der Dauerausstellung vor allem deshalb angetan, weil sie ebenso viel über den Ausstellungsmacher verrät wie über die eigentlichen Themen: Geschichte der Lobau, Ökologie der Lobau, Zukunft der Lobau (die nur denkbar als Teil der Zukunft des Planeten ist).“
(„Serengeti für Null Cents“ von Robert Sommer in „Augustin“ 08/2006)

 

Alle Fotos: Robert Eichert

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