Angesalbte Zwergschwertlilien

Auf einer trockenen Wiese am Fuchshäufel in der Oberen Lobau blühten bis vor kurzem blau-purpurviolette und manchmal auch gelb-weiße Zwergschwertlilien – eine Rarität. Ihr Vorkommen in der Lobau wurde 2008 zum ersten Mal dokumentiert.

Zwergschwertlilien werden nur zehn bis 15 Zentimeter hoch und gelten als ausdauernde und dennoch gefährdete Pflanzen. Als natürliches Verbreitungsgebiet wird das nördliche Südeuropa genannt. Bei den Blüten der Zwergschwertlilien handelt es sich um „Täuschblüten“, die mit Farben und Formen Insekten anlocken, allerdings ohne ihnen am Ende auch Nektar anzubieten. Das Insekt bekommt also keine Belohnung von der Pflanze; die Pflanze hingegen zieht einen Vorteil daraus: Sie wird bestäubt.

Man vermutet, dass die Zwergschwertlilien der Lobau von einer unbekannten Person absichtlich ausgebracht wurden. Botaniker verwenden dafür den Fachausdruck „angesalbt“. Unter Ansalbung versteht man das bewusste Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen durch Ansaat oder Anpflanzung – mit dem Ziel einer vermeintlichen Bereicherung der Flora.

Im „Katalog der prioritären und streng geschützten Pflanzenarten der Stadt Wien“ aus dem Jahr 1995 heißt es noch, dass in Wien „von der Zwerg-Schwertlilie keine aktuellen Fundorte bekannt“ wären.

In den 1980er Jahren allerdings hätte es auf der Himmelswiese am Maurer Berg einige wenige Exemplare gegeben und am Laaerberg und am Bisamberg hätte jemand in etwa zur selben Zeit versucht, sie anzusalben.

In der Lobau dürfte das Ansalben gelungen sein. Ob das aus Sicht des Naturschutzes eine sinnvolle Sache ist, bleibt dahingestellt. Die Zwergschwertliline halten sich jedenfalls konstant, jedoch, wie es heißt „ohne Ausbreitungstendenzen zu zeigen“.

Fotos: Gerhard Neuhold

Quellen:

  • Neilreichia 9: 289–354 (2018): Floristische Neufunde (236–304), zusammengestellt und redigiert von Christian Gilli und Harald Niklfeld
  • „Katalog der „Prioritären“ und „Streng Geschützten“ Pflanzenarten des Arten- und Lebensraumschutzprogrammes der Stadt Wien“ (1995), zusammengestellt von Viktoria Grass im Auftrag der MA 22

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