Wasser für die Obere Lobau: Was die Rathauspropaganda verschweigt

Ulli Sima, die Amtsführende Stadträtin für Innovation, Stadtplanung und Mobilität (nicht für Umwelt) posierte am 20. Jänner medienwirksam mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy bei der Baustelle einer Rohrleitung, die auf Höhe der Panozzalacke Wasser aus der Neuen Donau in die Lobau einbringen soll.

Der dazugehörige Pressetext ist ein meisterhaftes Beispiel für wahrheitsverschleiernde Propaganda.

Da heißt es etwa, die Rohrleitung aus der Neuen Donau in die Panozzalacke würde eine Verdreifachung der Wassermengen bringen.

Richtig wäre: „Die Rohrleitung aus der Neuen Donau in die Panozzalacke könnte rein technisch gesehen drei Mal so viel Wasser in die Obere Lobau leiten, wie derzeit vom Mühlwasser her eingeleitet werden darf. Das wird allerdings in absehbarer Zeit – wenn überhaupt – nicht der Fall sein.“

Denn: Erstens ist keineswegs garantiert, dass aus der Neuen Donau beständig bzw. maximal jene behauptete Verdreifachung der Wassermenge ausgeleitet werden kann.

Und zweitens darf – egal wie viel technisch möglich wäre – nur so viel neues Wasser über die Panozzalacke eingeleitet werden, bis dieses in Groß-Enzersdorf am Rand des Holzdammes bei der Staudigl-Brücke anstehen würde. Sollte das passieren, muss abgedreht werden.

Und dazu wird es keine 1500 Liter pro Sekunde brauchen. Da würde ein Feuerwehrschlauch genügen.

Holzbalken-Damm beim “Staudigl”

Warum zum Donnerwetter muss bei vollem Stau am Holzdamm das Zuleitungswasser abgedreht werden?

Antwort: Laut gültigem Wasserrechtsbescheid darf über den ominösen Damm bei der Staudigl-Brücke kein Tropfen weiter hinab in die schwer unter Wassermangel leidende Untere Lobau fließen, denn ein solcher könnte – wie die Stadt in untätiger Schreckstarre seit mittlerweile acht Jahren befürchtet – die Brunnen des Grundwasserwerks gefährden.

Die Untere Lobau wird in Simas Presseaussendung jedoch mit keinem einzigen Wort erwähnt

Zitat Sima obendrein: Die neue Zuleitung sei „essenziell für den Erhalt und die Entwicklung von Flora und Fauna im Nationalpark.“

Das ist eine Falschbehauptung. Die Gewässer der Oberen Lobau und ihre Lebewelt werden bereits seit geraumer Zeit gut mit Wasser versorgt. Das zusätzliche, frische Wasser kommt der zu nährstoffhaltigen Panozzalacke zugute und dem vertrockneten Fasangartenarm – was sehr zu begrüßen ist, aber nicht einmal annähernd „essenzielle“ Bedeutung für den Nationalpark hat.

Wirklich „essenziell für den Erhalt und die Entwicklung von Flora und Fauna im Nationalpark“ wäre die Zuleitung nur, wäre es dem neu verfügbaren Wasser gestattet, über Groß-Enzersdorf hinaus in die verdurstende Untere Lobau zu fließen.

Darüber verliert Frau Sima aber kein einziges Wort. Was zählt ist das Werbefoto und die Bequemlichkeit vieler Redakteure, welche die Rathaus-Meldung ungecheckt und kritiklos veröffentlichen.

Grundsätzlich: Die Gewässer der Oberen Lobau sind durch die Dotation über das Mühlwasser bereits gut gefüllt. Das Extra-Wasser über die Panozzalacke würde sie um eine Nuance besser füllen und nebenher hoffentlich auch den Grundwasserstrom in Richtung Untere Lobau bestärken.

Zusammenfassung:

  • Die Magistratsabteilung 45 „Wiener Gewässer“ hat mit der Wasserzuleitung aus der Neuen Donau bei der Panozzalacke ein wichtiges, für die Lobau und den Nationalpark sehr wertvolles Projekt zustande gebracht, das seinen wahren Zweck jedoch nicht erfüllen kann, solange kein einziger Tropfen davon in die Untere Lobau gelangen darf.
  • Die eingeleitete Wassermenge wird nicht – wie von Sima behauptet – verdreifacht.
  • Die neue Wassereinspeisung ist für den Nationalpark nicht – wie von Sima behauptet – essenziell.
  • Die im Sterben liegende Untere Lobau, die so dringend politische Tatkraft benötigt, wird im Dienst einer plumpen Eigenwerbung von Frau Sima und Herrn Nevrivy mit keinem Wort erwähnt.

Siehe auch (inkl. Quellenangaben): https://www.lobaumuseum.wien/cms/propaganda-a-la-carte-die-neue-wasserzuleitung-bei-der-panozza-lacke/

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