{"id":932,"date":"2017-04-08T21:57:54","date_gmt":"2017-04-08T19:57:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=932"},"modified":"2017-04-14T20:40:47","modified_gmt":"2017-04-14T18:40:47","slug":"1948-wer-rettet-in-letzter-stunde-die-auen-bei-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/1948-wer-rettet-in-letzter-stunde-die-auen-bei-wien\/","title":{"rendered":"1948: \u201eWer rettet in letzter Stunde die Auen bei Wien?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Juni 1948 erschien in der Zeitschrift \u201eNatur und Land\u201c eine melancholisch-begeisterte Beschreibung der Lobau in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg &#8211; verbunden mit einem verzweifelten Aufruf zur Rettung der Wiener Auw\u00e4lder.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Autor dieser Zeilen ist der 1882 in Ottakring geborene Pilzkundler Thomas Cernohorsky, 1919 Mitbegr\u00fcnder der \u201eGesellschaft der Pilzfreunde\u201c, heute \u201e<span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/oemykges\/\">\u00d6sterreichische Mykologische Gesellschaft<\/a><\/span>\u201c. Cernohorsky war nicht nur f\u00fcr sein Fachwissen bekannt, sondern auch f\u00fcr sein gerades, offenes Wesen und seine menschliche Anteilnahme.<\/strong><\/p>\n<p>Im Artikel \u201eMein Gang um Fr\u00fchlingspilze\u201c (1948) bezieht er sich auf den gravierenden Wandel, den die Wiener Donauauen in den Jahrzehnten davor \u00fcber sich ergehen lassen mussten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-934 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Morchel.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"222\" \/><\/em><em>\u201eEs war noch vor dem ersten Weltkrieg. Man stieg in die Stra\u00dfenbahn und fuhr mit ihr, oder ein paar Stationen weit mit der Eisenbahn, entlang der Donau und schon war man am Ziel: \u00fcberall dehnten sich dichte, \u00fcppige Auw\u00e4lder. Hatte man erst das Gl\u00fcck, ein Fischerboot zu erreichen und \u00fcber den Strom zu setzen, so gelangte man in urwald\u00e4hnliche Aubest\u00e4nde der Lobau.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eHerrgott, wie sah es damals dort aus! Eine Welt voll Urnatur, \u00dcppigkeit, Urkraft und Sch\u00f6nheit! Nur bescheidene, heimliche Jagdsteige und zahlreiche Hochwildwechsel durchquerten die Dickungen und W\u00e4lder. Pr\u00e4chtige, lianenverschlungene Hochw\u00e4lder aus Pappeln und Weiden wechselten mit Erlenbr\u00fcchen und Sanddornb\u00fcschen. Stille versumpfte Wassergr\u00e4ben und weite offene Altw\u00e4sser durchzogen nach allen Richtungen dieses Waldland.\u201c<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-936 alignright\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Lobau-1934-1024x835.jpg\" alt=\"\" width=\"314\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Lobau-1934-1024x835.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Lobau-1934-300x245.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Lobau-1934-768x626.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 314px) 100vw, 314px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDazwischen lagen trockene Schotter- und Sandfl\u00e4chen und gro\u00dfe freie Auwiesen, auf denen Rudelweise Hirsche \u00e4sten, Fasane und Bronzeputer umherliefen. Ja, damals war die Au noch voller Wild, B\u00e4ume, Blumen und \u2013 Pilze. Hier suchte ich im April, Mai, oft noch fr\u00fcher meine erste Pilzernte des Jahres.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eVerschwunden ist der Wald von Langenzersdorf, wo ich vor 30 Jahren noch Morcheln erntete, versch\u00fcttet sind die Auen von Strebersdorf, vernichtet fast die Waldbest\u00e4nde an der Alten Donau und versiegt sind viele, allzu viele Gew\u00e4sser in der Au.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie Praterau liegt bereits in den letzten Z\u00fcgen, die Klosterneuburger Auen liegen in Agonie \u2014 wer rettet die Lobau, die an dem Bau des Donau\u2014Oderkanals, durch \u00d6lraffinerien und planlose Siedlung u. a. m. schwer erkrankt ist?!&#8221;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDabei h\u00e4tte die Gro\u00dfstadt Wien ihre Auen so n\u00f6tig, wie ein Mensch nur \u00fcberhaupt einen Garten, Park oder Wasser f\u00fcr seine Gesundheit n\u00f6tig<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-933 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Thomas-Cernohorsky.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Thomas-Cernohorsky.jpg 391w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Thomas-Cernohorsky-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/> hat. Spricht man vom Wienerwald als der \u201eLunge der Gro\u00dfstadt\u201c, so mu\u00df ebenso berechtigt die Au als ein \u201eLungenfl\u00fcgel\u201c Wiens bezeichnet werden, der mit jedem Atemzug ozonreiche Luft in die stauberf\u00fcllten Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze pumpt.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><em>\u201eJosef Sch\u00f6ffel rettete einst in letzter Minute den Wienerwald und erhielt sich den unverg\u00e4nglichen Dank der Gro\u00dfstadt und ihrer Erholung suchenden Bev\u00f6lkerung. Wer, Staat oder Wien, Gesetz oder K\u00f6rperschaft, B\u00fcrgermeister oder begeisterte Pers\u00f6nlichkeit rettet in letzter Stunde die Auen bei Wien?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Thomas Cernohorsky, Vizepr\u00e4sident und Ehrenmitglied der <span style=\"color: #3366ff;\"><a style=\"color: #3366ff;\" href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/oemykges\/\">\u00d6sterreichischen Mykologischen Gesellschaft<\/a><\/span>, verstarb 1956 im 74. Lebensjahr an einer Lungenembolie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Anmerkung: &#8220;Bronzeputer&#8221; sind ein Farbschlag der ab 1871\u00a0entlang der Donau\u00a0ausgewilderten amerikanischen Truth\u00fchner)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 1948 erschien in der Zeitschrift \u201eNatur und Land\u201c eine melancholisch-begeisterte Beschreibung der Lobau in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg &#8211; verbunden mit einem verzweifelten Aufruf zur Rettung der Wiener Auw\u00e4lder. Der Autor dieser Zeilen ist der 1882 in Ottakring geborene Pilzkundler Thomas Cernohorsky, 1919 Mitbegr\u00fcnder der \u201eGesellschaft der Pilzfreunde\u201c, heute \u201e\u00d6sterreichische Mykologische Gesellschaft\u201c. Cernohorsky war nicht nur f\u00fcr sein Fachwissen bekannt, sondern auch f\u00fcr sein gerades, offenes Wesen und seine menschliche Anteilnahme&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":942,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[109,19],"class_list":["post-932","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-von-gestern","tag-pilze","tag-verlandung"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=932"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":953,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/932\/revisions\/953"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/942"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}