{"id":6107,"date":"2024-03-07T20:56:51","date_gmt":"2024-03-07T19:56:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=6107"},"modified":"2024-05-29T23:30:13","modified_gmt":"2024-05-29T21:30:13","slug":"wien-pfeift-auf-den-furzenden-wetterfisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wien-pfeift-auf-den-furzenden-wetterfisch\/","title":{"rendered":"Wien pfeift auf den furzenden Wetterfisch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es gibt Tiere, die drollige Namen haben, die kaum jemand kennt, die nur wenige mit eigenen Augen gesehen haben und die dennoch zu den bestgeh\u00fcteten Juwelen unserer Fauna z\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eines dieser Juwele ist der Schlammpeitzger oder Schlammbeisser, ein kleiner, schlanker Fisch, dem kein Angler nachstellt und der wegen seines scheinbar k\u00fcmmerlichen Daseins und seines Namens gemeinhin sp\u00f6ttisch bel\u00e4chelt wird.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_6114\" aria-describedby=\"caption-attachment-6114\" style=\"width: 394px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6114 \" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-300x172.jpg\" alt=\"\" width=\"394\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-1024x589.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-768x441.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-265x153.jpg 265w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-148x85.jpg 148w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-193x112.jpg 193w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Kupferstich-von-AF-Schmidt-etwa-1750.jpg 1082w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6114\" class=\"wp-caption-text\">Kupferstich von AF Schmidt, etwa 1750 (aus Fusko, 1987)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Schlammpeitzger (<em>Misgurnus fossilis<\/em>) lebt im Schlamm ruhiger Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Ist zu wenig Sauerstoff im Wasser, schluckt er Luft, veratmet sie im gut durchbluteten Darm und scheidet sie hinten wieder aus (er furzt).<\/p>\n<p>Auf diese Weise kann er \u2013 vergraben im Schlamm \u2013 das zeitweilige Austrocknen seines Wohngew\u00e4ssers \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Weil der Schlammpeitzger imstande ist, Luftdruckschwankungen (!) wahrzunehmen, zeigt er sich bei Herannahen eines Gewitters besonders unruhig und aktiv. Im Volksmund brachte ihm das den Namen \u201eWetterfisch\u201c ein.<\/p>\n<p>In Wien gibt es den furzenden Wetterfisch nur noch in der Lobau. Er ist im Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen eine von nur drei Fischarten, die im Anhang II der europ\u00e4ischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie angef\u00fchrt werden \u2013 als streng zu sch\u00fctzende Arten von gemeinschaftlichem Interesse.&nbsp;<\/p>\n<p>Im Wiener Nationalparkgesetz hei\u00dft es unmissverst\u00e4ndlich, eines der Ziele des Nationalparks sei es, die Arten des Anhanges II der Fauna-Flora-Habitat\u2013Richtlinie zu erhalten und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>In der Wiener Naturschutzverordnung ist der Schlammpeitzger eine von nur zwei Fischarten, die als \u201epriorit\u00e4r bedeutend\u201c eingestuft werden und f\u00fcr die gem\u00e4\u00df \u00a7 15 Wiener Naturschutzgesetz ein Arten- und Biotop-Schutzprogramm erstellt werden muss.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6115\" aria-describedby=\"caption-attachment-6115\" style=\"width: 367px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6115\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902-300x214.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902-768x548.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902-240x172.jpg 240w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1987-Brehms-Tierleben-Band-3-1902.jpg 975w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6115\" class=\"wp-caption-text\">Brehms Tierleben Band 3, 1902 (aus Fusko 1987)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In den Roten Listen der gef\u00e4hrdeten Tierarten \u00d6sterreichs wird der Schlammpeitzger als \u201estark gef\u00e4hrdet\u201c ausgewiesen.<\/p>\n<p>Die Gesetzeslage ist also eindeutig. Der Haken daran: Wien h\u00e4lt sich nicht daran. Die Stadt pfeift auf den Schlammpeitzger.<\/p>\n<p>Im 1998 ver\u00f6ffentlichten \u201eMonitoringkonzept Nationalpark Donau-Auen\u201c wird festgehalten, dass Untersuchungen zum Fortpflanzungserfolg der Schlammpeitzger j\u00e4hrlich erfolgen sollten und eine Erhebung der adulten Fische in zweij\u00e4hrigen Abst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Das hat jedoch in Wien niemand gek\u00fcmmert. Es gab und gibt im Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen bis heute kein Monitoring. Es gab und gibt f\u00fcr die Schlammpeitzger auch kein Biotop-Schutzprogramm.<\/p>\n<p>Die Ausrede, dass daf\u00fcr ja der Nationalpark zust\u00e4ndig w\u00e4re, gilt nicht. Die Einhaltung der europ\u00e4ischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie obliegt dem Land \u2013 und die Einhaltung des eigenen Naturschutzgesetzes sowieso.<\/p>\n<p>Was man \u00fcber das Vorkommen des Schlammpeitzgers in der Wiener Lobau wei\u00df, hat durchwegs historischen Charakter:<\/p>\n<ul>\n<li>Vor 38 Jahren erfolgte in der <u>Unteren<\/u> Lobau die letzte spezielle Bestandsaufnahme (1985-86)<\/li>\n<li>Vor 35 Jahren erfolgte in der <u>Oberen<\/u> Lobau die letzte spezielle Bestandsaufnahme (1988-89)<\/li>\n<li>Vor 25 Jahren und zuletzt vor zw\u00f6lf Jahren wurden in der <u>Unteren<\/u> Lobau bei allgemeinen Fisch-Bestandsaufnahmen in kleinen, isolierten Nebengew\u00e4ssern Schlammpeitzger festgestellt (1999 und 2012)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Demgegen\u00fcber steht die durch Austrocknung und Verlandung bedingte, rasante Degradierung der Landschaft:<\/p>\n<figure id=\"attachment_6136\" aria-describedby=\"caption-attachment-6136\" style=\"width: 392px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6136\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990-300x114.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"149\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990-300x114.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990-1024x388.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990-768x291.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990-1536x582.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/aus-Fusko-1990.jpg 1564w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6136\" class=\"wp-caption-text\">aus Fusko 1990<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gerade die kleinen Gew\u00e4sser, in denen die Schlammpeitzger leben, verlanden mit einer Rate von 3,5 % pro Jahr. Die Fische verlieren also jedes Jahr deutlich an Lebensraum. Ein Trend, der sich beschleunigt. Es hatte einen guten Grund, warum die Wissenschaftler 1998 forderten, die Best\u00e4nde alle zwei Jahre zu erheben.<\/p>\n<p>Auf die Frage \u201eWo leben denn eigentlich heute in der Lobau noch Schlammpeitzger?\u201c k\u00f6nnen deshalb nur Mutma\u00dfungen angestellt werden.<\/p>\n<p>Der einzige, in den vergangenen zw\u00f6lf Jahren dokumentierte Nachweis stammt aus dem Jahr 2021. Der Fisch ging Wissenschaftlern des Naturhistorischen Museums Wien im sogenannten Schwarzen Loch bei der Suche nach Muscheln und Schnecken zuf\u00e4llig ins Netz.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Es geht um einen stark gef\u00e4hrdeten Fisch in einem Nationalpark, der unter besonderem europ\u00e4ischem Schutz steht und obendrein im Landes-Naturschutzgesetz besonders hervorgehoben wird. Und niemand wei\u00df, wo es ihn aktuell noch \u00fcberall gibt.<\/p>\n<p>1985\/86 registrierte Funde im Ebersch\u00fcttwasser und im K\u00fchw\u00f6rtherwasser konnten seitdem nicht mehr best\u00e4tigt werden. Also sind die Fische dort mittlerweile ausgestorben &#8230; oder es hat seitdem niemand mehr genau nachgesehen. Naturschutzgesetz und Nationalpark scheinen die Stadt also nicht intensiv zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die immer h\u00e4ufigere, komplette Austrocknung der Gew\u00e4sser in der Unteren Lobau versch\u00e4rft die Situation. Schlammpeitzger k\u00f6nnen zwar im Schlamm Trockenheit und harte Winter \u00fcberstehen, aber auch dieser F\u00e4higkeit sind Grenzen gesetzt:<\/p>\n<figure id=\"attachment_580\" aria-describedby=\"caption-attachment-580\" style=\"width: 374px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-580\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/12140.l01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/12140.l01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/12140.l01-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/12140.l01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/12140.l01.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-580\" class=\"wp-caption-text\">Lausgrundwasser, J\u00e4nner 2017 (Foto: Kurt Kracher)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als im Nationalpark im Winter 2016-2017 an der M\u00fchlleitner Furt eine Gro\u00dfbaustelle eingerichtet wird, um zwei unterirdisch verlaufende Gasleitungen zu sanieren, wird zum Schutz der Erdarbeiten die stetige Einleitung des \u00dcberschusswassers aus dem Wasserwerk Lobau in den Lausgrund gestoppt. Ergebnis: Der Lausgrund, ein Lebensraum des Schlammpeitzgers, trocknet v\u00f6llig aus und der Gew\u00e4ssergrund friert durch. In der Folge durchpfl\u00fcgen Wildschweinrotten den Boden mit ihren R\u00fcsseln auf der Suche nach Fressbarem. Haben die Schlammpeitzger diese Extremsituation \u00fcberlebt? Gibt es heute im Lausgrund \u00fcberhaupt noch Schlammpeitzger? Darum hat sich \u2013 Gesetze hin oder her &#8211; in den vergangenen sieben Jahren niemand gek\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Manche Sachen lassen sich nicht erfinden:<\/p>\n<p>2019 wird eine detaillierte Erhebung der FFH-Fischarten f\u00fcr das gesamte Stadtgebiet ver\u00f6ffentlicht. Der Schlammpeitzger gilt demnach in Wien als verschollen bzw. ausgestorben.<\/p>\n<p>Allerdings, und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, war die Lobau von dieser Erhebung ausgenommen (!).<\/p>\n<p>Kein Zweifel: Wien ist anders.<\/p>\n<p>Besonders kurios: Im gem\u00e4\u00df der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie obligatorischen, j\u00fcngsten Bericht \u00d6sterreichs an die EU (Zeitraum 2013 \u2013 2018) wird in der Liste der Bundesl\u00e4nder, in denen Schlammpeitzger leben, Wien nicht mehr angef\u00fchrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6142\" aria-describedby=\"caption-attachment-6142\" style=\"width: 387px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Lorenz-Festetics-ORF-Screenshot-09-11-1988.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6142\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Lorenz-Festetics-ORF-Screenshot-09-11-1988-300x231.png\" alt=\"\" width=\"387\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Lorenz-Festetics-ORF-Screenshot-09-11-1988-300x231.png 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Lorenz-Festetics-ORF-Screenshot-09-11-1988-117x91.png 117w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Lorenz-Festetics-ORF-Screenshot-09-11-1988.png 747w\" sizes=\"auto, (max-width: 387px) 100vw, 387px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6142\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot ORF Aktueller Dienst 1988<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Stadt Wien meldet also der EU, dass in Wien keine Schlammpeitzger vorkommen w\u00fcrden, womit es praktischerweise auch keine Verpflichtungen gibt, sich um sie zu k\u00fcmmern. Die Lobau wird listigerweise in diesem Zusammenhang nicht als Teil von Wien (!) betrachtet.<\/p>\n<p>Der Bericht an die EU, der darlegt, dass es in Wien keine Schlammpeitzger g\u00e4be, hat \u00fcbrigens den Untertitel \u201eMonitoring-Ergebnisse\u201c.<\/p>\n<p>Was die Lobau betrifft, stellt sich die Frage: welches Monitoring???<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Dass der Schlammpeitzger mit seinen besonderen F\u00e4higkeiten nicht einfach ein Fisch unter anderen ist, zeigt auch eine Anekdote vom 9. November 1988, die sich bei der Feier zum 85. Geburtstag von Nobelpreistr\u00e4ger <a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/AustriaWiki\/Konrad_Lorenz\">Konrad Lorenz<\/a> zugetragen hat. <\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Der Wildbiologe <a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Antal_Festetics\">Antal Festetics<\/a> wollte an jenem Tag seinem hochbetagten Mentor eine spezielle Freude bereiten und tauchte in Lorenz\u2018 Villa in Altenberg an der Donau mit einem wassergef\u00fcllten Fischbeh\u00e4lter auf. <\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Es entwickelte sich folgender Dialog:<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>Festetics<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Also, wir waren gestern in der Au, um Dir auch ein Wildtier mitzubringen. Ein Tier, das im November mit der Hand zu fangen ist. Das ist jetzt die Pr\u00fcfungsfrage: Was kann es sein? <\/em><em>Ich mach\u2019s einmal auf. Und da kann man\u2018s hochheben. Wir halten es drunter.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>Lorenz<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Schlammbeisser!<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>Festetics<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Richtig: Eins! Der lateinische Name, Konrad?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>Lorenz<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Misgurnus.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong><em>Festetics<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Noch eine Eins! Du hast mich vor drei\u00dfig Jahren gepr\u00fcft mit dem gleichen Fisch. Ich hab\u2019s damals leider nicht gewusst.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Titelfoto:<br \/>\nAbb. 67 aus &#8220;Erhebung der Fischfauna in der Unteren Lobau 2012&#8221;<\/p>\n<p><u>Quellen:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Fusko, M. (1987): Zur Biologie des Schlammpeitzgers (Misgurnus fossilis) unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Darmatmung. Doktorarbeit, Universit\u00e4t Wien, 172 Seiten.<\/li>\n<li>Christ, M. (1988): Abschrift der Statements aus dem bei der Geburtstagsfeier von Konrad Lorenz am 9.11.1988 in Altenberg\/Greifenstein (N\u00d6) aufgezeichneten Video-Rohmaterial des ORF (unver\u00f6ffentl.)<\/li>\n<li>Fusko, M. (1990): Bestandsaufnahme standorttypischer Fische: Vorkommen des Schlammpeitzgers. In: Projekt Dotation Lobau. Abschnitt Obere Lobau. Wasserwirtschaftlicher Versuch. Begleitendes \u00f6kologisches Versuchsprogramm. Im Auftrag der Magistratsabt. 45 \u2013 Wasserbau<\/li>\n<li>Reckendorfer, W., Heiler, G., Hein, T., Keckeis, H., Lazowski, W. &amp; P. Zulka (1998): Zoologisches Monitoring. Aquatischer Bereich. Fische. In: Monitoringkonzept Nationalpark Donau-Auen, im Auftrag von Nationalpark Donau-Auen GmbH.<\/li>\n<li>Waidbacher, H., Straif, M., Drexler, S. (2005): Erhebung und Einsch\u00e4tzung des Erhaltungszustandes der in Anhang II und V der FFH-Richtlinie genannten und in Wien vorkommenden und gesch\u00fctzten Fischarten. Im Auftrag der Magistratsabt. 45 \u2013 Wasserbau, 54 Seiten.<\/li>\n<li>Wiesner, C. (2008): Fischbestandserhebung in der Dechant- und Peleskalacke. Im Auftrag der Nationalpark Donau-Auen GmbH.<\/li>\n<li>Schabuss, M., Zornig, H. (2013): Erhebung der Fischfauna in der Unteren Lobau 2012. In: Gew\u00e4sservernetzung (Neue) Donau \u2013 Untere Lobau (Nationalpark Donau-Auen). &nbsp;Im Auftrag der Magistratsabt. 45 &#8211; Wiener Gew\u00e4sser, 82 Seiten.<\/li>\n<li>Schauer, M., Ratschan, C., Wanzenb\u00f6ck, J., Gumpinger, C., Zauner, G. (2013): Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) in Ober\u00f6sterreich. In: \u00d6sterreichs Fischerei, Jg. 66, Seiten 54-70<\/li>\n<li>Spindler, T. (2019): FFH-Fischarten in Wien. Erhebung und Einsch\u00e4tzung des Erhaltungszustands der in Anhang II, IV und V der FFH-Richtlinie genannten und in Wien vorkommenden und gesch\u00fctzten Fischarten, 2018\/2019. Im Auftrag der Magistratsabt. 22 &#8211; Umweltschutz, 93 Seiten.<\/li>\n<li>Ellmauer, T., Igel, V., Kudrnovsky, H., Moser, D. &amp; Paternoster, D. (2019): Monitoring von Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlicher Bedeutung in \u00d6sterreich 2016\u20132018 und Grundlagenerstellung f\u00fcr den Bericht gem\u00e4\u00df Artikel17 der FFH-Richtlinie im Jahr 2019: Teil 1: Artikel 11-Monitoring. Umweltbundesamt GmbH, im Auftrag der \u00f6sterreichischen Bundesl\u00e4nder, Wien.<\/li>\n<li>Kirchner S., Schindelar, J., Sittenthaler, M., Christ, M., Zangl, L., Sattmann, H., Fischer, I., Schubert, Hannah C., Haring, E. (2023): Occurrence of the European weatherfish Misgurnus fossilis in the Danube floodplains of the Lobau in Vienna, Austria. In: Acta ZooBot Austria&#8221; \u2013 159: 155 &#8211; 162<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Tiere, die drollige Namen haben, die kaum jemand kennt, die nur wenige mit eigenen Augen gesehen haben und die dennoch zu den bestgeh\u00fcteten Juwelen unserer Fauna z\u00e4hlen. Eines dieser Juwele ist der Schlammpeitzger oder Schlammbeisser, ein kleiner, schlanker Fisch, dem kein Angler nachstellt und der wegen seines scheinbar k\u00fcmmerlichen Daseins und seines Namens gemeinhin sp\u00f6ttisch bel\u00e4chelt wird. Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) lebt im Schlamm ruhiger Gew\u00e4sser. 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