{"id":7816,"date":"2025-12-20T18:23:13","date_gmt":"2025-12-20T17:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=7816"},"modified":"2026-03-05T11:54:21","modified_gmt":"2026-03-05T10:54:21","slug":"das-grosse-fischsterben-im-jahrhundertwinter-1962-63","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/das-grosse-fischsterben-im-jahrhundertwinter-1962-63\/","title":{"rendered":"Das gro\u00dfe Fischsterben im Jahrhundertwinter 1962-63"},"content":{"rendered":"<p><strong>Allen, die ihn erlebt haben, steckt der Winter 1962-63 bis heute in den Knochen.<\/strong><\/p>\n<p>Er sei in Mitteleuropa die gr\u00f6\u00dfte K\u00e4lteperiode seit 223 Jahren gewesen, wird sp\u00e4ter festgestellt, f\u00fcr ganz Europa einer der strengsten Winter des 20. Jahrhunderts, eine Naturkatastrophe. In Polen hat es bis zu minus vierzig Grad Celsius, in W\u00fcrzburg friert der Main vollst\u00e4ndig zu, ebenso wie der Z\u00fcrichsee und der Bodensee.<\/p>\n<p>In der Lobau f\u00fchrt der Rekordwinter zu einem nie dagewesenen Fischsterben.<\/p>\n<p>Der Wintereinbruch erfolgt fr\u00fchzeitig. Am 17. November friert es in Wien zum ersten Mal, eine Woche sp\u00e4ter liegt bereits Schnee. Im Dezember ist auf der Donau elf Tage lang Treibeis zu beobachten und an zw\u00f6lf Tagen schneit es.<\/p>\n<h4>Wien komplett eingefroren<\/h4>\n<p>Im J\u00e4nner und im Februar ist Wien dann buchst\u00e4blich komplett eingefroren: ohne Unterlass unter null Grad Celsius, maximal minus 16, durchgehende Schneedecke, insgesamt drei Wochen Schneefall, mehr als sieben Wochen lang Treibeis am Donaustrom.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7820\" aria-describedby=\"caption-attachment-7820\" style=\"width: 372px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7820\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964-768x481.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964-487x304.jpg 487w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964-563x353.jpg 563w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unbenannt-10-Norbert-Sendor-1964.jpg 954w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7820\" class=\"wp-caption-text\">Norbert Sendor (1964)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Brennstoff wird knapp. Die Produktion der Gaswerke muss gesteigert werden. Die Feuerwehr kommt wegen Dutzender Eins\u00e4tze zum Wegr\u00e4umen von Schneew\u00e4chten, Eiszapfen und zum Beheben von Wasserrohrbr\u00fcchen kaum zur Ruhe. Die Wiener Stra\u00dfen erleiden erhebliche Frostsch\u00e4den, manche Fahrbahnen werden zum Teil vollkommen zerst\u00f6rt &#8211; wie am Handelskai und auf der Simmeringer L\u00e4nde. 5000 Wiener Gemeindebedienstete melden sich freiwillig zum Schneeschaufeln und Eiskratzen.<\/p>\n<h4>Nur noch tote Fische<\/h4>\n<p>Die beiden Naturfotografen <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\">Norbert Sendor<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/franz-antonicek-der-waldlaeufer-mit-der-kamera\/\">Franz Antonicek<\/a> sind damals &#8211; wie schon seit Jahren \u2013 in der Lobau unterwegs. Am 26. J\u00e4nner 1963 notiert Sendor in seinem Tagebuch: \u201eGro\u00dfe, tote Karpfen an der G\u00e4nshaufentraverse, etwa zwanzig St\u00fcck.\u201c Und am 16. Februar: \u201eNur noch tote Fische, sogar tote Schleien.\u201c<\/p>\n<p>Norbert Sendor: \u201eUnterhalb der G\u00e4nshaufentraverse habe ich die toten Welse fotografiert [Anm.: siehe Titelfoto]. Aber die sind eigentlich \u00fcberall herumgekugelt. In die Untere Lobau ist damals kein Mensch runtergekommen. Das hei\u00dft, das Fischsterben ist eigentlich unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit passiert. Da sind riesengro\u00dfe Hechte und Zander dort gelegen, tot, und Karpfen, 20, 30 Kilo schwer. Die Kadaver waren ein \u00c4rgernis und wurden vom Forst mit dem Lastwagen stillschweigend wegger\u00e4umt.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7821\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567-300x164.jpg\" alt=\"Seeadler am Eis\" width=\"384\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567-768x421.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1975-Sendor-Seeadler-Baumeisterlacke-e1766250724567.jpg 987w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<h4>Der stinkende Rucksack und die Seeadler<\/h4>\n<p>\u201eKein Mensch hat sich daf\u00fcr interessiert\u201c, seufzt Sendor, \u201eau\u00dfer uns und jemand vom Naturhistorischen Museum. Der war unten und hat die toten Fische eingesammelt und in seinen Rucksack gesteckt. Und in der Stra\u00dfenbahn beim Heimfahren ist ihm dann aufgefallen, dass er eigentlich recht viel Platz hat. Die Leute haben n\u00e4mlich Abstand gehalten, weil seine Fische so gestunken haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuch die Seeadler haben sich \u00fcber die toten Fische gefreut. Die waren in \u00d6sterreich offiziell ausgestorben. Nur \u00fcberwintert haben sie bei uns.&nbsp;Und da kann ich mich erinnern, auf dem Br\u00fcckengel\u00e4nder bei der G\u00e4nshaufentraverse sind lauter Seeadler gesessen. Ich bin mir vorgekommen wie im tiefsten Innerasien, in Zentralasien. Die haben dort die Fische gefressen.\u201c<\/p>\n<p>Wien lag im Jahr 1963 bis 23. M\u00e4rz unter einer Schneedecke, zum letzten Mal gefroren hat es am 4. April.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Fotos: Norbert Sendor, Franz Antonicek<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allen, die ihn erlebt haben, steckt der Winter 1962-63 bis heute in den Knochen. Er sei in Mitteleuropa die gr\u00f6\u00dfte K\u00e4lteperiode seit 223 Jahren gewesen, wird sp\u00e4ter festgestellt, f\u00fcr ganz Europa einer der strengsten Winter des 20. Jahrhunderts, eine Naturkatastrophe. In Polen hat es bis zu minus vierzig Grad Celsius, in W\u00fcrzburg friert der Main vollst\u00e4ndig zu, ebenso wie der Z\u00fcrichsee und der Bodensee. 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