{"id":8164,"date":"2026-05-10T12:14:59","date_gmt":"2026-05-10T10:14:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=8164"},"modified":"2026-07-06T12:10:28","modified_gmt":"2026-07-06T10:10:28","slug":"ja-es-gibt-noch-muscheln-in-der-lobau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/ja-es-gibt-noch-muscheln-in-der-lobau\/","title":{"rendered":"Ja, es gibt (noch) Muscheln in der Lobau!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf einem jener bedr\u00fcckenden Fotos der beinahe komplett ausgetrockneten Unteren Lobau, die der WWF Anfang Mai in einer <a href=\"https:\/\/www.wwf.at\/duerre-spitzt-lage-zu-wwf-warnt-vor-austrocknung-der-unteren-lobau\/\">Presseaussendung<\/a> ver\u00f6ffentlichte, war auf trockenem Grund auch eine tote Muschel abgebildet.<\/strong><\/p>\n<p>Das Bild veranlasste mehrere Wutb\u00fcrger in den Kommentarspalten der Zeitungen dazu, selbstsicher darauf hinzuweisen, dass es \u2013 \u201etypisch WWF\u201c \u2013 ein Fake w\u00e4re, jedenfalls arrangiert worden sei oder von ganz woanders herstammen w\u00fcrde, da doch jeder wisse, dass es in der Lobau gar keine Muscheln g\u00e4be.<\/p>\n<p>Zeit f\u00fcr eine Richtigstellung: Es gab und gibt sehr wohl eine ganze Reihe von Muschelarten in der Lobau. Warum sollte es auch ausgerechnet in der Lobau keine Muscheln geben?<\/p>\n<p>Auf dem Originalfoto aus der Unteren Lobau vom 5. Mai, welches die Besserwisser zum Besserwissen veranlasste (siehe Titelbild), ist eine eingeschleppte asiatische K\u00f6rbchenmuschel zu sehen \u2013 ein Symbol daf\u00fcr, dass hier die heimischen Muscheln in arger Bedr\u00e4ngnis sind &#8211; durch faunenfremde, eingewanderte Muschelarten und durch die Verlandung, Verschlammung und Austrocknung der Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>In der Lobau heimisch sind folgende vier Arten, die heute nur noch in Restbest\u00e4nden vorhanden sind:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Die Gemeine Teichmuschel <\/strong>(Anodonta anatina)<strong><br \/>\n<\/strong><strong>Die Gro\u00dfe Teichmuschel <\/strong>(Anodonta cygnea)<strong><br \/>\n<\/strong><strong>Die Malermuschel <\/strong>(Unio pictorum)<strong><br \/>\n<\/strong><strong>Die Gro\u00dfe Flussmuschel <\/strong>(Unio tumidus)<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfe Teichmuschel, die Malermuschel und die Gro\u00dfe Flussmuschel sind in Wien am Papier \u201estreng gesch\u00fctzt\u201c. Letztere ist laut Wiener Naturschutzverordnung zudem \u201epriorit\u00e4r bedeutend\u201c, was de jure nach sich zieht, dass f\u00fcr sie ein Schutzprogramm erstellt werden sollte.<\/p>\n<p>Dazu kommen eingeschleppte Arten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Die asiatischen K\u00f6rbchenmuscheln <\/strong>(Corbicula sp.)<strong><br \/>\n<\/strong><strong>Die Dreikant-Muschel und die Quagga-Muschel aus dem Schwarzen Meer <\/strong>(Dreissena polymorpha und D. bugensis)<strong><br \/>\n<\/strong><strong>Die Chinesische Teichmuschel <\/strong>(Sinanodonta woodiana)<\/p>\n<p>In der Vergangenheit wurden auch noch die Bachmuschel (Unio crassus) und die Abgeplattete Teichmuschel (Pseuanodonta complanata) in naheliegenden Gew\u00e4ssern gefunden. Zudem gibt es noch diverse Kleinmuscheln &#8211; die Kugelmuscheln und die Erbsenmuscheln (Sphaerium, Pisidium).<\/p>\n<p>Mehrere Untersuchungen zeigen in der Lobau einen dramatischen R\u00fcckgang der Gro\u00dfmuscheln. Ihre Best\u00e4nde sind durch Verlandung, Wassermangel und durch mangelnde Durchstr\u00f6mung in einem \u00e4u\u00dferst kritischen Zustand.<\/p>\n<p>Zu retten w\u00e4ren sie nur durch eine gro\u00dfz\u00fcgige Anbindung der Gew\u00e4sser an die Neue Donau oder an den Donaustrom. Dies w\u00fcrde nicht nur den Muscheln eine Chance gegeben, sondern auch den Erhalt der Lobau mit ihrer besonderen Biodiversit\u00e4t gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<ul>\n<li>Sattmann, Helmut &amp; Duda, Michael &amp; Eschner, Anita &amp; Gallmetzer, Ivo &amp; Kaiser, Patrick &amp; Mason, Katharina &amp; Schnedl, Sara-Maria &amp; Haring, Elisabeth (2025): Die letzten Muscheln der Lobau. Ist eine Restaurierung der Gro\u00dfmuschel-Populationen in der Lobau m\u00f6glich? In: Arianta, Vol. 12, 24-30, November 2025<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Fotos: Helmut Sattmann, Kurt Kracher, Naturhistorisches Museum Wien<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einem jener bedr\u00fcckenden Fotos der beinahe komplett ausgetrockneten Unteren Lobau, die der WWF Anfang Mai in einer Presseaussendung ver\u00f6ffentlichte, war auf trockenem Grund auch eine tote Muschel abgebildet. 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