{"id":687,"date":"2017-02-15T19:42:00","date_gmt":"2017-02-15T18:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=687"},"modified":"2022-10-03T18:25:27","modified_gmt":"2022-10-03T16:25:27","slug":"christa-reitermayr-mein-gruenes-wohnzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/christa-reitermayr-mein-gruenes-wohnzimmer\/","title":{"rendered":"Christa Reitermayr: mein gr\u00fcnes Wohnzimmer"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-689 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Christa-Reitermayr-2013.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Christa-Reitermayr-2013.jpg 191w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Christa-Reitermayr-2013-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/>\u201eDie \u201eAu\u201c, wie meine Eltern sie nannten, war einfach immer da. Zum Drachensteigen, zum Kastaniensammeln, zum Schwimmen. Oft habe ich mir als Kind gew\u00fcnscht, mein Vater w\u00fcrde F\u00f6rster werden und wir k\u00f6nnten ins Forsthaus ziehen. Leider ist das nie passiert.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>CHRISTA REITERMAYR &nbsp;Die 1964 geborene Lehrerin aus Wien-Essling war von Ostern 1985 bis 2001 Mitarbeiterin von Anton Klein im \u201ealten\u201c Lobaumuseum. Seit 2011 ist sie nebenberuflich als Radiojournalistin t\u00e4tig \u2013 bei Radio Orange, f\u00fcr \u201eOpenUp &#8211; das Magazin f\u00fcr Umwelt, Energie, Politik und Gesellschaft\u201c. Ihr Fokus: Umweltbildung, Naturschutz &#8211; und die Lobau.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir hatten zuhause ein Buch \u00fcber das Rotk\u00e4ppchen. Die gemalten Landschaften lie\u00dfen mich an die Lobau denken. Dort war ja mein M\u00e4rchen- und Zauberwald, dort gab es wie im Buch Wiesen, Blumen, Schnecken, V\u00f6gel, Wind, Wasser, Verstecke, Moos, Fische, Muscheln. Manchmal auch zugefrorene Wasserfl\u00e4chen zum Eislaufen. Und Radfahren konnte man, vom Fr\u00fchling bis in den Herbst, in der Familienrunde, zum \u201eGasthaus am sch\u00f6nen Platzerl\u201c. Und Schwimmen, im Einriss, lange bevor dort das FKK-Gebiet entstand.<\/em><\/p>\n<p><em>Sp\u00e4ter, in der Pubert\u00e4t, wurde die Lobau mein gr\u00fcnes Jugendzimmer. Ich war 17 &#8211; und nat\u00fcrlich wollten wir die Welt ver\u00e4ndern. Die Dechantlacke, wo wir uns trafen, war der ideale Platz dazu. <\/em><\/p>\n<p><em>1984 dann die Besetzung der Stopfenreuther Au. Dort habe ich erlebt, dass es sich lohnen kann, sich f\u00fcr etwas einzusetzen, und dass viele Menschen gemeinsam gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen bewirken k\u00f6nnen, auch gegen die \u201eM\u00e4chtigen\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Als zuk\u00fcnftige Lehrerin sah ich nun meinen p\u00e4dagogischen Auftrag im Unterrichtsprinzip \u201eUmweltbildung\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Aus diesem Grund fuhr ich am Ostermontag 1985 ins Lobaumuseum und lernte Anton Klein kennen. Herr Klein machte mir in vielen \u2013 nun ja \u2013 Exkursionen klar, in welcher Schatzkammer ich da lebte und dass die Lobau gef\u00e4hrdet und besch\u00fctzenswert sei. <\/em><\/p>\n<p><em>So wurde ich freie Mitarbeiterin des Lobaumuseums und blieb das bis etwa 2001. Es war eine spannende Zeit, zumal es ja zwischen Anton Klein und diversen anderen Personen fortw\u00e4hrend Konflikte gab. <\/em><\/p>\n<p><em>In den \u201eNullerjahren\u201c landete ich \u2013 bedingt durch meinen Freund \u2013 bei Radio Orange 94.0, dem Freien Radio in Wien. Von da an konnte ich der gef\u00e4hrdeten Natur und den sie sch\u00fctzenden Personen besseres Geh\u00f6r verschaffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Lobau ist mein gr\u00fcnes Wohnzimmer geblieben, vor allem im Sommer. In Essling wohne ich schon lange nicht mehr, daher sind die Tage, die ich in der Au verbringen kann, kostbar. Da radle ich durch die Untere Lobau, schaue den Eisv\u00f6geln am Schwarzen Loch zu und schnuppere den feuchten Modergeruch.<\/em><\/p>\n<p><em>Seit Robert Eichert damit begonnen hat, die Geschichte der Lobau im Dritten Reich aufzuarbeiten \u2013 insbesondere die Schicksale der ZwangsarbeiterInnen \u2013 geh\u00f6ren f\u00fcr mich zu jedem Aufenthalt am Donau-Oder-Kanal &nbsp;auch ein paar Gedanken an diese Menschen. Und manchmal lege ich zum&nbsp;Mahnmal an der Lobgrundstra\u00dfe einen Kieselstein.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie \u201eAu\u201c, wie meine Eltern sie nannten, war einfach immer da. Zum Drachensteigen, zum Kastaniensammeln, zum Schwimmen. Oft habe ich mir als Kind gew\u00fcnscht, mein Vater w\u00fcrde F\u00f6rster werden und wir k\u00f6nnten ins Forsthaus ziehen. 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