{"id":7740,"date":"2025-11-15T11:34:44","date_gmt":"2025-11-15T10:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=7740"},"modified":"2026-04-04T16:34:56","modified_gmt":"2026-04-04T14:34:56","slug":"fatale-eintiefung-der-donau-dringender-handlungsbedarf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/fatale-eintiefung-der-donau-dringender-handlungsbedarf\/","title":{"rendered":"Fatale Eintiefung der Donau: \u201eDringender Handlungsbedarf!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach dem <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/endlich-massgebliche-resolution-wasser-fuer-die-lobau\/\">Wiener Nationalparkbeirat<\/a> fordern nun auch der Nieder\u00f6sterreichische und der Orther Nationalparkbeirat Ma\u00dfnahmen, um \u00f6stlich von Wien die fatale Eintiefung der Donau zu stoppen. <\/strong><\/p>\n<p>Die Eintiefung im Bereich des Nationalparks Donau-Auen wird unmittelbar durch das Kraftwerk Freudenau verursacht, das den nat\u00fcrlichen Transport des Schotters am Grund der Donau verhindert. Der Schotter sammelt sich vor der Staumauer, flussabw\u00e4rts wird er abgetragen. Ergebnis: Die Donau gr\u00e4bt sich ein, der Wasserspiegel sinkt \u2013 und damit auch die begleitenden Grundwasserspiegel. Das trifft die Feuchtlebensr\u00e4ume des Nationalparks ebenso wie das Grundwasserwerk Lobau.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>(Anmerkung f\u00fcr besonders penible Leser: Der Schotter sammelt sich klarerweise VOR der Staumauer (Wo sonst?), allerdings nicht AN der Staumauer.)<\/em><\/p>\n<p>Es w\u00e4re \u2013 so der Nieder\u00f6sterreichische Nationalparkbeirat &#8211; <em>\u201eseit \u00fcber drei Jahrzehnten keine ausreichende Ma\u00dfnahme zur Geschiebezugabe bzw. Sohlstabilisierung erfolgt\u201c<\/em> und somit bestehe <em>\u201edringender Handlungsbedarf\u201c<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7742 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"478\" height=\"269\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Schotterverladung-06-08-2025-unterhalb-KW-Freudenau-FOTO-POTH.jpg 1120w\" sizes=\"auto, (max-width: 478px) 100vw, 478px\" \/><\/a>Auf lange Sicht sei anzustreben, die Eintiefung nicht nur zu stoppen, sondern die abgetragene und ausgewaschene Sohle des Flusses und den dadurch gesunkenen Wasserspiegel sogar wieder anzuheben.<\/p>\n<p>Konkret soll die Verbund AG (Betreiberin der Donaukraftwerke, darunter das Kraftwerk Freudenau) dazu verpflichtet werden, den von der Kraftwerkskette entlang der Donau zur\u00fcckgehaltenen Schotter wiedereinzubringen \u2013 durch Entnahmen an Stellen, wo er sich angeh\u00e4uft hat und durch Zugabe in jenen Bereichen, in denen sich der Fluss besonders eingetieft hat. Dies geschehe zwar laufend, aber keineswegs im notwendigen Umfang :<\/p>\n<p>Statt wie bisher 235.000 m\u00b3 j\u00e4hrlich, m\u00fcsste eine Schotterzugabe von 270.000 m\u00b3 vorgeschrieben werden. Die auf das gesamte Defizit von 340.000 m\u00b3 j\u00e4hrlich fehlenden 70.000 m\u00b3\/Jahr liegen in der Zust\u00e4ndigkeit der Bundesverwaltung und w\u00e4ren dieser vorzugeben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Die Stellungnahme des Nieder\u00f6sterreichischen Nationalparkbeirates wurde auf Empfehlung des Nationalparkbeirates von Orth an der Donau verfasst (Vorsitz: Dr. Walter Neumayer), der seit Jahren versucht, alle verantwortlichen Politiker, die Experten und Expertinnen&nbsp; des Landwirtschaftsministeriums, des Amtes der Nieder\u00f6sterreichischen Landesregierung, der Stadt Wien, die Nationalparkverwaltung und andere ma\u00dfgebliche Institutionen davon zu \u00fcberzeugen, dass nicht nur eine Stabilisierung, sondern vielmehr eine Anhebung der Donausohle angestrebt werden muss [<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Statement-Nationalparkbeirat-Orth-24-10-2025.pdf\">Statement Nationalparkbeirat Orth 24-10-2025]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>In der Folge hat der Nieder\u00f6sterreichische Nationalparkbeirat in seiner Sitzung vom 11. November 2025 einstimmig folgende Stellungnahme beschlossen (im vollen Wortlaut):<\/p>\n<h3 style=\"padding-left: 40px;\"><em><strong>Ma\u00dfnahmen gegen die Sohlerosion und das Absinken des Wasserspiegels der Donau gefordert<\/strong><\/em><\/h3>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Der N\u00d6 Nationalparkbeirat wurde als Gremium zur Sicherung der regionalen Interessen von der Nieder\u00f6sterreichischen Landesregierung im Nationalparkgesetz eingerichtet. Der N\u00d6 Nationalparkbeirat setzt sich aus Vertreterinnen und Vertreter aller nieder\u00f6sterreichischen zw\u00f6lf Nationalparkgemeinden, der privaten Grundbesitzer, der Landes-Landwirtschaftskammer, des Landesjagdverbandes und N\u00d6 Landesfischereiverbandes, der N\u00d6 Wirtschaftskammer sowie der in Nieder\u00f6sterreich t\u00e4tigen und landesweit bedeutsamen Natur- und Umweltschutzvereinigungen Naturschutzbund N\u00d6, Forum Wissenschaft &amp; Umwelt, WWF \u00d6sterreich, Umweltdachverband und BirdLife \u00d6sterreich zusammen.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>In seiner Sitzung am 11. November 2025 hat der N\u00d6 Nationalparkbeirat einstimmig die nachfolgende Stellungnahme beschlossen, die an Herrn Bundesminister Norbert Totschnig in seiner Verantwortlichkeit f\u00fcr die Oberste Wasserrechtsbeh\u00f6rde gerichtet ist. Weiters wird die Stellungnahme dem Land Nieder\u00f6sterreich, Hrn. LH-Stv. Stephan Pernkopf, zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wird das Land Nieder\u00f6sterreich ersucht, sich aktiv an der L\u00f6sungsfindung zu beteiligen.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Der frei flie\u00dfende Donauabschnitt von Wien bis zur Staatsgrenze unterliegt einer Sohlerosion des Flussbettes. Verursacht wird dies durch den Geschieber\u00fcckhalt der Kraftwerke, durch die Streckung und Begradigung des Flusses im Zuge der Donauregulierung und durch eine Einengung des Flie\u00dfbereiches aufgrund von Bauwerken des Schifffahrtswasserbaues (Buhnen, Leitwerke).<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Seitens der Obersten Wasserrechtsbeh\u00f6rde wurde 2019 als Ergebnis einer Expertenrunde ver\u00f6ffentlicht, dass die Donau stromab des Kraftwerks Freudenau zur Stabilisierung der Stromsohle etwa 340.000 m3 an Geschiebezugabe pro Jahr ben\u00f6tigt. Dieser Geschiebemangel wird mit rd. 270.000m3 durch die Verbund AG verursacht (Geschieber\u00fcckhalt durch die Donaukraftwerke) und 70.000 m3 sind eine Folge der Flussregulierung (verst\u00e4rkter Geschiebeaustrag durch Begradigung und Einengung) und daher dem Bund bzw. viadonau anzulasten.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Die Sohlerosion hat seit 1996 (Errichtung Kraftwerk Freudenau und Einrichtung Nationalpark Donau-Auen) im oberen Teil der genannten Flie\u00dfstrecke bereits ein Ausma\u00df von 30-60 cm erreicht, unten zur Stauwurzel des Kraftwerk Gab\u00f6ikovo hin ist die Erosionstendenz geringer.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Die Absenkung der Flusssohle f\u00fchrt zu einer etwa gleich starken Absenkung der Nieder- und Mittelwasserspiegellagen der Donau, sodass weite Teile des Jahres davon betroffen sind. Als Folge dieser Entwicklung sind festzustellen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><em>Im Augebiet sind die <u>Seitenarme<\/u> in hohem Ausma\u00df trockengefallen, werden zunehmend durch Pflanzenbewuchs bestockt und geraten so in eine immer rascher ablaufende Verlandungstendenz. Auch Gew\u00e4sservernetzungen bringen kaum noch Erfolg, weil die Gr\u00e4ben der Seitenarme bereits so hoch liegen, dass auch an die Donau angebundene Gerinne kaum noch durchstr\u00f6mt werden k\u00f6nnen.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Zustand der aquatischen Lebensr\u00e4ume und der <u>aquatischen Lebensgemeinschaften<\/u> wurde dadurch erheblich beeintr\u00e4chtigt.<\/em><\/li>\n<li><em>Die wirtschaftlichen Kosten der Wasserspiegelabsenkung sind erheblich: in der Fischerei, in der Forstwirtschaft, bei der Trink- und Nutzwassergewinnung und in der Landwirtschaft entstehen <u>Sch\u00e4den<\/u>, welche viel h\u00f6her liegen als die Kosten der Sohlstabilisierung.<\/em><\/li>\n<li><em>Der <u>Grundwasserspiegel<\/u> hat sich entsprechend der Donausituation abgesenkt. Dies setzt sich bis ins Marchfeld fort und bedroht so nicht nur die Trinkwasserversorgung, sondern auch die Feldwirtschaft. Die isolierten T\u00fcmpel und Stillgew\u00e4sser des Augebietes haben wesentliche Teile ihrer Wasserfl\u00e4che verloren oder sind schon ganz verschwunden. Das f\u00fcr diese Region typische und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern sehr bedeutende Landschaftsbild wird dadurch dauerhaft zerst\u00f6rt.<\/em><\/li>\n<li><em>Im Hauptfluss f\u00fchrt die laufende Absenkung der Stromsohle und des Wasserspiegels zu wasserbautechnischen Problemen bei der Stabilit\u00e4t der Wasserbauwerke und der Flusssohle im Bereich Kolke.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Auwald verliert den Anschluss an den Grundwasserk\u00f6rper und die typischen Baumarten der Flusslandschaft verschwinden.<\/em><\/li>\n<li><em>Das gesamte Augebiet verliert seinen Charakter und seinen \u00f6kologischen Wert. Das widerspricht nicht nur den nieder\u00f6sterreichischen Vorgaben, sondern auch EU-rechtlichen Bestimmungen.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Hinzu kommt, dass eine aktuelle Analyse der Donau-Wasserf\u00fchrung gezeigt hat, dass die Abflussmengen der Donau sinken und dadurch eine zus\u00e4tzliche Absenkung der Wasserspiegellagen gegeben ist. Der Klimawandel beginnt nun also auch f\u00fcr die Donau wirksam zu werden. Umso wichtiger w\u00e4re es, dass wenigstens die unmittelbar kontrollierbaren Einfl\u00fcsse wie die Sohlerosion endlich behoben werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Die Notwendigkeit der Sohlstabilisierung ist keine \u00fcberraschende Aufgabe, sondern war bereits bei der Entscheidung gegen das Kraftwerk Hainburg und der Einrichtung des Nationalpark Donau-Auen bekannt.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Die Oberste Wasserrechtsbeh\u00f6rde hat 2019 in einem 21a-Verfahren (WRG) die vorgeschriebene Geschiebezugabe der Verbund AG auf 235.000 m3\/Jahr angehoben.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Es ist erforderlich, dass die Verbund AG im vollen Umfang f\u00fcr die von ihren Kraftwerken zur\u00fcck gehaltenen Geschiebe verpflichtet wird. Daher ist bei der aktuellen Evaluierung eine erg\u00e4nzende Vorschreibung \u00fcber die fehlenden 35.000 m3 vorzunehmen. Die dann fehlenden 70.000 m3\/Jahr liegen in der Zust\u00e4ndigkeit der Bundesverwaltung und sind dieser vorzugeben.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Auf lange Sicht ist anzustreben, dass die erodierte Flusssohle und der abgesunkene Wasserspiegel wieder angehoben werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Der N\u00d6 Nationalparkbeirat weist darauf hin, dass seit \u00fcber drei Jahrzehnten keine ausreichende Ma\u00dfnahme zur Geschiebezugabe bzw. Sohlstabilisierung erfolgt ist. Angesichts der fortschreitenden Sohlerosion und der damit verbundenen Absenkung des Wasserspiegels sieht der N\u00d6 Nationalparkbeirat dringenden Handlungsbedarf.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Vor diesem Hintergrund ersucht der N\u00d6 Nationalparkbeirat um eine R\u00fcckmeldung, wie mit dieser nachteiligen Entwicklung f\u00fcr den Lebensraum Donau \u00f6stlich von Wien k\u00fcnftig umgegangen wird und welche konkreten Schritte zur Stabilisierung bzw. Anhebung der Flusssohle vorgesehen sind.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Vorsitzender<br \/>\n<\/em><em>Johann Mayer<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Stellvertreterin<br \/>\n<\/em><em>Michaela Gansterer-Zaminer<\/em><\/p>\n<p>[PDF <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Stellungnahme-Donau-Eintiefung-NOe-Nationalparkbeirat-11-11-2025.pdf\">Stellungnahme Donau-Eintiefung N\u00d6 Nationalparkbeirat 11-11-2025]<\/a><\/p>\n<p>Fotos: Manfred Christ, Robert Poth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Wiener Nationalparkbeirat fordern nun auch der Nieder\u00f6sterreichische und der Orther Nationalparkbeirat Ma\u00dfnahmen, um \u00f6stlich von Wien die fatale Eintiefung der Donau zu stoppen. Die Eintiefung im Bereich des Nationalparks Donau-Auen wird unmittelbar durch das Kraftwerk Freudenau verursacht, das den nat\u00fcrlichen Transport des Schotters am Grund der Donau verhindert. 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