{"id":7891,"date":"2026-02-10T19:47:59","date_gmt":"2026-02-10T18:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=7891"},"modified":"2026-04-04T16:33:41","modified_gmt":"2026-04-04T14:33:41","slug":"fischsterben-in-der-unteren-lobau-irgendwie-normal-aber-eindeutig-vermeidbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/fischsterben-in-der-unteren-lobau-irgendwie-normal-aber-eindeutig-vermeidbar\/","title":{"rendered":"Tote Fische: irgendwie normal, aber eindeutig vermeidbar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wieder einmal ein strengerer Winter und wieder einmal ersticken in der Unteren Lobau die Fische \u2013 im Sch\u00f6nauerwasser.<\/strong><\/p>\n<p>Handelt es sich dabei um eine nicht vorauszusehende Katastrophe? Nein. Winterliche Fisch- und Muschelsterben hat es in der Lobau bei anhaltendem Frost und dicker Eisdecke schon immer gegeben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7398 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-300x187.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"228\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-487x304.jpg 487w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor-563x353.jpg 563w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Norbert-Sendor.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a>Als Beispiel hier einige mehr als f\u00fcnfzig Jahre alte Eintragungen im Logbuch von <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\">Norbert Sendor (Jahrgang 1936)<\/a>&nbsp;der als Naturfotograf seit den 1950er-Jahren siebzig Jahre lang durch die Lobau gepirscht ist:<\/p>\n<ul>\n<li><em>3. Februar 1968: \u201eVereinzelt tote Fische bei der K\u00fcnigltraverse-Brunnader. Beim Eisloch G\u00e4nshaufenbr\u00fccke viele kleine Fische mit deutlichen Anzeichen von akutem Sauerstoffmangel.<\/em><\/li>\n<li><em>26. Dezember 1969: \u00d6stlich der G\u00e4nshaufentraverse liegen tote Hechte, der gr\u00f6\u00dfte 1,20 Meter, die meisten anderen waren ca. 60 Zentimeter. Auch einige tote Brachsen und verschiedene Wei\u00dffische mit 15-30 Zentimetern.<\/em><\/li>\n<li><em>2. J\u00e4nner 1970: Im Auslauf des Lausgrundwassers viele tote Rotfedern, Aitel, Barsche und Brachsen.<\/em><\/li>\n<li><em>15. Februar 1970: Oberhalb der Schwadorfer Rinne eine Ansammlung von toten Fischen: Wei\u00dffische, Welse, Zander, Schleien. Keine kapitalen St\u00fccke dabei. Auff\u00e4llig sind die vielen toten Schleien.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Somit: Alles \u201eganz normal\u201c \u2013 auf den ersten Blick. Fr\u00fcher war dennoch vieles anders.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7913 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"387\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19007.l01-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 387px) 100vw, 387px\" \/><\/a>Norbert Sendor: <em>\u201eFischsterben sind immer zusammengefallen mit strengen Wintern und mit Schnee. Die toten Fische waren aber nur in den Seitenarmen. Der Hauptgew\u00e4sserzug war nicht betroffen.\u201c<\/em> (Anmerkung: Mit seltenen Ausnahmen wie etwa der <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/das-grosse-fischsterben-im-jahrhundertwinter-1962-63\/\">extreme Winter 1962\/63<\/a>)<\/p>\n<p>Der entscheidende Satz lautet: <em>&#8220;Der Hauptgew\u00e4sserzug war nicht betroffen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Denn im heurigen Winter war der Hauptgew\u00e4sserzug sehr wohl betroffen. Das Sch\u00f6nauer Wasser ist ein Teil des Hauptgew\u00e4sserzuges durch die Untere Lobau (Ebersch\u00fcttwasser \u2013 Mittelwasser \u2013 K\u00fchw\u00f6rtherwasser \u2013 Sch\u00f6nauerwasser).<\/p>\n<p>Die Seitenarme, von denen Norbert Sendor spricht, existieren nicht mehr bzw. liegen gro\u00dfe Teile des Jahres trocken (z.B. Kleines Lausgrundwasser, Brunnader, G\u00e4nshaufenwasser, Schwadorfer Rinne usw).<\/p>\n<p><strong>Warum sind die Seitenarme verschwunden?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Weil sich die Donau unterhalb von Wien trotz permanenter, aber unzureichender Schotterzugaben nach wie vor tiefer eingr\u00e4bt und dadurch die unterirdische Speisung der Lobau mit Donauwasser stark verringert wird.<\/li>\n<li>Weil alle Gew\u00e4sser aufgrund fehlender \u00dcberschwemmungen bzw. fehlender Wassereinspeisung (anders als in der Oberen Lobau) immer mehr verschlammen und verlanden &#8211; und somit immer seichter werden oder zur G\u00e4nze vertrocknen. Seichtes Wasser, dicke Eisschicht = Sauerstoffmangel = tote Fische.<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_7914\" aria-describedby=\"caption-attachment-7914\" style=\"width: 407px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7914\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"407\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19011.l01-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 407px) 100vw, 407px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7914\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00f6nauer&#8221;wasser&#8221; am 13. Februar 2026<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mittlerweile liegt bereits der gesamte Hauptgew\u00e4sserzug der Unteren Lobau im W\u00fcrgegriff der Verlandung. De facto bedeutet dies, dass die Untere Lobau im Sterben liegt.<\/p>\n<p>Die unterirdische Versorgung der Lobau mit Donauwasser, das durch den Schotter sickert, ist nicht nur f\u00fcr die Gew\u00e4sser und ihre Bewohner entscheidend, auch f\u00fcr das Grundwasserwerk Lobau. Je tiefer die Donau sinkt, umso schwieriger wird es, die Brunnen versorgungssicher in Betrieb zu halten.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnte getan werden?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Eintiefung der Donau muss r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden \u2013 auf das Niveau von 1996 (Bau des Kraftwerks Freudenau, Gr\u00fcndung des Nationalparks). Die verantwortlichen Stellen haben es bis heute nicht geschafft, die Eintiefung zumindest zu stoppen \u2013 von Wiederanhebung gar keine Rede &#8211; obwohl eine Wiederanhebung technisch machbar w\u00e4re, allerdings nicht kostenfrei. Eine solche Investition scheint die Lobau bzw. der Nationalpark dem Staat nicht wert zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Was man noch tun k\u00f6nnte:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Untere Lobau von stromaufw\u00e4rts her mit Wasser zu versorgen \u2013 \u00fcber das M\u00fchlwasser. Dies scheitert seit zehn Jahren daran, dass eine mathematische Modellstudie besagt, jeder Tropfen zus\u00e4tzlich eingeleitetes Wasser w\u00fcrde die Brunnen hygienisch gef\u00e4hrden. Eine neuerliche Modellstudie, die derzeit in Arbeit ist, k\u00f6nnte eventuell zu einem anderen Ergebnis kommen. Mit viel Gl\u00fcck k\u00f6nnte dann 2027 schon ein wenig Wasser in die Untere Lobau flie\u00dfen (oder auch nicht).<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7915 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/19005.l01-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><\/a><strong>Was konsequent w\u00e4re, im Sinne der Bewahrung des \u00f6sterreichischen Naturerbes Donau-Auen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Lobau beim sogenannten \u201eSchwarzen Loch\u201c mit einer Wehr zur Donau hin zu \u00f6ffnen \u2013 wie schon vor Jahren geplant. Richtig effektiv w\u00e4re dies aber erst, wenn die Schottersohle der Donau wieder auf das Niveau von 1996 angehoben w\u00fcrde, die Spiegel der Donau also lange Zeit des Jahres so hoch w\u00e4ren, dass ihr Wasser in die Lobau hinein flie\u00dfen k\u00f6nnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Donau-Eintiefung umzukehren und die Untere Lobau wieder zu revitalisieren (ohne die Grundwasserbrunnen zu verlieren) wurde x Mal geplant und durchdacht, ist zweifellos m\u00f6glich, politisch aber nicht gewollt, mutma\u00dflich aus Kostengr\u00fcnden und mangelnder Courage.<\/p>\n<p><em>Fotos: Kurt Kracher<br \/>\nPortr\u00e4t Norbert Sendor: Robert Kinnl<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal ein strengerer Winter und wieder einmal ersticken in der Unteren Lobau die Fische \u2013 im Sch\u00f6nauerwasser. Handelt es sich dabei um eine nicht vorauszusehende Katastrophe? Nein. 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