{"id":8117,"date":"2026-04-29T20:05:32","date_gmt":"2026-04-29T18:05:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=8117"},"modified":"2026-04-29T20:05:32","modified_gmt":"2026-04-29T18:05:32","slug":"wie-die-lobau-einmal-war-der-letzte-zeuge-ist-90","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wie-die-lobau-einmal-war-der-letzte-zeuge-ist-90\/","title":{"rendered":"Wie die Lobau einmal war: Der letzte Zeuge ist 90"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der aus Wien-Erdberg stammende Norbert Sendor hat den Zauber der Lobau noch in den 1950er- und 1960er-Jahren erlebt. Am 2. Mai wird er 90 Jahre alt. Seinen Lebensabend verbringt er in einem Pflegeheim. Seine Erinnerungen sind lebendig wie eh und je.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2017-Foto-E-Zeman-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8124 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2017-Foto-E-Zeman-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2017-Foto-E-Zeman-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2017-Foto-E-Zeman-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2017-Foto-E-Zeman-1-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/a>Er war der erste, der &#8211; gemeinsam mit seinem Freund und Gef\u00e4hrten <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/franz-antonicek-der-waldlaeufer-mit-der-kamera\/\">Franz Antonicek<\/a> &#8211; in den Donau-Auen Wildtiere fotografiert hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Ihre Fotos haben Anfang der 1970er-Jahre entscheidend dazu beigetragen, dass die Lobau vor einer Autobahn, vor einer Schnellstra\u00dfe und vor einer Erweiterung des Tanklagers verschont geblieben und schlie\u00dflich unter Naturschutz gestellt worden ist.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Norbert Sendor hat das Schicksal der geliebten Lobau siebzig Jahre lang mitverfolgt und somit auch ihren schrecklichen Niedergang. Au\u00dfer ihm gibt es niemanden mehr, der das Vorher und das Jetzt gleicherma\u00dfen vor Augen hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Wie soll man einen solchen Gesamteindruck in wenigen Abs\u00e4tzen beschreiben? Am besten durch nur vermeintlich nebens\u00e4chliche Beobachtungen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>DEN GANZEN TAG KEIN MENSCH ZU SEHEN<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs war fr\u00fcher, das kann man sich jetzt gar nicht mehr vorstellen, den ganzen Tag kein Mensch zu sehen, nichts. Vielleicht, dass man einmal in der Woche einen Jagdaufseher gesehen hat \u2013 die sehr freundlich waren und die immer gesagt haben: Seid sch\u00f6n brav, bleibt immer am Weg. Das war\u2019s. Und vom Radfahren, so wie jetzt, dass ganze Kolonnen in der Lobau radfahren, keine Spur. Ich war lange Zeit mit meinem Freund der einzige Radfahrer. Es waren auch keine Wege asphaltiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>NUR EULEN UND KIRCHENGLOCKEN<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAm Anfang unserer Laufbahn, die Autobahn neben der Donau gab\u2019s noch nicht, da war es in der Nacht mucksm\u00e4uschenstill. Man h\u00f6rte nur die Eulen und aus den D\u00f6rfern, aus den weit entfernten, die Hunde und die Kirchenglocken. Aber sonst nur Naturger\u00e4usche.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8127 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"316\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-1997.jpg 790w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a>DAS KONZERT DER LAUBFR\u00d6SCHE<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch kann mich erinnern, wenn ich an einem sch\u00f6nen Sommertag, einem lauen, vielleicht mit ein bissl Regen, von Orth an der Donau mit dem Rad nach Wien gefahren bin, war die ganze Au voll mit Laubfrosch-Gequake. Jetzt kann man sagen: Was ist denn das schon? Aber das hat mir gefallen &#8211; und nicht nur mir. Das gibt\u2019s nicht mehr, damit ist es l\u00e4ngst aus. Heute ist es ein Erlebnis, wenn man irgendwo einen einzigen Laubfrosch h\u00f6rt. Aber damals: Die Au war voll. Wenn man die Donau runter und die March raufgefahren ist, an manchen Stellen war\u2019s weniger laut, an anderen wieder mehr, aber es war immer und \u00fcberall ein Konzert. Ist aus, ist vorbei.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>BETRETEN STRENGSTENS VERBOTEN<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Menschen, die heute noch immer gegen den Nationalpark sind, m\u00f6gen sich erinnern, dass Sie fr\u00fcher in der Au \u00fcberhaupt keine Rechte hatten \u2013 in der Lobau nicht, als sie noch Gebiet der Bundesforste war, und auch sp\u00e4ter nicht als Forstgebiet der Stadt Wien. Die gr\u00f6\u00dften Teile der Au, inklusive des Schutzdammes, wo jetzt tausende Radfahrer unterwegs sind, waren Sperrgebiet. Betreten unter Strafandrohung strengstens verboten. Die Auen waren menschenleer.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Lebenszeit und Lebenserfahrung sch\u00e4rfen den Blick f\u00fcr das Wesentliche. Norbert Sendor:<\/strong><\/p>\n<p><strong>WIR ALLE LEBEN VON DER NATUR<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eNatur hat noch immer viel zu wenig wert, obwohl wir alle davon leben. Wenn ein Bauer sein Feld verkauft, kriegt er viel Geld daf\u00fcr. Wenn er die Fr\u00fcchte des Feldes verkauft, naja, dann kriegt er manchmal nicht einmal die Selbstkosten herein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8128\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-647x1024.jpg 647w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-768x1215.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-971x1536.jpg 971w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-1295x2048.jpg 1295w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2016-1-Foto-K-Kracher-scaled.jpg 1619w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>NICHT JEDEN QUADRATMETER BETONIEREN<\/strong><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><em>\u201eJetzt gibt\u2019s wieder die Autobahn-Ideen. Da bin ich zwiegespalten: Ich versteh\u2018 die Leute, die da wohnen und auf der anderen Seite der Donau ihre Besch\u00e4ftigung haben. Wie kommen die r\u00fcber? Das ist mit \u00d6ffis noch nicht gut erschlossen. Dass die sich eine Autobahn w\u00fcnschen, versteh ich. Auf der anderen Seite muss es irgendwann aufh\u00f6ren, jeden Quadratmeter unserer Heimat zu betonieren oder in irgendeiner Form zu nutzen und die Natur auf immer winzigere Rechte zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>WIR BEKOMMEN MEHR ALS WIR ZUR\u00dcCKGEBEN<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAlso ich war kein Spinner in der Richtung, dass man Natur unbedingt sch\u00fctzen und jeden K\u00e4fer lieben muss. Das war ich sicher nicht. Sondern, ich habe gesehen, dass wir von der Natur viel mehr bekommen, als wir zur\u00fcckgeben. Und dass die Natur f\u00fcr uns lebenswichtig ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>NUR GELSEN UND BRENNNESSELN?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWas wollen die Leute? Sagen die, die Lobau ist uns wurscht, da sind eh nur Gelsen und Brennnessel, brauchen wir nicht, dann muss man das zur Kenntnis nehmen. Oder, was ich hoffe, dass es gelingt, eine Mehrheit davon zu \u00fcberzeugen, dass das eine wundersch\u00f6ne Landschaft ist, die das Klima positiv beeinflusst und Tiere, die schon fast ausgestorben sind, zum Hierbleiben veranlasst.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8129 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ-300x194.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ-300x194.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ-1024x661.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ-768x496.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Norbert-Sendor-2018-Foto-M-Christ.jpg 1524w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>ALTE GRABLER M\u00dcSSEN ERZ\u00c4HLEN<\/strong><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><em>\u201eSo alte Grabler wie ich werden nichts mehr bewegen k\u00f6nnen. Nur, dass wir erz\u00e4hlen, wie es einmal war. Und eine gro\u00dfe Gefahr ist, wenn die Leute jetzt in die Au kommen und sagen: <\/em><\/p>\n<p><em>Das ist ja wundersch\u00f6n, was wollen die eigentlich? Ist eh super! Dann sagen die Verantwortlichen, na, wenn die eh alle zufrieden sind, dann k\u00f6nnen wir noch was nachlassen, dann k\u00f6nnen wir dort noch eine Stra\u00dfe bauen oder einen Brunnen oder sonst irgendwas.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Statements aufgezeichnet von <a href=\"https:\/\/forschung.boku.ac.at\/de\/researcher\/Sophia%20Leona-Rut-71DC8FEB7C2FAFC4\">Sophia Rut, M.Sc.<\/a> im Dezember 2023.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Fotos: Robert Kinnl, Elisabeth Zeman, Kurt Kracher, Manfred Christ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der aus Wien-Erdberg stammende Norbert Sendor hat den Zauber der Lobau noch in den 1950er- und 1960er-Jahren erlebt. Am 2. Mai wird er 90 Jahre alt. 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