{"id":6904,"date":"2025-02-02T18:51:14","date_gmt":"2025-02-02T17:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=6904"},"modified":"2025-04-12T09:37:32","modified_gmt":"2025-04-12T07:37:32","slug":"als-wasserwerke-noch-nicht-durch-wasser-gefaehrdet-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/als-wasserwerke-noch-nicht-durch-wasser-gefaehrdet-wurden\/","title":{"rendered":"Als Wasserwerke noch nicht durch Wasser gef\u00e4hrdet wurden"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Unteren Lobau gilt es seit 2015 aufgrund einer mathematischen Modellierung als hochriskant, aus der Neuen Donau dringend ben\u00f6tigtes Wasser einzuspeisen. W\u00fcrde man dies tun, so das Ergebnis dieser Modellierung, sei das Wasserwerk Lobau gef\u00e4hrdet und damit auch die Wasserversorgung der Wiener Bev\u00f6lkerung.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">In einem sozialen Medium w\u00e4re es an dieser Stelle angebracht den Hashtag #kopfschuettel anzuf\u00fcgen. Der Fortbestand des Nationalparks spielt in der Diskussion \u00fcbrigens nur eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Es gab jedoch eine Zeit, in der man seltsamerweise dachte, mehr Wasser in der Unteren Lobau w\u00fcrde auch der Grundwassergewinnung guttun. Diese Zeit liegt mehr als 45 Jahre zur\u00fcck.<\/p>\n<p>GRUNDWASSERANREICHERUNG ALS HOFFNUNG<\/p>\n<p>Schon Ende 1973 gibt die Stadt Voruntersuchungen zur \u201eGrundwasseranreicherung\u201c in der Unteren Lobau in Auftrag. 1976 beauftragen die Wiener Wasserwerke eine Planungsgemeinschaft, die M\u00f6glichkeiten zu pr\u00fcfen, aus der Unteren Lobau Grundwasser noch intensiver als bisher zu f\u00f6rdern. Weil die von den Wasserwerken damals erhoffte Einspeisung von Wasser aus der Alten oder der Neuen Donau in die Lobau noch auf sich warten lie\u00df, kam man auf die Idee, das \u201enat\u00fcrlich\u201c einflie\u00dfende Oberfl\u00e4chenwasser (Regen, \u00dcberschwemmung) m\u00f6glichst aufzustauen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6907\" aria-describedby=\"caption-attachment-6907\" style=\"width: 379px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6907\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"379\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-768x514.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-1536x1029.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Kuehwoertherwasser-1980-2048x1372.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 379px) 100vw, 379px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6907\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fchw\u00f6rtherwasser, Fr\u00fchjahr 1980<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Planungsgemeinschaft stellte anhand eines mathematischen Modells fest, dass durch einen \u201edotierten Aufstau des K\u00fchw\u00f6rtherwassers\u201c einerseits zus\u00e4tzliches Grundwasser verf\u00fcgbar sei, andererseits auch \u201edie Grundwasserverh\u00e4ltnisse f\u00fcr die Aulandschaft weitgehend verbessert werden k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcsse man bei der G\u00e4nshaufentraverse lediglich eine Wehranlage errichten.<\/p>\n<p>Der Aufstau w\u00fcrde auch im angrenzenden Fadenbach zu einer Anhebung des Wasserstandes f\u00fchren. Auf die Grundwasserverh\u00e4ltnisse im Marchfeld h\u00e4tte er keinerlei Auswirkungen.<\/p>\n<p>Bedenken hatte man wegen m\u00f6glicher Schadstoffe aus Industrieabw\u00e4ssern, die durch den Aufstau ins Grundwasser gelangen k\u00f6nnten. Um das Vorhaben gegebenenfalls fr\u00fchzeitig zu stoppen, wurden auf Vorschlag der Hygienisch-bakteriologischen Bundesversuchsanstalt die Brunnen w\u00e4hrend des Versuches t\u00e4glich auf Verunreinigungen untersucht.<\/p>\n<p>FINANZIERT UND GENEHMIGT<\/p>\n<p>1980 genehmigte der Wiener Gemeinderat f\u00fcr den Aufstau des K\u00fchw\u00f6rtherwassers in der Unteren Lobau einen Sachkredit in der H\u00f6he von 5,5 Millionen Schilling (heute 1,24 Millionen Euro).<\/p>\n<p>SP\u00d6-Gemeinderat Rudolf Freinberger betonte, dass die Ma\u00dfnahmen im Interesse einer gesicherten Wasserversorgung und der Lobau als Naturschutz- und Naherholungsgebiet sehr wichtig seien. \u00d6VP-Gemeinderat Wolfgang Strunz bezeichnete das Projekt als interessant, f\u00fcr die Lobau sehr wichtig, und auch f\u00fcr die k\u00fcnftige Wasserversorgung von Bedeutung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6908 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20221018_104112-Ausschnitt-300x121.jpg\" alt=\"\" width=\"439\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20221018_104112-Ausschnitt-300x121.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20221018_104112-Ausschnitt-1024x414.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20221018_104112-Ausschnitt-768x310.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/20221018_104112-Ausschnitt.jpg 1084w\" sizes=\"auto, (max-width: 439px) 100vw, 439px\" \/>Die Oberste Wasserrechtsbeh\u00f6rde im Bundesministerium f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft erteilte die Bewilligung.<\/p>\n<p>So wurde im Winter 1980\/81 \u201ezur Verbesserung der Zustr\u00f6mverh\u00e4ltnisse zu den Grundwassergewinnungsanlagen\u201c an der G\u00e4nshaufentraverse eine im wesentlichen fixe Wehranlage errichtet, die nur eine minimale Steuerung der Wasserspiegel zulie\u00df.<\/p>\n<p>Wurden durch den Aufstau des K\u00fchw\u00f6rtherwassers die Brunnen nun bereichert oder gef\u00e4hrdet? Welche Auswirkungen hatte dieser streng kontrollierte wasserwirtschaftliche Versuch auf das Grundwasserwerk Lobau?<\/p>\n<p>DAS ERGEBNIS<\/p>\n<p>Oberstadtbaurat DI Roland Leiner von den Wiener Wasserwerken fasst 1992 das Ergebnis des praktischen Versuches in einem einzigen Satz zusammen: <em>\u201eEs zeigte sich allerdings, dass kaum mehr Wasser zur Gewinnung zur Verf\u00fcgung stand, obwohl der Aufstau relativ lange blieb.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Was war damals anders als heute? Es war die Art und Weise, wie in der Stadt Erkenntnisse gewonnen und Handlungen gesetzt werden:<\/strong><\/p>\n<p><strong>1980<\/strong> stellte eine mathematische Modellierung ein bestimmtes Ergebnis in Aussicht: Wasser aufstauen = mehr Wasser f\u00fcr die Brunnen. Die Stadt beschloss, dies in der Praxis zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hygienische Bedenken wurden ber\u00fccksichtigt und diesbez\u00fcglich Vorsichtsma\u00dfnahmen getroffen. Die Oberste Wasserrechtsbeh\u00f6rde gab ihren Sanktus. Ergebnis: Die mathematische Modellierung lag daneben.<\/p>\n<p>Auch <strong>2015<\/strong> stellte eine mathematische Modellierung ein bestimmtes Ergebnis in Aussicht: Wasser einspeisen = Gef\u00e4hrdung der Brunnen. Die Stadt beschloss, dies NICHT in der Praxis zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hygienische Bedenken wurden zur &#8220;Gef\u00e4hrdung der Wiener Wasserversorgung&#8221; hochdramatisiert. Die Genehmigung der Obersten Wasserrechtsbeh\u00f6rde wird als schwer zu \u00fcberwindende H\u00fcrde dargestellt. Ob die mathematische Modellierung daneben lag, wei\u00df deshalb bis heute kein Mensch. Die Lobau geht somit seit zehn Jahren aufgrund verweigerter Hilfeleistung durch Verlandung und zeitweilige Austrocknung rascher als je zuvor zugrunde.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Fotos (K\u00fchw\u00f6rtherwasser 1980): Manfred Christ<\/em><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>DonauConsult IB GmbH (2023): Ausgangslage, Ist-Zustand und Zielsetzung. In: Untere Lobau G\u00e4nshaufentraverse Betriebsordnung 2023. Auftraggeber: Stadt Wien &#8211; Wiener Gew\u00e4sser<\/li>\n<li>MA 45 Wiener Gew\u00e4sser (2015): Endbericht Gew\u00e4sservernetzung (Neue) Donau &#8211; Untere Lobau (Nationalpark Donau-Auen)<\/li>\n<li>Leiner, Roland (1992): Trinkwassergewinnung und Trinkwasserqualit\u00e4t in der Lobau. In: Expertengespr\u00e4ch Donau-Grundwasser-Trinkwasser in der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal am 2. Juni 1992<\/li>\n<li>Magistrat der Stadt Wien (1982): Die Verwaltung der Stadt Wien 1981 (S. 213)<\/li>\n<li>N.N. (1980): Stauversuch \u201eK\u00fchw\u00f6rther Wasser\u201c. In: Rathauskorrespondenz, 30.5.1980<\/li>\n<li>N.N. (1980): Aufstauversuch K\u00fchw\u00f6rther Wasser. In: Rathauskorrespondenz, 23.5.1980<\/li>\n<li>Bescheid des Bundesministeriums f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft (1980): Grundwasserwerk Untere Lobau, projektierte Grundwasseranreicherung Lobau, hydrologische Voruntersuchungen, Aufstauversuche K\u00fchw\u00f6rtherwasser, wasserrechtliche Bewilligung (Zl. 15.624\/08-I 5\/79 vom 10.1.1980)<\/li>\n<li>N.N. (1973): Suche nach neuen Wasservorr\u00e4ten. In: Rathauskorrespondenz, 22.11.1973<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Unteren Lobau gilt es seit 2015 aufgrund einer mathematischen Modellierung als hochriskant, aus der Neuen Donau dringend ben\u00f6tigtes Wasser einzuspeisen. W\u00fcrde man dies tun, so das Ergebnis dieser Modellierung, sei das Wasserwerk Lobau gef\u00e4hrdet und damit auch die Wasserversorgung der Wiener Bev\u00f6lkerung. In einem sozialen Medium w\u00e4re es an dieser Stelle angebracht den Hashtag #kopfschuettel anzuf\u00fcgen. Der Fortbestand des Nationalparks spielt in der Diskussion \u00fcbrigens nur eine untergeordnete Rolle. 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