Expedition Mühlwasser

Seit 25 Jahren wird die Lobau von der Alten Donau kommend, über das Mühlwasser bis nach Groß-Enzersdorf mit Wasser gespeist – theoretisch zumindest. Denn die geringen Mengen, die man durch die Schleuse an der Alten Donau flussabwärts passieren lässt, verhindern zwar das rasche Sterben des Gewässersystems – um es dauerhaft lebendig zu erhalten, genügen sie leider nicht. Wo geht der Weg des Wassers auf seinem Weg in die Lobau zu Ende und warum?

Peter Appelius, der seit mehr als sechzig Jahren in der Lobau gewissermaßen zu Hause ist, hat sich Ende September die Mühe gemacht, dem Lauf des Wassers mit dem Fahrrad zu folgen – von der Ausmündung an der Alten Donau bis zur Stadler Furt in Groß-Enzersdorf.

unter der Tangente

Sein Ziel war es, die Durchgängigkeit des Flussbettes und der Gräben zu untersuchen. Den ersten Stopp beobachtet er bereits unter dem Brückengewirr der Südost-Tangente, wo das zunächst relativ gut fließende Mühlwasser extrem langsam wird und stockt.

Danach sieht es besser aus. Appelius: „Bis zur Saltenstraße macht das Mühlwasser auf mich trotz des extrem niedrigen Donauwasserstandes einen lebendigen und fließenden Eindruck.

Ein Wermutstropfen ist allerdings die starke Verschilfung, die ein Hinweis auf die allmähliche Verlandung ist.

unterhalb Lobelienweg

Unterhalb der Asperner Saltenstraße ist es mit dem guten Eindruck jedoch vorbei: Die Wasserrinne ist verengt, das Schilf dominant. Das wenige Wasser ist voller Algen, Bäume liegen quer und Sträucher machen sich breit. Peter Appelius: „Diese Abflusshindernisse entdeckt man nur, wenn man so wie ich mitten durch dichtes Unterholz kriecht.

Bis zur Esslinger Furt ist das Gewässer – in diesem Bereich Oberleitnerwasser genannt – beinahe nicht mehr existent; ein paar Lacken, feuchter Boden, aber keine offenen Wasserflächen mehr.

Der daran anschließende Groß-Enzersdorfer Arm kämpft ab der Stadler Furt mit der kompletten Austrocknung.

bei der Esslinger Furt

Die Abteilung „Wiener Gewässer“ (MA 45) der Stadt Wien plant, den Abflussquerschnitt an den kritischen Stellen durch Baggerarbeiten demnächst zu erweitern.

Eine große Hoffnung für die teilweise Revitalisierung des Systems liegt in der Einspeisung von Wasser aus der Neuen Donau in die Panozza-Lacke, die in etwa zwei bis drei Jahren gestartet werden soll.

 

Alle Fotos: Peter Appelius

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