{"id":8208,"date":"2026-05-23T10:23:50","date_gmt":"2026-05-23T08:23:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=8208"},"modified":"2026-05-25T09:32:35","modified_gmt":"2026-05-25T07:32:35","slug":"das-eberschuettwasser-kann-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/das-eberschuettwasser-kann-nicht-mehr\/","title":{"rendered":"Das Ebersch\u00fcttwasser kann nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eines der sch\u00f6nsten Gew\u00e4sser der Unteren Lobau wurde dieser Tage erstmals durch Verlandung und Wassermangel in zwei H\u00e4lften geteilt.<\/strong><\/p>\n<p>Das etwa zwei Kilometer lange Fischereirevier Ebersch\u00fcttwasser war schon bisher aufgrund von Verschilfung und Mangel an offenen <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8220 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-1024x704.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-768x528.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-1536x1056.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Revier-Eberschuettwasser-Grafik-VOeAFV-2048x1408.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/a>Wasserfl\u00e4chen nur noch zu sechzig Prozent befischbar.<\/p>\n<p>Die n\u00f6rdlichsten 800 Meter (\u201eKleines Ebersch\u00fcttwasser\u201c) sind ein undurchdringliches Geflecht aus Schilf, Binsen, Teich- und Seerosen. In der Vegetationszeit sind hier offene Wasserstellen ein seltener Anblick. Mit dem Boot ist schon lange kein Durchkommen mehr.<\/p>\n<p>800 Meter \u201eWasser\u201c, das kaum noch als Gew\u00e4sser erkennbar ist. Und nun sind nicht einmal die s\u00fcdlichen, gerade noch nicht zugewachsenen ersten 300 Meter des n\u00f6rdlichen Ebersch\u00fcttwassers zu erreichen.<\/p>\n<p>DIE STADT EIERT HERUM<\/p>\n<p>Die seichte \u00dcbergangszone dorthin (<strong>siehe Titelfoto<\/strong>) liegt seit kurzem weitgehend trocken. Das gab es \u2013 abgesehen vom Einzelfall des harten Winters 2017 &#8211; noch nie. Das Revier ist somit faktisch nur noch 600 Meter lang, anstatt wie ausgewiesen zwei Kilometer.<\/p>\n<p>Das mag f\u00fcr die letzten Fischer entt\u00e4uschend sein, f\u00fcr den Nationalpark ist es der Beginn jener Katastrophe, vor der Wissenschaftler und Natursch\u00fctzer seit einem halben Jahrhundert warnen: Die Untere Lobau verliert ihre Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Die Stadt Wien eiert seit Jahrzehnten um das Problem herum. Es mangelt sichtlich an Enthusiasmus f\u00fcr die Erhaltung der Natur und den Wert des Nationalparks.<\/p>\n<p>Die Obere Lobau wird von der Alten\/Neuen Donau her und von einem Durchstich bei der Panozzalacke einigerma\u00dfen ausreichend mit Wasser versorgt. Der Unteren Lobau \u2013 ab Gro\u00df-Enzersdorf \u2013 wird das Wasser groteskerweise verwehrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8216\" aria-describedby=\"caption-attachment-8216\" style=\"width: 391px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8216\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/19244.l01-10-05-2026-Unteres-Schoenauerwasser-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8216\" class=\"wp-caption-text\">Untere Lobau: kein Wasser mehr<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_8211\" aria-describedby=\"caption-attachment-8211\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8211\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010-769x1024.jpg 769w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010-768x1023.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260513-WA0010.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8211\" class=\"wp-caption-text\">Staudigl-Damm: Wasser staut<\/figcaption><\/figure>\n<p>WEITERFLIESSEN VERBOTEN<\/p>\n<p>Mitte Mai war der Wahnwitz besonders augenf\u00e4llig:<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Gew\u00e4sser der Unteren Lobau \u00fcber weite Strecken komplett ausgetrocknet sind und das Ebersch\u00fcttwasser gerade seinen n\u00f6rdlichen Teil \u201everliert\u201c, staut sich am kleinen Holzdamm beim Ufergasthaus Staudigl in Gro\u00df-Enzersdorf das Wasser aus der Oberen Lobau.<\/p>\n<p>Es darf n\u00e4mlich nicht weiterflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Denn, w\u00fcrde es das tun, so predigt die Stadt pathetisch, k\u00f6nnten die Brunnen des Grundwasserwerks verunreinigt werden und dies w\u00fcrde die Wasserversorgung der Stadt Wien gef\u00e4hrden (eine schamlose \u00dcbertreibung).<\/p>\n<p>\u201eTrinkwasser!!\u201c lautet das Totschlagargument. Jeder Politiker und jeder Magistratsbeamte nimmt bei Erw\u00e4hnung dieses Wortes sofort Rei\u00dfaus. Man f\u00fcrchtet Schlagzeilen \u00e0 la: \u201eWien l\u00e4sst Kinder und Pensionisten verdursten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_8217\" aria-describedby=\"caption-attachment-8217\" style=\"width: 329px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8217\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011-768x1023.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011-1153x1536.jpg 1153w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG-20260522-WA0011.jpg 1413w\" sizes=\"auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8217\" class=\"wp-caption-text\">Ebersch\u00fcttwasser &#8211; in der Mitte abgeschnitten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Detailliertere Informationen zur Sache dringen zu den Politikern nicht durch. Zu viel Wissen ist l\u00e4stig, daf\u00fcr hat man ja seine Einsager, und au\u00dferdem raubt es Zeit f\u00fcr den n\u00e4chsten Instagram-Beitrag. Anmerkung des Autors: Den Anfall von Polemik angesichts der verh\u00e4ngnisvollen Situation bitte zu entschuldigen.<\/p>\n<p>BINSENWAHRHEITEN<\/p>\n<p>Dass 2006 die Umweltstadtr\u00e4tin das bereits weit fortgeschrittene Projekt einer Wasseraufbereitungsanlage f\u00fcr die Grundwasserwerke der Stadt Wien aus politischen Gr\u00fcnden wieder abgesagt hat und damit bis heute sehr wohl die Versorgungssicherheit gef\u00e4hrdet, ist keine Diskussion wert. Davon will in der Stadt niemand etwas h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dass das Wasser aus der Lobau nur in elf Gemeindebezirken, also nur in halb Wien und obendrein nur zeitweise, ins Leitungsnetz eingespeist wird, spielt keine Rolle. Trinkwasser gegen Lobau ist kein Match, das die Lobau gewinnen kann.<\/p>\n<p>Und dass von den etwa 150 Litern, die in Wien pro Person t\u00e4glich verbraucht werden, kaum etwas tats\u00e4chlich getrunken wird (&#8220;Trinkwasser!&#8221;), nimmt man bestenfalls entr\u00fcstet zur Kenntnis. Die Rechnung sieht n\u00e4mlich so aus: 50 Liter werden f\u00fcr die K\u00f6rperreinigung verbraucht, weitere 50 Liter f\u00fcr Kochen, W\u00e4schewaschen und zum Beispiel f\u00fcr Autopflege.<\/p>\n<p>Die letzten 50 Liter gehen ins Klo.<\/p>\n<p>Und die Lobau geht in die Binsen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em><br \/>\nFotos: G\u00fcnther Stiebitz, Teddy Janas, Kurt Kracher<br \/>\nGrafik: Verband \u00d6sterreichischer Arbeiterfischereivereine<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle Wasserverbrauch pro Kopf: <a href=\"https:\/\/wua-wien.at\/naturschutz-und-stadtoekologie\/165-weiterfhrende-informationen-zum-thema17\/1871-wasser-wien\">Wiener Umweltanwaltschaft<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der sch\u00f6nsten Gew\u00e4sser der Unteren Lobau wurde dieser Tage erstmals durch Verlandung und Wassermangel in zwei H\u00e4lften geteilt. 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