Das Corona-Virus und die Lobau (Teil 2): Müll

Am 29. März haben Sabine Zwierschitz und Helmut Sattmann, wohnhaft in Wien-Eßling am Rande der Lobau, unter anderen an den Bürgermeister, die Vize-Bürgermeisterin, die Donaustädter Bezirksvorstehung, den Nationalpark und die Forstverwaltung einen offenen Brief geschrieben.

Thema: Sorge um den Lobau aufgrund eines Massenansturms von Menschen, von denen viele weder Rücksicht auf Pflanzen, noch auf Tiere, noch auf das Nationalparkgesetz nahmen.

Geantwortet hat die Forstverwaltung Groß-Enzersdorf, wohl in formeller Vertretung des Nationalparks, jedenfalls verständnisvoll und ausführlich. Sabine Zwierschitz und Helmut Sattmann haben daraufhin neuerlich einen offenen Brief verfasst:

„Die Forstverwaltung Lobau der Stadt Wien hat auf unser Schreiben reagiert und in sehr konstruktiver Weise geantwortet, dass sie den Aufsichtsdienst angesichts der Entwicklungen verstärkt hat und den vermehrt anfallenden Müll regelmäßig entfernt. Der Leiter der Forstverwaltung gibt in dem Schreiben seiner Hoffnung Ausdruck (Zitat),

dass die Menschen, welche jetzt aufgrund der beschränkten Möglichkeiten verstärkt auf die Lobau als Erholungsraum zurückgreifen, nach dem Ende dieser Maßnahmen die Lobau umso mehr als Natur- und Erholungsraum zu schätzen wissen und dementsprechend sorgsamer damit umgehen…und sich bewusst werden, welches Naturjuwel sie hier vor der Haustüre haben, um dementsprechend wertschätzend damit umzugehen.“

Unser erster Text zum Corona-Quarantäne bedingten Ansturm auf die Lobau ist von den sozialen Medien aufgenommen und diskutiert worden. Gut so. Nochmals: Wir sind der Meinung, dass es super ist, dass Wien große Grünräume hat und offenhält, wo sich die Menschen Frischluft und Bewegung verschaffen können.

Heute hat mir ein Spaziergänger zugerufen: „Besser frische Luft, als zuhause sitzen!“ Ja, auch wenn dies nicht immun macht, hilft der Aufenthalt in der Natur, weil er Psyche wie Physis stärkt.

Tatsächlich haben wir registriert, dass viel Müll entfernt wurde und auch bemerkt, dass in Woche 3 der Quarantäne die Disziplin bezüglich Hundeleinen und Müllablagerungen deutlich zugenommen hat (Ein paar Unbelehrbare gibt’s leider immer noch).

Was uns besonders gefällt, sind Eltern mit Kindern, die gemeinsam entdecken, dass die Natur viel Spannendes zu bieten hat. Wir haben Sätze aufgeschnappt, wie „Schau, eine Baumhöhle!“ oder „Ein Schmetterling, toll, was es da draußen für Sachen gibt!“. Und wir sahen viele entspannte Eltern mit fröhlichen Kindern. Hoffentlich bleibt da was! Dass die Lobau nämlich in Zukunft nicht nur als Freizeitpark, sondern als wertvolles Naturschutzgebiet wahrgenommen wird.

Dieses Gebiet ist eine der letzten Biodiversitäts-Inseln zwischen großräumiger Landwirtschaft und einer Millionenstadt. Zu den vorrangigen Zielen des Nationalparks gehören die Erhaltung der Artenvielfalt und der ökologischen Funktionen des Auwaldes. Wenn die Lobau mehr bleiben soll, als ein städtischer Park, sind Bemühungen von Seiten der Politik nötig:

  • Ruhezonen für ökologisch besonders wertvolle Areale sollten deutlich gekennzeichnet und auch gemanagt werden. Dafür wäre eine Vergrößerung des Nationalparks erstrebenswert.
  • Die Hundezonen an den Rändern des Nationalparks sind viel zu klein. Eine Ausweitung wäre an mehreren Stellen möglich.
  • Die Lobau trocknet zusehends aus. Die Wasserversorgung (Dotierung) der Au durch die Stadt Wien sollte wirkungsvoll und transparent durchgeführt werden.

Die Erhaltung möglichst vieler ökologisch wertvoller und bio-diverser Areale dient dem Klimaschutz, dem Artenschutz und dem Wohlbefinden des Menschen gleichermaßen.“

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