{"id":8284,"date":"2026-07-16T17:29:49","date_gmt":"2026-07-16T15:29:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=8284"},"modified":"2026-07-19T20:24:26","modified_gmt":"2026-07-19T18:24:26","slug":"die-untere-lobau-am-ende-was-wirklich-dahintersteckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-untere-lobau-am-ende-was-wirklich-dahintersteckt\/","title":{"rendered":"Die Untere Lobau am Ende: Was wirklich dahintersteckt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kurt Kracher wohnt in Gro\u00df-Enzersdorf und fotografiert seit mehr als 35 Jahren in der Lobau. Vor wenigen Tagen hat ihn nach einem ausf\u00fchrlichen Rundgang die Verzweiflung erfasst, denn die Untere Lobau ist nicht mehr:<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>\u201eSo habe ich sie noch nie gesehen. Auf beiden Seiten der K\u00fcnigl-Traverse ist alles komplett ausgetrocknet. Am K\u00fchw\u00f6rtherwasser gibt es Wasser nur mehr im Nahbereich der G\u00e4nshaufen-Traverse. Die Schwadorfer Rinne und das Sch\u00f6nauer Wasser \u2026 alles trocken.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie es so weit kommen konnte, ist mittlerweile ziemlich klar. Und es hat nur am Rande mit Klimawandel und Niederschlag zu tun. Hier, was wirklich dahintersteckt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Untere Lobau ist nat\u00fcrlich nicht das einzige Feuchtgebiet in \u00d6sterreich, das derzeit fast komplett ausgetrocknet ist. Es gibt jedoch zu allen anderen einen signifikanten Unterschied: Die katastrophale Situation in der Unteren Lobau ist nicht die Schuld eines Regendefizits, sondern die Schuld der Stadt Wien.<\/p>\n<p>Das zeigt die Situation in den benachbarten Gew\u00e4ssern:<\/p>\n<p>Die Alte Donau ist nach wie vor nicht am Verdursten, das M\u00fchlwasser ist ordentlich gef\u00fcllt, die Gew\u00e4sser der Oberen Lobau sehen aus wie immer. Sie werden allesamt f\u00fcrsorglich mit Wasser aus der gestauten Neuen Donau versorgt.<\/p>\n<p>Man muss es nicht pumpen, es flie\u00dft von allein stromabw\u00e4rts in Richtung Lobau &#8211; allerdings nicht bis in die Untere Lobau. Denn der wird das Wasser aus der Neuen Donau paradoxerweise verwehrt.<\/p>\n<p>Will man herausfinden, wieso das so ist, st\u00f6\u00dft man auf eine verzwickte Geschichte, die sich in ihrer Verzwicktheit der Tages-Berichterstattung entzieht. Gegen Nachrichten wie \u201eMann bei\u00dft Hund\u201c oder \u201eHorrorgewitter bedroht Wien\u201c hat die Austrocknungsgroteske der Lobau keine Chance.<\/p>\n<h3><strong>Klimawandel, Schicksal oder selbstverschuldet?<\/strong><\/h3>\n<p>Klar ist, wenn f\u00fcr die Versorgung der Lobau mit Wasser nicht bald eine L\u00f6sung gefunden wird, stehen ihre Aussichten f\u00fcr die Zukunft sehr schlecht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8288 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"470\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19444.l01.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/>Ende 2025 kommt eine Studie des Instituts f\u00fcr Hydrobiologie und Gew\u00e4ssermanagement der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur im Auftrag des Magistrats der Stadt Wien zu einem niederschmetternden Schluss:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eSollte sich die Verlandung der Lobau mit dem derzeitigen Trend fortsetzen, so ist in wenigen Jahrzehnten mit einem vollst\u00e4ndigen Verschwinden der aquatischen und semiaquatischen Fl\u00e4chen zu rechnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt hei\u00dft das: Wenn wir nichts tun, wird es in der Lobau in wenigen Jahrzehnten keine Gew\u00e4sser mehr geben. Das nationalparkw\u00fcrdige Auwaldrelikt wird sich in einen nichtssagenden, trockenen Buschwald verwandelt haben.<\/p>\n<p>Zwischen 1938 und 2024 hat die Lobau bereits 43 Prozent ihrer Wasserfl\u00e4chen und Feuchtgebiete verloren. Ihre Gew\u00e4sser verlanden mit einer Geschwindigkeit von 0,2 bis 3,5 Prozent pro Jahr.<\/p>\n<p>Repr\u00e4sentanten des Magistrats und die ihnen unmittelbar vorgesetzten Politiker lieben es, sich angesichts dieser Erkenntnisse mit Ausreden aus der Aff\u00e4re zu ziehen. Da wird der Klimawandel hervorgeholt, das Schicksal oder die illusorischen Vorstellungen der Natursch\u00fctzer.<\/p>\n<p>Originalzitat eines hohen Repr\u00e4sentanten des Magistrats aus dem \u201eFalter\u201c vom 16. April 2025: <em>\u201e\u00dcberall sonst wird es trockener und in der Unteren Lobau will man eine Sumpflandschaft haben. Auch der Naturschutz muss sich den Rahmenbedingungen und der Klimakrise anpassen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Muss er nicht, der Naturschutz. Zumindest nicht hier.<br \/>\nDen Klimawandel als Ursache f\u00fcr die ausgetrocknete Lobau anzuf\u00fchren, ist eine Irref\u00fchrung. Dass in der Oberen Lobau Wasser ist, in der Unteren aber nicht, beruht auf hausgemachten Vers\u00e4umnissen.<\/p>\n<p>Die beiden Sachverhalte, die alles entscheiden, sind die Rolle des Grundwasserwerks Lobau und die scheinbar nicht zu stoppende Eintiefung des Donaustroms.<\/p>\n<h3><strong>Die Eintiefung der Donau<\/strong><\/h3>\n<p data-wp-editing=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8289 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-768x524.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-1536x1048.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schoenau-stromabwaerts-13-01-2007-e1784214159256-2048x1397.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/>Die Donau tieft sich ein, weil das vom Fluss stromabw\u00e4rts geschobene Gestein bzw. der Schotter durch die Kette von Kraftwerken, die den Strom in \u00d6sterreich im W\u00fcrgegriff haben, zur\u00fcckgehalten wird.<\/p>\n<p>Laut der erw\u00e4hnten Studie der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur kam es unterhalb von Wien zwischen 1938 und 2024 zu einer Eintiefung von zirka achtzig Zentimetern, was einer Eintiefungsrate von 1 Zentimeter pro Jahr entspricht.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang mit der trockenen Lobau ist einigerma\u00dfen logisch: Je mehr sich die Donau eintieft, umso weniger Wasser kann sie mit der Lobau teilen &#8211; oberirdisch bei Hochw\u00e4ssern und unterirdisch durch das Grundwasser.<\/p>\n<p>Allen Beteiligten ist seit jeher klar, dass der von den Stauwerken zur\u00fcckgehaltene Schotter wiedereingebracht werden muss \u2013 durch Entnahmen an Stellen, wo er sich angeh\u00e4uft und durch Zugabe in jenen Bereichen, in denen sich der Fluss besonders eingetieft hat.<\/p>\n<p>Dies geschieht seit Jahrzehnten sehr wohl, aber bisher niemals im tats\u00e4chlich notwendigen Umfang! Man k\u00f6nnte die Eintiefung der Donau also durchaus stoppen oder sogar umkehren, aber es geschieht nicht. Warum? Wie so oft geht es um Zust\u00e4ndigkeiten, um politisches Wollen, um Nachl\u00e4ssigkeiten und um Geld.<\/p>\n<p>Die fortschreitende Eintiefung der Donau ist keineswegs schicksalshaft, sondern von politischen Entscheidungen im Bund und in den L\u00e4ndern Nieder\u00f6sterreich und Wien abh\u00e4ngig.<\/p>\n<h3><strong>Die Keller<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8290 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"464\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Unteres_Schoenauer_Wasser_19481.l01.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/>Das Verlanden und Austrocknen der Gew\u00e4sser in der Unteren Lobau ist ebenso wenig schicksalshaft. Es h\u00e4ngt eng mit dem Vorhandensein des dortigen Grundwasserwerks zusammen \u2013 und erstaunlicherweise mit Kellern.<\/p>\n<p>Seit mindestens 1973 fordern Biologen \u00f6ffentlich und lautstark, dass die Lobau unbedingt und umgehend mit Wasser aus der Donau gespeist werden muss.<\/p>\n<p>Die Stadt Wien hat den Wink seinerzeit verstanden und seit 1992 wird Wasser (zun\u00e4chst versuchsweise) aus der Alten und sp\u00e4ter auch aus der Neuen Donau \u00fcber das M\u00fchlwasser in die Obere Lobau geleitet; zweifellos eine Erfolgsgeschichte, f\u00fcr die der Magistratsabteilung 45 \u201eWiener Gew\u00e4sser\u201c Anerkennung zu zollen ist.<\/p>\n<p>Bis in die Untere Lobau ist das belebende Wasser aus der Alten\/Neuen Donau jedoch nie gelangt.<\/p>\n<p>Denn die angedachten Wassermengen von 1500 Litern pro Sekunde, die auch f\u00fcr die Untere Lobau reichen w\u00fcrden, d\u00fcrfen nicht eingespeist werden. Der Grund: Vor 25 Jahren haben sich einige Anrainer beschwert, durch den h\u00f6heren Wasserstand des M\u00fchlwassers seien ihre Keller vern\u00e4sst worden.<\/p>\n<p>Seitdem h\u00e4lt sich die Legende, eine Erh\u00f6hung der ins M\u00fchlwasser eingespeisten Wassermengen w\u00fcrde \u201eHunderte\u201c Keller gef\u00e4hrden, deren Sanierung die Stadt exorbitante Summen kosten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wo diese vielen Keller genau liegen, welche davon nicht ordnungsgem\u00e4\u00df abgedichtet wurden und wie hoch die Kosten f\u00fcr die Stadt tats\u00e4chlich w\u00e4ren, um den einen oder anderen Keller nach einem vielleicht verlorenen Schadenersatzprozess zu sanieren, wei\u00df niemand. Es wei\u00df auch niemand, ob es heute \u00fcberhaupt noch mangelhaft abgedichtete Keller gibt, deren Besitzer nur darauf warten, die Stadt bei Feuchtigkeitseinbruch zu verklagen.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber steht die Selbstgewissheit mancher Stadtdelegierter, die vor der Presse unersch\u00fctterlich betonen, eine Erh\u00f6hung der eingespeisten Wassermengen ins M\u00fchlwasser sei \u201ewegen der Keller\u201c einfach nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<h3><strong>Abgew\u00fcrgt und abgesagt<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8291 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19486.l01-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/>Um dem Kellerverlie\u00df zu entkommen, haben die Wasserbauer und Gew\u00e4sser\u00f6kologen der MA 45 unverzagt alternative Pl\u00e4ne entworfen, mit dem Ziel, die Untere Lobau direkt mit Wasser zu versorgen und nicht \u00fcber den Umweg des M\u00fchlwassers.<\/p>\n<p>Plan 1 war es, in den Hubertusdamm zwei Wehranlagen zu setzen, um die Untere Lobau bei Hochwasser kontrolliert fluten zu k\u00f6nnen. Plan 2 war es, das Wasser, das am Ende der Neuen Donau in die Donau flie\u00dft, stattdessen durch die Lobau zu leiten.<\/p>\n<p>Aus beiden Pl\u00e4nen ist zum Frust ihrer Urheber nichts geworden, obwohl zu ihrer Verwirklichung viel Zeit und Geld aufgewendet, Genehmigungen eingeholt und sogar Bauarbeiten ausgeschrieben wurden. Die Stadt Wien hat ihren eigenen Wasserbauern und Gew\u00e4sser\u00f6kologen beinhart das Wasser abgedreht.<\/p>\n<p>Hinter dem Abw\u00fcrgen der Initiativen in den Jahren zwischen 2006 und 2013 stecken aus heutiger Sicht mehrere politische Fehlentscheidungen.<\/p>\n<p>Die teuerste und folgenreichste davon hat nicht nur die Untere Lobau ins aktuelle Desaster gef\u00fchrt, sondern gef\u00e4hrdet zu allem \u00dcberfluss auch die Verl\u00e4sslichkeit der Wiener Trinkwasserversorgung: Es handelt sich um die ersatzlose Stornierung einer lange angestrebten mehrstufigen Aufbereitungsanlage f\u00fcr alle Wiener Grundwasserwerke.<\/p>\n<h3><strong>Die geplatzte Vision der dritten Wiener Wasserleitung<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8292 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"467\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Schwadorfer-Rinne_19471.l01.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/>Eine dritte Wiener Wasserleitung, als drittes Standbein der Wasserversorgung neben den beiden Hochquellenleitungen, gespeist aus den Ressourcen der Wiener Grundwasserbrunnen, ist eine mindestens siebzig Jahre alte Vision.<\/p>\n<p>1995 sollte es endlich ernst damit werden: Die Stadt k\u00fcndigt an, das alte Grundwasserwerk Nussdorf zu revitalisieren und gemeinsam mit dem brandneuen Grundwasserwerk Donauinsel-Nord und dem Grundwasserwerk Lobau eine verl\u00e4ssliche Erg\u00e4nzung zu den Hochquellen-Leitungen zu schaffen &#8211; um f\u00fcr Notf\u00e4lle vorzusorgen und um den Bedarf der Zukunft abdecken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die wesentlichste Voraussetzung daf\u00fcr, das lag auf der Hand, sind moderne Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen.<\/p>\n<p>Denn ohne mehrstufige Aufbereitung ist donaunahes Grundwasser \u00fcblicherweise nicht f\u00fcr den Haushaltsgebrauch geeignet.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme ist das Grundwasser der Lobau, das so \u201erein\u201c ist, dass es kosteng\u00fcnstig mit einfacher Chlordesinfektion ins Leitungsnetz geschickt werden kann; allerdings nicht bei Hochwasser, weshalb mit einer Aufbereitungsanlage auch das Lobauwasser endlich ausfallssicher zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Gesetzt den Fall, dass bei Trockenheit die beiden Hochquellenleitungen zu wenig Wasser lieferten, h\u00e4tte man mit den durch Aufbereitungsanlagen abgesicherten Wiener Grundwasserwerken eine dritte, stabile Quelle \u2013 und m\u00fcsste die Bev\u00f6lkerung nicht zum Wassersparen aufrufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8294 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"443\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuenigl_Traverse_19440.l01.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/>Wie konnte dieses kluge, vorausschauende Unterfangen die Untere Lobau in den Ruin treiben?<\/p>\n<p>Ganz einfach: Es landete im K\u00fcbel. 2006 wurde das stolze, jahrelang vorbereitete und bereits genehmigte Projekt einer zentralen Wiener Grundwasseraufbereitungsanlage von der Politik \u00fcberfallsartig storniert.<\/p>\n<p>Die Wasserwerke konnten sich somit ihre dritte Wiener Wasserleitung gewisserma\u00dfen in die Haare schmieren. Nussdorf und Donauinsel-Nord sind von da an nur f\u00fcr extreme Notf\u00e4lle einsetzbar. Als brauchbare Grundwasserreserve blieb ihnen &#8211; abgesehen vom Grundwasserwerk Moosbrunn s\u00fcdlich von Wien &#8211; nur die Lobau (sofern gerade kein Hochwasser eindringt).<\/p>\n<p>Bei allen Vorhaben, die Untere Lobau zu bew\u00e4ssern, reagieren die Wasserwerke seitdem entsprechend pingelig, weil sie f\u00fcrchten, dass das nur mit einfacher Chlor-Desinfektion gut und billig verf\u00fcgbare Lobauwasser irgendwie beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>2015 wurde die fatale Situation auf die Spitze getrieben. Eine technische Modellrechnung, eine Computer-Simulation, kommt zur Schlussfolgerung, dass f\u00fcr die Brunnen der Unteren Lobau quasi jeder Tropfen eingespeistes Wasser ein hygienisches Sicherheitsrisiko darstellen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Aufbereitungsanlage, die diesen Konflikt vermeiden h\u00e4tte k\u00f6nnen, wurde 2006 de facto abgesagt.<\/p>\n<h3><strong>Wohl und Wehe der Computer-Modellierung<\/strong><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8295 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Kuehwoerther_Wasser_19452.l01.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/>Somit war 2015 Schluss mit allen Vorhaben, die Untere Lobau nach dem Vorbild der Oberen Lobau mit Wasser zu versorgen. F\u00fcr L\u00f6sungen f\u00fchlte sich niemand zust\u00e4ndig und allen, die sich damit besch\u00e4ftigen wollten, waren durch die Ergebnisse der Computer-Modellierung die H\u00e4nde gebunden.<\/p>\n<p>Die Politik lie\u00df hinterh\u00e4ltig vereinfacht verk\u00fcnden: Wasser in die Untere Lobau? Keine Chance. Die Trinkwasserversorgung der Stadt darf keinesfalls gef\u00e4hrdet werden!<\/p>\n<p>Und so ging es mit der Unteren Lobau in den vergangenen zehn Jahren schneller bergab als es sich jemand vorstellen h\u00e4tte k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erst das l\u00e4stige Insistieren von Natursch\u00fctzern und Wissenschaftlern hat dazu gef\u00fchrt, dass sich die Stadt gnadenhalber dazu herablie\u00df, die Computer-Modellierung, deren Ergebnis seit mehr als zehn Jahren jede Wassereinspeisung verhindert, neu in Auftrag zu geben; diesmal mit anderen, realit\u00e4tsnahen Parametern.<\/p>\n<p>Im Herbst 2026 soll das Resultat vorliegen. Gibt die Studie gr\u00fcnes Licht, d\u00fcrfte im Fr\u00fchling 2027 erstmals Wasser aus der Neuen\/Alten Donau \u00fcber das M\u00fchlwasser bis hinab in die Untere Lobau flie\u00dfen. Die erwartbaren Mengen sind moderat, sch\u00e4tzungsweise einige hundert Liter pro Sekunde, aber sie w\u00fcrden ausreichen, Horrorszenarien wie derzeit deutlich zu entsch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Auch die alten Pl\u00e4ne einer Direkteinleitung gr\u00f6\u00dferer Wassermengen vom Ende der Neuen Donau in den Lausgrund k\u00f6nnten wieder aus der Schublade geholt werden. Die Voraussetzungen daf\u00fcr sind der politische Wille, einige Millionen f\u00fcr ein unterirdisches \u00dcberleitungsrohr und eine Extrasumme f\u00fcr eine Wasseraufbereitungsanlage zu investieren.<\/p>\n<p>Dass vor zwanzig Jahren die politische Absage des Baus einer zentralen Wiener Grundwasseraufbereitungsanlage eine verheerende Fehlleistung war, scheint den Stadtpolitikern nun endlich ged\u00e4mmert zu haben:<\/p>\n<p>Denn den Wasserwerken, die ohne Unterlass weiter daf\u00fcr gek\u00e4mpft haben, wurden mittlerweile finanzielle Mittel zum Bau einer Aufbereitungsanlage f\u00fcr die Grundwasserwerke Nussdorf und Donauinsel zur Verf\u00fcgung gestellt, Fertigstellung 2028. Damit w\u00fcrde auch der Druck auf die Wasserreserven der Lobau nachlassen. Das Grundwasserwerk Lobau bleibt aber weiterhin ungesichert bei blo\u00dfer Chlor-Desinfektion.<\/p>\n<p>Das hat zwar den Vorteil, dass sich die Stadt Geld erspart, allerdings den Nachteil, dass die Untere Lobau weiterhin nicht gro\u00dffl\u00e4chig mit Wasser versorgt werden kann und weiterhin vertrocknet.<\/p>\n<p>Somit:<\/p>\n<ul>\n<li>W\u00e4re die zentrale Wiener Grundwasser-Aufbereitungsanlage 2006 nicht kurz vor Baubeginn entsorgt worden, h\u00e4tte Wien zwei zus\u00e4tzliche, gut verf\u00fcgbare Grundwasserwerke, die in etwa so viel liefern k\u00f6nnten, wie das Grundwasserwerk Lobau. Der Aufruf der Stadt an die B\u00fcrger Ende Juni des heurigen Jahres, doch bitte beim Wasserverbrauch zu sparen, w\u00e4re nicht n\u00f6tig gewesen.<\/li>\n<li>W\u00e4re die zentrale Wiener Grundwasser-Aufbereitungsanlage 2006 nicht kurz vor Baubeginn entsorgt worden, g\u00e4be es kein Hindernis, die Untere Lobau mit Wasser zu speisen.<\/li>\n<li>W\u00e4re die zentrale Wiener Grundwasser-Aufbereitungsanlage 2006 in der \u00c4ra Sima als Umweltstadtr\u00e4tin nicht kurz vor Baubeginn entsorgt worden, w\u00e4re die Untere Lobau heute nicht sterbenskrank.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Es sind also nicht die b\u00f6sen Kr\u00e4fte des Universums daf\u00fcr verantwortlich, dass sich die Lobau gerade von uns verabschiedet. F\u00fcr ihren Zustand verantwortlich sind die von uns gew\u00e4hlten Politiker und die von ihnen eingesetzten hohen Repr\u00e4sentanten der Verwaltung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>In den zust\u00e4ndigen Magistratsabteilungen wei\u00df man sehr wohl, woran es krankt und in wessen Kellern die Leichen liegen. Vielleicht sollte die Stadtregierung wieder mehr auf ihre eigenen Sachverst\u00e4ndigen h\u00f6ren, ihnen mehr Handlungsspielraum und mehr Schutz vor ihren politischen Vorgesetzten gew\u00e4hren.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Fotos: Kurt Kracher<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Kracher wohnt in Gro\u00df-Enzersdorf und fotografiert seit mehr als 35 Jahren in der Lobau. Vor wenigen Tagen hat ihn nach einem ausf\u00fchrlichen Rundgang die Verzweiflung erfasst, denn die Untere Lobau ist nicht mehr: \u201eSo habe ich sie noch nie gesehen. Auf beiden Seiten der K\u00fcnigl-Traverse ist alles komplett ausgetrocknet. Am K\u00fchw\u00f6rtherwasser gibt es Wasser nur mehr im Nahbereich der G\u00e4nshaufen-Traverse. Die Schwadorfer Rinne und das Sch\u00f6nauer Wasser \u2026 alles trocken.\u201c Wie es so weit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":8287,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[7,158],"tags":[77,126,128,100,15,137,98,19],"class_list":["post-8284","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lobau-darf-nicht-sterben","category-rettet-die-lobau","tag-dotation","tag-grundwasser","tag-kleehaeufel","tag-kuehwoertherwasser","tag-lausgrund","tag-muehlwasser","tag-trinkwasserwerk","tag-verlandung"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8284"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8311,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8284\/revisions\/8311"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}