Ausrottung und Wiederkehr der Biber

Wer sich in unseren Tagen über Biber beschwert, dass sie zu viele Schäden (?!) verursachen und nicht hierher gehören würden, sollte sich die Geschichte ihrer Ausrottung bewusst machen und die Tatsache, dass die Lobau 126 Jahre lang völlig biberfrei war.

Biber waren bis vor ungefähr 200 Jahren ein selbstverständlicher Teil der Wiener Natur. Sie sind uns verloren gegangen, weil der Mensch sie ausgerottet hat – und nicht, weil es für sie keinen Lebensraum mehr gegeben hätte.

Der Biberhaufenweg in Wien-Aspern wurde 1922 nach einer Insel („Haufen“) mit gutem Biberbestand im unregulierten Donaugebiet benannt. Zu dieser Zeit waren die Biber in den Donauauen unterhalb von Wien schon beinahe sechzig Jahre ausgestorben. Der letzte wurde 1863 bei Fischamend getötet, wo es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch „große Bibercolonien“ gab.

Der letzte „echte“ Lobau-Biber scheint wenige Jahre davor erlegt worden zu sein. 1850, so wird berichtet, wäre in einer „Lacke“ zwischen Rohrwörth und Kreuzgrund noch regelmäßig einer beobachtet worden.  Jedoch: „Das von der Jägerei gehegte Thier verschwand auf noch unaufgeklärte Weise, wahrscheinlich den Fischern oder Wildschützen zum Opfer fallend.

Der letzte Biber von Wien-Stadlau wurde 1821 gefangen. Verbesserte Jagd- und Fangmethoden, die Gier nach dem Wasser abweisenden Pelz und nach dem „Bibergeil“, einem stark nach Moschus riechenden Drüsensekret, dem potenzfördernde Wirkung nachgesagt wurde, brachten die Europäischen Biber um 1850 an den Rand des Aussterbens.

Ab 1970 setzte der Bund Naturschutz Bayern am Unteren Inn im Laufe von zehn Jahren 35 Tiere aus, die aus einer intakten Biberpopulation in Mittelschweden stammten. An der Salzach wurden zwei Paare auch auf österreichischem Boden eingebürgert.

Zwischen 1976 und 1988 wurden vom Wiener Naturforscher und Fernseh-Tierprofessor Otto Koenig und seinem Team in Kooperation mit der Stadt Wien insgesamt 42, unter anderem aus Polen, Skandinavien und Kanada stammende Biber in den Donauauen östlich von Wien ausgesetzt.

Damit begann die Rückkehr der Biber in unser Land. Heute sind sie erneut ein selbstverständlicher Bestandteil der Natur. Und das sollten sie auch bleiben.

 Literatur:
Johanna Sieber, (1989): „Biber in Oberösterreich – eine aktuelle Bestandsaufnahme an Inn und Salzach“ in „Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines 134a: 277-285“
Hans Peter Kollar, Marianne Seiter, (1990): „Biber in den Donau-Auen östlich von Wien. Eine erfolgreiche Wiederansiedelung“ in „Umwelt – Schriftenreihe für Ökologie und Ethologie 14: 1-75“
August Mojsisovics von Mojsvár, (1897): „Das Thierleben der österreichisch-ungarischen Tiefebenen“
„Vom sterbenden Wild um Wien“, in„Mitteilungen der Jagdschutzvereine von NÖ und Wien“ (1927, S. 32)

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