Mit Geduld und scharfem Blick: seltene Tiere!

Wer sich ein wenig mit der Tierwelt der Lobau beschäftigt, wird bald erkennen, dass sie mehr als bloß Stockenten, Schwäne und Graureiher zu bieten hat. Bei entsprechender Aufmerksamkeit kann man, auch ohne die erlaubten Wege zu verlassen, äußerst seltenen Tieren begegnen:

WASSERRALLE AM JOSEFSTEG
Gerhard Neuhold, der seit zehn Jahren mit seiner Kamera die Obere Lobau durchstreift, hat am 29. Juni gegen 19 Uhr beim Josefsteg eine Wasserralle entdeckt:

Ein typischer Schilfvogel, dessen Brutbestand sich in Wien nahezu völlig auf die Altwässer der Lobau konzentriert. Wasserrallen gelten als überaus scheu. Als sich am Josefsteg polternd ein Radfahrer nähert, verschwindet der Vogel so unvermutet, wie er gekommen war. Neuhold hat in dieser Gegend zuletzt im Jahr 2019 zwei Jungvögel entdeckt – im Fasangartenarm.

WÜRFELNATTER IN SCHÖNAU
Robert Poth, den es oft über die Wiener Landesgrenzen hinauszieht, hat am selben Tag und zur selben Zeit an der Schönauer Traverse eine Wasser-Schlange filmen können, die sich bei genauerer Betrachtung als Besonderheit herausgestellt hat: eine Würfelnatter.

Es ist der erste Nachweis dieser schlanken, ungiftigen Schlangenart nach langer Zeit. Vor gut zehn Jahren hieß es noch, die Vorkommen in der Lobau seien erloschen. Nun scheint sich die Art wieder auszubreiten. Sogar an der Donauinsel wurden bereits Würfelnattern gesichtet.

SCHWARZE MILANE
Elisabeth Zeman und ihr Begleiter, der Veteran Norbert Sendor, haben am 16. Juni bei der Schönauer Pferdekoppel Schwarze Milane fotografieren können – die zu den seltensten Greifvögeln Österreichs zählen. Es sind typische Auenbewohner.

Durch die Flussregulierungen ist ihr Bestand dramatisch geschrumpft. Das Vorkommen im Nationalpark Donau-Auen ist seit Anfang der 1990er-Jahre bis 2006 von 27 auf 9 Paare zurückgegangen. Schwarzmilane gelten in Österreich als „stark gefährdet“.  Sie ernähren sich von Aas (tote Fische, Abfälle, Straßenverkehrsopfer), sowie von Vögeln, Kleinsäugern, Amphibien, Reptilien und Insekten.

Um ihren Bestand im Nationalpark zu stützen, schlagen Biologen vor, den Auwald wieder mit Wasser zu dynamisieren, Störungen durch Besucher zu verhindern und draußen im Marchfeld sowohl die Landwirtschaft zu extensivieren, als auch das illegale Vergiften von Greifvögeln abzustellen.

Der Wildbiologe Antal Festetics hat übrigens schon im Jahr 1970 davor gewarnt, dass der Lebensraum der Schwarzmilane in der Lobau „durch Schlägerung und durch Aufschüttung der Altwasser“ allmählich zerstört würde.

Fotos: Gerhard Neuhold, Robert Poth, Zeman/Sendor

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