Was wird aus der Lobau?

Am 26. November 2018 wurden in Orth an der Donau die Leitlinien des neuen Managementplans für den Nationalpark Donau-Auen vorgestellt, der die Absichten, Tätigkeiten und Strategien der Nationalparkverwaltung für die Jahre 2019 bis 2028 skizziert.

Obwohl es bereits Leitlinien gibt, die an diesem Abend präsentiert werden konnten, gilt der detaillierte Plan selbst noch nicht als offiziell fertiggestellt und steht demnach für die Allgemeinheit noch nicht zur Einsicht zur Verfügung. Er muss erst bei der Behörde zur Genehmigung eingereicht werden.

Die darin enthaltenen Planungsziele werden jedenfalls das Schicksal der Lobau mitentscheiden. Unser Vereinskollege Robert Eichert hat die Veranstaltung für eine Radiosendung zur Gänze aufgezeichnet. Hier die wichtigsten Auszüge zum Thema Lobau.

Nationalparkdirektor Mag. Carl Manzano wies gleich zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass „der Managementplan auch wesentliche Aussagen bezüglich des Gewässermanagements der Wiener Lobau enthalten wird.“

Im Rahmen der Publikumsdiskussion kam schließlich das Problem des Wassermangels und der bevorstehenden Austrocknung der Lobau ausführlich zur Sprache:

Zunächst meldeten sich Günter Feierabend und Christoph Lang, beide im Vorstand des Fischereiverein Lobau“, entschlossen zu Wort:

Wieso würde derzeit am Lausgrund die Eichert-Quelle nicht wie gewohnt sprudeln, wo doch der Niederwasserstand gerade so verheerend sei? Wieso werde derzeit nicht, wie üblich, Wasser aus der Alten Donau in die Obere Lobau geleitet? Wieso würde die Lobau grundsätzlich nicht mit Wasser aus der (Neuen) Donau dotiert?

DI Alexander Faltejsek, Leiter der Forstverwaltung Lobau, war bei der Antwort gezwungen, die Grenzen der Möglichkeiten und vor allem jene der behördlichen Bestimmungen aufzuzeigen:

Bei der Eichert-Quelle würde es sich um überschüssiges Trinkwasser aus den angrenzenden Brunnen handeln. Werde es ins Trinkwassernetz eingespeist, so Faltejsek, würde die Quelle eben trockenfallen. Das sei immer wieder einmal für zwei bis drei Wochen der Fall. Seit heute (= 26.11.) würde die Quelle aber wieder aktiv sein und ihr Wasser in das Altarmsystem eingespeist werden.

Faltejsek weiter: Das Wasser aus der Alten Donau würde grundsätzlich (Anm.: quasi von Amts wegen) nur von April bis Oktober in Richtung Lobau strömen. Die Abteilung Wasserbau (MA 45) dürfe dabei überdies gewisse Pegelgrenzen nicht überschreiten, deshalb wäre dies alles ohnehin für das System nur „wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.“ Ein neues Projekt zur Einleitung von Wasser aus der Neuen Donau in die Panozza-Lacke würde aber ab Ende 2019 die Situation ein wenig entschärfen.

Günter Feierabend beklagt alte, nicht eingehaltene Versprechungen über eine Dotierung bis hinein in den Fadenbach und fasst dann bekümmert zusammen: „Die Au braucht zwei Sachen: Ruhe und Wasser. Beides hat‘s jetzt anscheinend nimmer mehr.

Christoph Lang bringt die problematische Rolle der Sperrbrunnen in Höhe des Donau-Oder-Kanals zur Sprache. Sie würden – laut Auskunft des Nationalparks – den Grundwasserstrom statt in die Untere Lobau in die die Donau umleiten.

Alexander Faltejsek„Die Wiener Wasserwerke leiten bereits seit 20, 30 Jahren aus einer Sperrbrunnenanlage entlang des Donau-Oder-Kanals Wasser ab, um dort eben eine hydraulische Sperre zu haben, die verhindert, dass kontaminiertes Wasser aus dem Bereich Ölhafen in die Untere Lobau eindringt. Im Zuge der Sanierung des Tanklagers Lobau um 2003 wurde eine zweite Sperrbrunnenreihe direkt am Ende des Lagers gebaut. Diese Sperrbrunnenreihe ist derzeit ebenfalls aktiv. Damit ist die ältere Sperrbrunnenreihe eigentlich obsolet und nach meinem Wissensstand arbeiten die Wasserwerke daran, den alten wasserrechtlichen Bescheid, der dieser Sperrbrunnenreihe zugrunde liegt, ungültig zu machen, damit sie außer Betrieb gesetzt werden können.“

Nationalparkdirektor Mag. Carl Manzano zitiert dazu (sichtlich) aus dem Entwurf des neuen Managementplans:

Ein strategisches Ziel sei „die Verbesserung der Grund- und Oberflächenwässer in der Oberen Lobau durch Erweiterung und Optimierung der Dotation Lobau mit einer zusätzlichen Einspeisung über die Panozza-Lacke und die Auflassung der alten Sperrbrunnenreihe, sowie eine verbesserte Vernetzung des sekundären Grabensystems durch Wegabsenkung.“

Bernd Lötsch, Robert Eichert

Manzano weiter: „Die Situation ist alles andere als befriedigend, aber es ist nicht so, dass das einfach hingenommen wird, sondern es wird daran gearbeitet, die Dinge zu verbessern. Es gibt allerdings Rahmenbedingungen und das ist vor allem auch die Trinkwassernutzung und da kommt’s auf die Qualität des Grundwassers an. Und das macht es schwierig, die vielen Projekte, die in den letzten 20, 30 Jahren entwickelt und erdacht worden sind, auch wirklich so umzusetzen, dass viel und genug Wasser in die Lobau kommt.“

Ruf aus dem Publikum: „Aber dafür gibt es Trinkwasseraufbereitungsanlagen!“

Antwort vom Podium: „Es gibt in der Lobau keine Trinkwasseraufbereitungsanlagen.“

Antwort aus dem Publikum: „Aber man kann die errichten. Und damit wären mit einem Schlag all die Probleme dahin. Das sind ein paar Millionen Euro, das ist, sagen wir einmal, vergleichsweise ein Fliegenschiss.“

Der Lobaukenner Robert Eichert, Namenspatron der „Eichert-Quelle, fordert seit langem den Bau einer solchen Trinkwasseraufbereitungsanlage. Sie würde, so Eichert, endlich das Problem einer austrocknenden und immer weiter verlandenden Unteren Lobau lösen, ohne – wie von Behördenseite misstrauisch befürchtet – die Trinkwasserbrunnen der Stadt Wien zu gefährden.

Der Ökologe Univ. Prof. Dr. Bernd Lötsch bekräftigte im Gespräch mit Robert Eichert am Ende der Veranstaltung die Sinnhaftigkeit dieser Forderung. Er werde sich im Wiener Nationalpark-Beirat dafür einsetzen, weil die Wasserproblematik in der Lobau baldigst einer Lösung zugeführt werden müsse.

 

Alle Fotos: Robert Eichert

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