Ohne Respekt und ohne Mitleid

Die meisten Menschen, die im Nationalpark Luft schöpfen und die Natur genießen, halten sich an die für den Fortbestand des Gebietes notwendigen Vorschriften und Gesetzestexte. Ein gewisser Prozentsatz der Besucher hat jedoch vor der Lobau keinen Respekt und mit deren Geschöpfen keine Spur von Mitleid.

Dass Hunde ohne Leine Rehe und Hasen jagen, dass Radfahrer querfeldein fahren, dass sich Spaziergänger nicht um das Wegegebot scheren, ist schon beinahe Alltag.

Was aber in den vergangenen Tagen in der Oberen Lobau geschehen ist, überschreitet sämtliche Toleranzgrenzen.

Im ersten Fall geht es um Orchideen. Sie gehören zu den Juwelen der Oberen Lobau. Der violette Dingel, eine Art, die bis zu 80 Zentimeter hoch werden kann, blüht nur sehr unregelmäßig und gilt in Österreich als selten bis sehr selten. Zwischen Biberhaufenweg und Donau-Oder-Kanal gibt es mehrere Stellen, an denen diese Orchidee zu finden ist bzw. zu finden war.

Stengel sauber abgeschnitten

Denn einer der bekanntesten Standorte wurde soeben geplündert: Es ist tatsächlich jemand in den Nationalpark gepilgert, um Dingel zu pflücken! Die Orchideen wurden fein säuberlich am Stengel abgeschnitten. Es könnte Dummheit gewesen sein, aber das systematische Abschneiden der Pflanzen deutet eher auf Rücksichtslosigkeit hin.

Fall Nummer zwei hat sich am Ufer der Alten Naufahrt ereignet, unweit des Tischwassers.

Naturfotograf Gerhard Neuhold und seine Begleiterin erreichten nach einer gemütlichen Wanderung gegen 20 Uhr die Naufahrt und blieben dort für ein paar Minuten stehen – als sie einen Mann beobachteten, der gerade sein Fahrrad packte und wegfuhr.

Kurz darauf kamen sie an eben jener Stelle vorbei und entdeckten am Boden, mehr als einen Meter vom Ufer entfernt, einen frisch verendeten Sonnenbarsch. Ein paar Schritte weiter ein zweiter toter Sonnenbarsch, insgesamt sieben Stück. Einer war zwar schon leicht angetrocknet, schnappte aber noch nach Luft. Gerhard Neuhold warf ihn zurück ins Wasser und rettete ihm das Leben.

Der Mann, der das angerichtet hat, war mit Sicherheit kein lizensierter Angler. Er hat die Fische illegal gefangen und sie sterbend am Trockenen zurückgelassen. Warum, werden wir wohl nie erfahren.

Neuhold: „Die Brutalität ist erschreckend, kein Mitleid mit den Tieren. Ja, gut, Sonnenbarsche sind eine vor mehr als hundert Jahren ausgesetzte, nordamerikanische Fischart. Sie gehören nicht hierher. Aber dafür können sie ja nichts.

Mehr über Dingel auf der Website des Nationalparks Donau-Auen: https://www.donauauen.at/nature/flora/herbs/orchideen-dingel/192
Mehr über den Sonnenbarsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Sonnenbarsch

Weitere Quelle:
Svojtka, Matthias (2007): Schön, groß und selten: Violetter Dingel, Limodorum abortivum. In: Orchideen-Kurier, Ausgabe 4, Juli/August

Alle Fotos: Gerhard Neuhold

Kommentare

  • <cite class="fn">IU</cite>

    Mir ist nicht bekannt, an welcher Stelle oder in welchem Angelrevier sich diese Ereignisse zugetragen haben sollen, aber in den meisten Wiener Revieren ist das Zurücksetzen von nicht heimischen Arten nicht erlaubt. Meist bezieht sich das (auch explizit) auf die Schwarzmaulgrundel, oft aber eben auf alle nicht-heimischen Arten.

    Dass die Fische nicht abgeschlagen und/oder zerstückelt ins Wasser eingebracht wurden, kann man jedenfalls als Verschmutzung der Uferbereiche (mögl. Lizenzentzug), möglicherweise aber auch als nicht Art/Fisch/ oder Waidgerechte Behandlung bzw. Tierquälerei (§222 StGB) ansehen.

    Jedenfalls weiterhin hin- und nicht wegschauen und wenn möglich aktiv auf Vereine und Behörden zugehen.

    Das Abschneiden von Orchideen – gerade in einem Nationalpark – ist imho einfach nur traurig.

    • <cite class="fn">Redaktion</cite>

      Verpflichtende Entnahme sämtlicher nicht heimischer Arten gibt es nur in Nationalparkgewässern. An der Alten Donau dürfen Graskarpfen nicht zurückgesetzt werden. An Donau, Rinne und Donaukanal muss man die invasiven Grundelarten zwingend entnehmen. In diesem Fall geht es eindeutig um ein Tierschutzvergehen bzw. um mangelnden Respekt vor lebenden Geschöpfen.

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