Zwischen 1960 und 1963 waren die Winter in Wien harsch, schneereich und geprägt durch langanhaltenden Frost.
Die jungen Erdberger, die sich seit 1953 in der sonst menschenleeren Lobau herumtrieben, um dort Dschungelabenteuer zu erleben und zu tauchen, waren nach wie vor voller Tatendrang.
An einem sonnigen Wintertag vor etwa 65 Jahren radelten drei von ihnen in die Untere Lobau, mit der Absicht, einen selbstgeschneiderten Tauchanzug zu testen und ein wenig die Unterwasserwelt unter dem Eis zu erkunden: Norbert Sendor fotografierte, Peter Appelius war der wagemutige Taucher, Charlie Fiala war sein Adjutant.
Ihr Weg führte auf den Fahrrädern von Erdberg, dem dritten Wiener Gemeindebezirk, über die Reichsbrücke bis weit hinunter zum Lausgrundwasser – gut sechzehn Kilometer auf schneebedeckter, holpriger Fahrbahn.
Peter Appelius: „Weil der schwere Trockentauchanzug sich im Wasser aufbläht, haben wir unheimlich viel Blei mitschleppen müssen.“
Der Anzug bestand aus gummiertem Leder und war selbst zusammengeklebt.
Appelius: „Wir haben uns zwei- oder dreimal daran gemacht, solche Anzüge herzustellen und haben versucht, sie einigermaßen dicht zu kriegen. Im Winter musst Du Dir darunter mehrere Pullover anziehen und es wird Dir trotzdem in absehbarer Zeit kalt sein.“
Als sie am westlichen Ende des Lausgrundwassers, praktischerweise fast unmittelbar beim Hubertusdamm gelegen, angekommen waren, erwartete sie eine dicke Eisschicht, die erst mühsam aufgehackt werden musste. Danach zwängte sich Peter Appelius mit Charlie Fialas Hilfe in den Gummianzug. Norbert Sendor hielt die Szene mit seinem Fotoapparat fest.
Die heute üblichen Anzüge aus Neopren (Kunstgummi) waren erst wenige Jahre zuvor in den USA auf den Markt gekommen und noch nicht nach Österreich gelangt – zumindest nicht bis nach Erdberg.
Die drei Freunde kannten sich seit frühen Jugendtagen. Ihre alte, gemeinsame Leidenschaft – die Lobau, das Schwimmen und das Tauchen – hielt sie auch Jahre später noch zusammen. Fiala arbeitete für die Hörbiger Ventilwerke in Simmering, Peter Appelius war Absolvent der Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie, Norbert Sendor hatte eine Sattler-Lehre mit der Meisterprüfung abgeschlossen.
Dann wagte sich Peter Appelius todesmutig unters Eis. Der Anzug war dicht, aber er hat, wie erwartet, trotz Pullis nicht wirklich die Kälte abgewendet. Viel mehr ist nicht überliefert.
Wie die Sache ausgegangen ist? Appelius (Jahrgang 1937): „Ich bin nicht im Loch geblieben, es gibt mich immer noch.“

