Traurig: der Groß-Enzersdorfer Arm

Seit Ende Juli (!) nur noch ein schmales Rinnsal … dabei wird in die Gewässerstrecke, die sich von der Alten Donau durch Stadlau, durch das Mühlwassers über Aspern, über die Esslinger Furt und den Groß-Enzersdorfer Arm bis hinunter zum naturbelassenen 2er-Becken des Donau-Oder-Kanals zieht, offiziell und tatsächlich von Wien her Wasser eingespeist. Allerdings nach der Methode „Zuviel zum Sterben, zuwenig zum Leben.“

Bereits seit 2001 rinnt aus der Neuen und der Alten Donau Wasser in die Obere Lobau, seit 2010 sogar theoretisch bis hinab in die Untere Lobau.

Die laut Bescheid maximal genehmigte Dotationsmenge lag bis 2004 bei kärglichen 500 Litern pro Sekunde, danach „am Papier“ bei 1500 Litern pro Sekunde.

De facto ging die Durchschnittsmenge des aus der Alten Donau abfließenden Wassers kaum über 500 Liter pro Sekunde hinaus – und das angesichts einer rund 12 (!) Kilometer langen Gewässerstrecke! Ziehe man dazu die hohen Verluste aufgrund von Verdunstung und Einsickern des eingespeisten Wassers in den Grundwasserhorizont in Betracht, würde laut einer Studie aus dem Jahr 2013 klar werden, dass „die Wasserverluste entlang des Weges durch die Obere Lobau bis dato zu gering waren, um tatsächlich eine durchgehende Dotation der Unteren Lobau zu erreichen.

Wasser von der Alten Donau: ein sparsames Bächlein für 12 Kilometer Gewässerstrecke bis in die Untere Lobau

Zumindest in der Theorie besteht bzw. bestand also – im Rahmen eines „wasserwirtschaftlichen Versuches“ – eine durchgehende Verbindung von der Alten Donau bis in die Untere Lobau – und sie mag den Groß-Enzersdorfer Arm in beschwerlichen Zeiten der Trockenheit durchaus ein wenig unterstützt haben.

Die behördliche Bewilligung für diesen Versuch ist jedoch 2015 ausgelaufen.

Das Ergebnis kann man auf den Fotos von Kurt Kracher betrachten.

Es ist, als würde man die Lobau absichtlich austrocknen lassen. Die immer wieder gehörten Begründungen sind überaus diskussionswürdig:

 

  • Wegen der Gefährdung der Trinkwasserbrunnen! (Und was war die Jahrzehnte davor, als die Lobau noch mehr Wasser hatte?)
  • Wegen der Überschreitung chemischer oder hygienischer Grenzwerte! (Bei Frischwasser aus öffentlichen Badegewässern?)
  • Wegen der Gefährdung von Hauskellern durch einen erhöhten Grundwasserstand! (Ein seit Jahren gepflegter Mythos: Niemand weiß, wie viele Keller betroffen sein könnten bzw schon betroffen gewesen sind – und in welchem Ausmaß. Geht es um 5 Keller oder um 500?)

Literatur: „Auenrevitalisierung –Potenzial und Grenzen am Beispiel der Lobau“ von Gabriele Weigelhofer, Walter Reckendorfer, Andrea Funk und Thomas Hein (in „Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft“, Dez. 2013)

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