Die letzte Seerose des heurigen Jahres

So schön sie auch sein mögen – Weiße Seerosen (Nymphaea alba) sind eine Metapher für das Sterben der Lobau. Wasserpflanzengesellschaften, in denen sie üppig gedeihen, zeigen an, dass die Gewässer im Begriff sind auszutrocknen, zu verlanden.

Foto: Kurt Kracher

Wo das Wasser still steht, wo aus den vom Strom abgeschnittenen Auwässern träge Seen werden, dort wo sich Schlamm ansammelt, da fühlen sie sich wohl. Weil sich zwischen ihren langen Stielen und ihren Wurzelstöcken organisches Material leicht verhängen kann und auf diese Weise abgelagert wird, tragen sie auch selbst zur allmählichen Verlandung ihres Heimatgewässers bei.

Auch wenn die Weißen Seerosen der Lobau sehr ursprünglich wirken – es gibt sie hier erst seit Anfang der 1920er-Jahre. Der Schriftsteller Alois Sonnleitner beschreibt sie 1924 in seinem Buch „Die Hegerkinder in der Lobau“ voller Entzücken – und vermutlich als erster:

Handtellergroße weiße Rosen schwammen auf der klaren Flut inmitten tellerbreiter, runder, glänzender grüner Blätter: Echte Seerosen!

Die Botanikerin Adele Sauberer vermutet 1939, dass die Weißen Seerosen „vor einigen Jahren“  aus den Laxenburger Schlossteichen in die Lobau eingebracht worden seien. 1940 waren sie in der Lobau jedenfalls ausschließlich im Kühwörtherwasser anzutreffen.

Heute sind sie in allen großen Gewässern der Unteren Lobau maßgeblich am Aufbau der Schwimmblatt-Pflanzengesellschaften beteiligt. Kein Wunder, denn sämtliche Gewässer der Unteren Lobau sind massiv von Verlandung bedroht.

Literatur:

  • Adele Sauberer: „Aus der unteren Lobau“ (Zeitschrift „Natur und Land“, 1939)
  • Alois Sonnleitner: „Die Hegerkinder in der Lobau“ (1924, S. 204)
  • Regina Kohlbauer: „Saisonale Biomasseentwicklung von Makrophyten und deren Bezug zur Phytoplanktonentwicklung in den Gewässern der Lobau“ (Diplomarbeit Universität Wien, 2008)
  • Luise Schratt-Ehrendorfer: „Geobotanisch-ökologische Untersuchungen zum Indikatorwert von Wasserpflanzen und ihren Gesellschaften in Donaualtwässern bei Wien“ (Stapfia 0064: 23–162, 1999)

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