{"id":6955,"date":"2025-02-23T18:44:01","date_gmt":"2025-02-23T17:44:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=6955"},"modified":"2025-11-21T14:49:18","modified_gmt":"2025-11-21T13:49:18","slug":"gedanken-zum-strassenprojekt-s1-mit-lobautunnel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/gedanken-zum-strassenprojekt-s1-mit-lobautunnel\/","title":{"rendered":"Kommentar: Gedanken zum Stra\u00dfenprojekt S1 mit Lobautunnel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 5. Februar 2025 ver\u00f6ffentlichte das Bundesministerium f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilit\u00e4t, Innovation und Technologie (BMK) den Umweltbericht der <a href=\"https:\/\/www.bmk.gv.at\/themen\/verkehrsplanung\/strategische_pruefung\/pruefungen\/wr-aussen-schwechat-suessen.html\">\u201cStrategischen Pr\u00fcfung Verkehr\u201d betreffend den S1-Abschnitt Schwechat \u2013 S\u00fc\u00dfenbrunn<\/a>, beinhaltend den Lobautunnel.<\/strong><\/p>\n<p>Auf mehr als f\u00fcnfhundert Seiten wurden in dem vom Umweltbundesamt in Kooperation mit den Technischen Universit\u00e4ten Graz und Wien erstellten Bericht unter anderem die \u00f6kologischen Auswirkungen des geplanten S1-Ausbaus mit Tunnel und Alternativen untersucht.<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass die im Bundesstra\u00dfengesetz vorgesehene Variante in fast allen untersuchten Belangen den Alternativen unterlegen ist. Die Umsetzung des Stra\u00dfenbauvorhabens und des Tunnels w\u00fcrde zus\u00e4tzliche Verkehrsbelastungen verursachen und damit zu negativen Auswirkungen auf Umwelt, Klima und die Raumstrukturen f\u00fchren. Stattdessen solle unter anderem der \u00f6ffentliche Verkehr ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Das sind, kurz gefasst die Kernaussagen des Berichts. Er wurde medial breit geteilt und, wenig verwunderlich, unterschiedlich kommentiert. W\u00e4hrend alle NGOs, von WWF, \u00fcber Virus bis VC\u00d6 die Ablehnung des Tunnels begr\u00fc\u00dfen, sind sich \u00d6VP, SP\u00d6 und FP\u00d6 einig, dass der Tunnel kommen muss.<\/p>\n<p><strong>Wie nicht anders zu erwarten war, sind die Argumente der drei genannten politischen Parteien nicht neu und wenig \u00fcberzeugend. Verkehrspolitik zum Vergessen.<\/strong><\/p>\n<p>Dass ich im Folgenden nur die Argumentation der FP\u00d6 kritisiere, liegt an der Unverfrorenheit des Verkehrssprechers der Wiener FP\u00d6, der in seiner <a href=\"https:\/\/www.ots.at\/presseaussendung\/OTS_20250205_OTS0067\/fpoe-mahdalik-gewesslers-gutachten-zum-lobautunnel-machen-sich-in-der-rundablage-sicher-gut\">Presseaussendung<\/a> massiv Unwahrheiten verbreitet hat.<\/p>\n<p>Ich mache kein Hehl daraus, ich lehne den Lobautunnel aus tiefster \u00dcberzeugung ab, weil er keines der Verkehrsprobleme der Ostregion l\u00f6sen w\u00fcrde, weil er m\u00e4rchenhaft teuer w\u00e4re und weil ich die Meinung vertrete, dass ohne massive Einschr\u00e4nkung des Individualverkehrs die Erderw\u00e4rmung nicht in den Griff zu bekommen ist.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich hat bereits das dichteste Stra\u00dfennetz aller EU-Staaten, sagenhafte 128.000 Kilometer. Dazu kommen 218.000 Kilometer an Forststra\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Und da wollen die weiter Stra\u00dfen bauen, sind die noch ganz dicht?<\/strong><\/p>\n<p>Nun gut, die FP\u00d6 meint, der Lobautunnel w\u00fcrde die S\u00fcdosttangente um 77.000 Autos pro Tag entlasten und zu weniger Stau dort f\u00fchren. Das w\u00fcrde zu weniger CO<sub>2<\/sub>, weniger Feinstaub und weniger L\u00e4rm f\u00fchren. Man muss nicht lange nachdenken, um das als Milchm\u00e4dchenrechnung zu entlarven.<\/p>\n<p>Denn die 77.000 Autos verschw\u00e4nden ja nicht, sondern sie f\u00fchren nur woanders, n\u00e4mlich einige Kilometer weiter \u00f6stlich auf der S1.<\/p>\n<p>Woher die FP\u00d6 die Zahl 77.000 nimmt, wei\u00df nur sie, plausibel ist sie jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>Warum sollte jemand, der in Essling wohnt, zuk\u00fcnftig den Umweg durch den Tunnel nehmen?<br \/>\n&#8220;Nein, das machen eh die anderen, ich fahre weiterhin die k\u00fcrzere Strecke \u00fcber die Tangente.&#8221;<\/p>\n<p>Und warum nimmt die FP\u00d6 an, dass es auf der S1 und im Tunnel nicht stauen wird? Stra\u00dfen ziehen Verkehr an und die Wiener Nordostumfahrung w\u00fcrde massiv LKW-Transitverkehr anziehen. Wir h\u00e4tten also mehr Verkehr als jetzt, und wer derzeit auf der Tangente im Stau steht, w\u00fcrde dies zuk\u00fcnftig auf der S1 und der A4 tun. Wo soll da die Entlastung sein?<\/p>\n<p>Wir entlasten die Bewohner von Essling und Aspern, daf\u00fcr belasten wir die Bewohner von Gro\u00df Enzersdorf und Raasdorf.<\/p>\n<p><strong>So sieht zeitgem\u00e4\u00dfe Verkehrspolitik aus? Ich glaube nicht. Entlastung wird es nur geben, wenn Autos NICHT fahren, nicht wenn sie woanders fahren.<\/strong><\/p>\n<p>Man muss kein Prophet sein, um folgendes vorherzusehen: K\u00e4me der Tunnel, dann w\u00fcrden mehr Autos und LKW im Osten von Wien unterwegs sein, diese w\u00fcrden mehr CO<sub>2<\/sub>, Staub und L\u00e4rm verursachen &#8211; und nicht weniger. F\u00fcr die laut FP\u00d6 geplagten B\u00fcrger \u00e4nderte sich nichts, au\u00dfer dass wahrscheinlich an die vier Milliarden Euro f\u00fcr nichts ausgegeben und 178 Hektar hochwertiges Ackerland vernichtet wurden.<\/p>\n<p>So sieht die Verkehrspolitik der FP\u00d6 aus; dogmatisch an einem zwanzig Jahre altem Konzept festhalten, das von ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen und der Zeit l\u00e4ngst \u00fcberholt wurde. Das ist politische Steinzeit und einfach nur peinlich. Aber von einer Partei, die allen Ernstes im Jahr 2025 Tempo 150 auf Autobahnen propagiert und den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zieht, ist wohl nichts anderes zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. Februar 2025 ver\u00f6ffentlichte das Bundesministerium f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilit\u00e4t, Innovation und Technologie (BMK) den Umweltbericht der \u201cStrategischen Pr\u00fcfung Verkehr\u201d betreffend den S1-Abschnitt Schwechat \u2013 S\u00fc\u00dfenbrunn, beinhaltend den Lobautunnel. Auf mehr als f\u00fcnfhundert Seiten wurden in dem vom Umweltbundesamt in Kooperation mit den Technischen Universit\u00e4ten Graz und Wien erstellten Bericht unter anderem die \u00f6kologischen Auswirkungen des geplanten S1-Ausbaus mit Tunnel und Alternativen untersucht. 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