{"id":903,"date":"2017-04-02T11:56:48","date_gmt":"2017-04-02T09:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=903"},"modified":"2017-04-08T22:11:18","modified_gmt":"2017-04-08T20:11:18","slug":"die-lobau-und-die-volksbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-lobau-und-die-volksbildung\/","title":{"rendered":"Die Lobau und die Volksbildung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Ende des 19. Jahrhunderts an erhoffte man sich in \u00d6sterreich von der \u201eBildung f\u00fcr alle\u201c einen wesentlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt. So entstand eine Vielzahl von Bildungsvereinen, die sp\u00e4teren Volkshochschulen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Rahmen der naturwissenschaftlichen Bildung spielte auch die Lobau aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer N\u00e4he zu Wien eine wichtige Rolle. Es waren oft weltbekannte Wissenschaftler und heute legend\u00e4re Natursch\u00fctzer, die in Vortragss\u00e4len \u00fcber sie berichteten, Lichtbilder zeigten und ihre Sch\u00fcler auf Exkursionen begeisterten.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_905\" aria-describedby=\"caption-attachment-905\" style=\"width: 238px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-905\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Werner_Franz_1867-1939.jpg\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Werner_Franz_1867-1939.jpg 681w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Werner_Franz_1867-1939-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-905\" class=\"wp-caption-text\">Franz Werner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwischen 1905 und 1923 nahm sich der noch heute ber\u00fchmte Wiener Zoologe <strong>Franz Werner (1867 \u2013 1939)<\/strong> der Lobau an, im Rahmen von volkst\u00fcmlichen Universit\u00e4tsvortr\u00e4gen, f\u00fcr den Verein Volksheim und f\u00fcr den Wiener Volksbildungsverein.<\/p>\n<p>Werner war ab 1909 Professor f\u00fcr Zoologie an der Universit\u00e4t Wien, er war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Zoological Society of London, Ehrenmitglied der American Society of Ichthyologists and Herpetologists. Mehr als hundert Reptilienarten wurden von ihm erstmals wissenschaftlich beschrieben.<\/p>\n<p>Zur Volksbildung trug er mit Dutzenden Vortr\u00e4gen (vor allem \u00fcber seine vielen Afrika-Reisen) und mit Exkursionen bei, 1905\/06 etwa mit der Veranstaltung \u201eNaturwissenschaftlicher Kurs \u2013 die Fauna von Nieder\u00f6sterreich mit F\u00fchrung Lobau\u201c, 1912\/13 mit \u201eNaturwissenschaftlicher Kurs: Das Tierleben der Donauauen \u2013 Lichtbilder und F\u00fchrung Lobau.\u201c<\/p>\n<p>Seine Sch\u00fcler taten es ihm gleich. <strong>Alois Rogenhofer (1878 \u2013 1943)<\/strong> war Assistent am Zoologischen Institut und sp\u00e4ter Direktorstellvertreter der Wiener Universit\u00e4tsbibliothek. Im Semester 1908\/09 leitete er einen \u201eZoologischen Ausflug\u201c in die Lobau.<\/p>\n<p>Der Entomologe <strong>Max Beier (1903 \u2013 1979)<\/strong>, Gr\u00fcndungspr\u00e4sident der \u00d6sterreichischen Entomologischen Gesellschaft und Abteilungsleiter (sp\u00e4ter Zoologischer Direktor) am Naturhistorischen Museum, leitete im Semester 1929\/30 unter dem Titel \u201eDie Tierwelt des Auwaldes\u201c ebenfalls einen Tagesausflug in die Lobau, 1933\/34 unternahm er mit Volkshochsch\u00fclern eine \u201eZoologische Wanderung\u201c in die Lobau.<\/p>\n<p>Dem langj\u00e4hrigen Leiter der Herpetologischen Sammlung des Wiener Naturhistorischen Museums und sp\u00e4teren Universit\u00e4tsprofessor <strong>Otto Wettstein (1892 &#8211; 1967)<\/strong>, der Franz Werner auf zahlreichen Reisen begleiten durfte, zog es ebenfalls in die Donauauen. 1922\/23 und 1923\/24 f\u00fchrte er \u201eLehrausfl\u00fcge\u201c in die Lobau und portr\u00e4tierte \u201eDas Tierleben der Lobau\u201c mit \u201eLichtbildern und Filmen\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_906\" aria-describedby=\"caption-attachment-906\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-906\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/G\u00fcnther-Schlesinger.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"321\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/G\u00fcnther-Schlesinger.jpg 304w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/G\u00fcnther-Schlesinger-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-906\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnther Schlesinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwischen 1918 und 1924 widmete sich der Natursch\u00fctzer und Pal\u00e4ontologe <strong>G\u00fcnther Schlesinger (1886 \u2013 1945)<\/strong> im Rahmen der Volksbildung unter anderem der Lobau. Schlesinger war zuletzt Hofrat und Regierungsdirektor am Nieder\u00f6sterreichischen Landesmuseum und gilt heute als \u201eVater des \u00d6sterreichischen Naturschutzes\u201c. Er war vom Wunsch beseelt, die Natur den Menschen nahe zu bringen, sie aber gleichzeitig vor den Menschen zu sch\u00fctzen. Um dieses Ziel zu erreichen, brachte er ab 1913 die Zeitschrift &#8220;Bl\u00e4tter f\u00fcr Naturkunde und Naturschutz&#8221; heraus. Damit war in \u00d6sterreich erstmals \u00f6ffentlich von \u201eNaturschutz\u201c die Rede.<\/p>\n<p>Sein Wirken im Sinne der Lobau fand in der Wiener Urania statt. Die Titel seiner Lehrveranstaltungen: \u201eDie Krong\u00fcter und ihre Zukunft: Die Wald- und Aueng\u00fcter (Lainzer Tiergarten, Lobau und Prater (mit Lichtbildern und Filmen)\u201c, \u201eDie Lobau und der Lainzer Tiergarten (mit Lichtbildern und Filmen)\u201c und \u201eDie Lobau\u201c.<\/p>\n<p>1923\/24 hatte man die einmalige Gelegenheit, mit <strong>Bruno Huber (1899 \u2013 1969)<\/strong> eine \u201eBotanische Exkursion Lobau\u201c unternehmen zu d\u00fcrfen. Der Botaniker war zun\u00e4chst Assistent an der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur, 1946 wurde er Vorstand des Forstbotanischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen und Ordinarius f\u00fcr Anatomie, Physiologie und Pathologie der Pflanzen.<\/p>\n<p>Ein vergleichbares, gewisserma\u00dfen denkw\u00fcrdiges Ereignis war die \u201eBotanische F\u00fchrung Lobau\u201c mit <strong>Fritz Ge\u00dfner (1905 \u2013 1972)<\/strong>, die im Semester 1927\/28 durchgef\u00fchrt wurde. Der Botaniker habilitierte sich in M\u00fcnchen mit einer Arbeit \u00fcber die Atmung der Wasserpflanzen, gr\u00fcndete die Biologische Forschungsstation Hiddensee (an der Ostsee) und wurde im Laufe seiner Karriere einer der besten Kenner der tropischen s\u00fcdamerikanischen Pflanzenwelt. 1960 erhielt er einen Ruf an den Lehrstuhl f\u00fcr Meeresbotanik am Institut f\u00fcr Meereskunde in Kiel, den er bis zu seinem Tod innehatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-907 alignright\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Hans-Franke-636x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Hans-Franke-636x1024.jpg 636w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Hans-Franke-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Hans-Franke-768x1237.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Hans-Franke.jpg 884w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/>1927\/28 konnte man mit <strong>Karl Hagen<\/strong> im Vortragssaal und auch tats\u00e4chlich in die Lobau reisen. Seine Themen: \u201eDas Tier- und Pflanzenleben des Auwaldes\u201c und \u00a0\u201eDie Raubvogelwelt der Lobau\u201c. Hagen wurde danach Forstdirektor der Stadt Wien, war nach 1945 1. Vorsitzender des Naturschutzbundes und verhinderte gemeinsam mit dem sp\u00e4teren Wiener B\u00fcrgermeister Bruno Marek, dass der Lainzer Tiergarten zur Verbauung freigegeben wird.<\/p>\n<p><strong>Hans Franke (1897 \u2013 1990)<\/strong> war Gr\u00fcndungs- und Ehrenmitglied der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Vogelkunde (heute BIRDLIFE). In den Volkshochschul-Semestern 1931\/32 und 1936\/37 veranstaltete er f\u00fcr die Urania F\u00fchrungen \u00fcber \u201eDas Vogelleben in der Lobau\u201c. Franke hatte die F\u00e4higkeit, Vogelstimmen naturgetreu nachpfeifen zu k\u00f6nnen. Die \u00f6sterreichische Rundfunkgesellschaft sendete Frankes Gezwitscher lange Zeit als Morgengru\u00df und lie\u00df ihn im Anschluss die entsprechende Vogelart beschreiben. Damit erwarb er sich den volkst\u00fcmlichen Titel &#8220;Vogelfranke&#8221;.<\/p>\n<p>Zwischen 1950 und 1953 hatten die Volkshochsch\u00fcler das Vergn\u00fcgen, mit <strong>Johann Handl (1891 \u2013 1975)<\/strong> durch die Natur streifen zu k\u00f6nnen. Der Lehrer, Bezirksschulinspektor und begeisterte Vogelkundler Handl war f\u00fcr die SP\u00d6 von 1954 bis 1960 Mitglied des \u00f6sterreichischen Bundesrates. F\u00fcr die Volkshochschulen Alsergrund, W\u00e4hring und Margareten gr\u00fcndete er eine \u201enaturkundliche Wandergruppe\u201c, die ihre Aktivit\u00e4ten im Wienerwald und in der Lobau entfaltete.<\/p>\n<p>Im Programm des Vereins \u201eVolksheim Ottakring\u201c wurden von 1934 bis 1937 die naturwissenschaftlichen Wanderungen \u201eFr\u00fchling in der Lobau\u201c und \u201eSp\u00e4therbst in der Lobau\u201c unter der Leitung des Geologen <strong>Erwin Lahn (1907 \u2013 1990)<\/strong> angeboten. Lahn f\u00fcrchtete bei Hitlers Macht\u00fcbernahme 1938 um das Leben seiner j\u00fcdischen Ehefrau und floh mit ihr in die T\u00fcrkei, wo er unter dem Namen Emin \u0130lhan (Emin Bey) als Geologe Karriere machte. Er verstarb in Ankara.<\/p>\n<p>Dazu kommen<\/p>\n<ul>\n<li>Adolf Cerny, Professor am Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik der Technischen Hochschule Wien (Biologische Ausfl\u00fcge, Lebewelt der Kleingew\u00e4sser 1923-1926)<\/li>\n<li>Franz Goigner, Vogelkundler (Leben in T\u00fcmpeln, Vogelwelt 1926\/27 und 1952\/53)<\/li>\n<li>Felix G\u00f6hlert, Biologe, Bodenkundler (Botanische Wanderung 1926\/27)<\/li>\n<li>Oswald Rossi, Psychologe, sp\u00e4ter Dozent f\u00fcr moderne Sprachen in New York (Exkursion in die Lobau der Fachgruppe Philosophie 1928\/29)<\/li>\n<li>Viktor Spitzenberger, Zoologe (Tierwelt 1929-1931)<\/li>\n<li>Wolfgang Himmelbaur, Botaniker, sp\u00e4ter Leiter der Abteilung f\u00fcr Arzneipflanzenbau und Drogenuntersuchung an der Landwirtschaftlich-Chemischen Versuchsstation in Wien (Exkursion 1913\/14)<\/li>\n<li>Heinz Scheibenpflug, Natursch\u00fctzer, Volksbildner und Erwachsenenbilder (Lehrwanderungen 1934-1938)<\/li>\n<li>Franz Zimmer, Forstingenieur, Buchautor, der als Verwalter einer Farm in Ostafrika f\u00fcr das Naturhistorische Museum sammelte. (Thema Jagd und Wild, Exkursionen 1957-1961)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ende des 19. Jahrhunderts an erhoffte man sich in \u00d6sterreich von der \u201eBildung f\u00fcr alle\u201c einen wesentlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt. So entstand eine Vielzahl von Bildungsvereinen, die sp\u00e4teren Volkshochschulen. Im Rahmen der naturwissenschaftlichen Bildung spielte auch die Lobau aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer N\u00e4he zu Wien eine wichtige Rolle. Es waren oft weltbekannte Wissenschaftler und heute legend\u00e4re Natursch\u00fctzer, die in Vortragss\u00e4len \u00fcber sie berichteten, Lichtbilder zeigten und ihre Sch\u00fcler auf Exkursionen begeisterten. 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