Norbert Sendor: seit 65 Jahren auf der Pirsch

NORBERT SENDOR gehört zu den Pionieren der österreichischen Naturfotografie – spezialisiert auf die Tierwelt der Donauauen rund um Wien. Als es Anfang der 1970er-Jahre darum ging, die Lobau vor der Zerstörung zu bewahren – und später darum, für einen Nationalpark Stimmung zu machen – waren Norbert Sendors Fotos von Wildtieren und sagenhaften Aulandschaften in Tageszeitungen und Büchern das Fundament, auf dem die große Öffentlichkeit erreicht werden konnte. Im Jahr 2000 wurde ihm in Würdigung seiner Leistungen das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Zeman betreibt er die Website http://www.elinor.at/

„Ich wurde 1936 in Wien-Erdberg geboren. Irgendwann erzählte mir meine Mutter von der Lobau und dass es dort auch Hirsche gäbe. Eine Vorstellung die mich faszinierte und eine Faszination, die bis heute anhält und in meinen Fotografien zum Ausdruck kommt..

Winterhafen, Juni 1953 (ganz rechts: Sendor)

Mein Engagement begann mit einer Gruppe ungefähr Gleichaltriger, die ein Interesse an der Unterwasserwelt verband, das durch die fantastischen Filme und Berichte von Hans Hass geweckt worden war. 1953 tauchten wir vorwiegend am Freudenauer Winterhafen, der zu jener Zeit ein exzellentes Badegebiet mit klarem Wasser war. Hier machte ich Bekanntschaft mit dem elf Jahre älteren Anton Klein, der ebenfalls dort tauchte und vor dem alle Respekt hatten.

Das Hafenbecken wimmelte von großen Weißfischschwärmen, wir hatten Begegnungen mit riesigen Hechten, Karpfen und Zandern. In den Altarmen des Praters gab es Schlammbeißer, Steinbeißer, die schönsten Bitterlinge, Karauschen, Schleien – alles Arten, die jetzt auf den Roten Listen stehen. Wir waren von unseren Erlebnissen so begeistert, dass meine Freunde beschlossen, diese Unterwasser-Welt einem größeren Publikum, auch anhand von Fotos, nahe zu bringen. Sie hielten Vorträge in Schulen, Gasthäusern, Kasernen – immer mit dem Gedanken, für den Schutz der Natur zu werben.

Eines Tages kam einer meiner Freunde zu mir und meinte, nur mit Fotos von Wasserpflanzen und Hechten sei es schwierig, die Menschen ein bis zwei Stunden lang zu fesseln. Da ich der einzige war, der eine der damals noch sehr raren Spiegelreflex-Kameras besaß und bereits Wildtiere fotografiert hatte, stellte ich meine Fotos erstmals öffentlich zur Verfügung.

Irgendwann zu dieser Zeit kam Franz Antonicek zu mir und meinte, er wolle so etwas ebenfalls machen und was er dazu brauche. Von da an entwickelte sich eine Freundschaft, die über alle Höhen und Tiefen des Lebens, bis zum Tod meines Franzerls im März 2016 anhielt. Ab 1954 durchstreiften wir gemeinsam die Donauauen.

Etwa um das Jahr 1970 herum wurden wir auf die Arbeit von Anton Klein aufmerksam, dessen Aquarienverein die Keimzelle der Bewegung zur Rettung der Lobau war. In seinem Sinne dürfen wir uns heute nicht zufrieden zurücklehnen, sondern müssen weiter für den Erhalt der Donauauen kämpfen. Worum wir uns kümmern sollten:

  • die Eintiefung der Donau
  • die Verlandung der Nebenarme
  • die Schaffung eines March-Thaya-Nationalparks samt Anbindung an den Nationalpark Donauauen
  • die Durchgängigkeit der Au als Teil der Weitwanderwege für Großtiere
  • die Vergrößerung des Nationalparks Donauauen und die Schaffung von Pufferzonen
  • die Überzeugung der Skeptiker und Gegner des Nationalparks.“

Email: e.zeman@aon.at
Website: www.elinor.at

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