{"id":5796,"date":"2023-08-20T16:51:52","date_gmt":"2023-08-20T14:51:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=5796"},"modified":"2023-11-03T15:55:06","modified_gmt":"2023-11-03T14:55:06","slug":"0027-prozent-von-oesterreich-alle-fakten-zu-100-jahre-kampf-um-die-lobau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/0027-prozent-von-oesterreich-alle-fakten-zu-100-jahre-kampf-um-die-lobau\/","title":{"rendered":"0,027 Prozent von \u00d6sterreich &#8211; 100 Jahre Kampf um die Lobau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Angesichts des enormen Besucherdrucks, dem die Lobau seit einigen Jahren ausgesetzt ist, wird es Zeit, dieses Wiener Juwel aufs Neue ins rechte Licht zu r\u00fccken:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Lobau ist eine nur durch Gl\u00fcck und Zufall bis heute existierende Naturlandschaft. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit hundert Jahren wird um sie gek\u00e4mpft. Immer wieder einmal schien es, als w\u00fcrden sie den Interessen Einzelner oder wirtschaftlichen Pl\u00e4nen zum Opfer fallen. Immer wieder (aber nicht in allen F\u00e4llen) gelang es Natursch\u00fctzern, dies zu verhindern.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die rasant zunehmende Wiener Bev\u00f6lkerung, die R\u00fccksichtslosigkeit vieler Besucher, Stra\u00dfenbauvorhaben sowie mangelndes Management der Stadt Wien zur Erhaltung der Gew\u00e4sser und Feuchtgebiete, haben die Lobau erneut in eine kritische Situation man\u00f6vriert.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hier eine Liste der wichtigsten Fakten, die jeder Diskussion \u00fcber die Zukunft der Lobau zugrunde liegen sollten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Der Nationalpark Donau-Auen ist die gr\u00f6\u00dfte zusammenh\u00e4ngende, \u00f6kologisch weitgehend intakte und naturnahe Flussauenlandschaft Mitteleuropas.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Gesamtfl\u00e4che des Nationalparks betr\u00e4gt 9600 Hektar. Das sind 0,11 Prozent des \u00f6sterreichischen Staatsgebietes (entspricht etwa 1 Drittel des Neusiedlersees).<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Gesamtfl\u00e4che der Lobau \u2013 des Wiener Anteils am Nationalpark &#8211; betr\u00e4gt 2300 Hektar. Das sind 0,027 % des \u00f6sterreichischen Staatgebietes und 5,5 % der Fl\u00e4che Wiens (entspricht etwa dem Bezirk Simmering).<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Lobau nimmt ein Viertel der Gesamtfl\u00e4che des Nationalparks ein.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Zwischen 1938 und 2010 hat die Lobau 1 Drittel ihrer Wasserfl\u00e4chen und Feuchtgebiete verloren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Gew\u00e4sser der Lobau verlanden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3,5 % pro Jahr &#8211; mit fortschreitender Beschleunigung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Die Lobau wurde bereits 1905, 1928 und 1937 durch Gemeinderatsbeschl\u00fcsse f\u00fcr unverzichtbar und unantastbar erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Seit 1977 ist die Untere Lobau UNESCO-Biosph\u00e4renreservat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1978 wurde die Lobau zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Seit 1983 ist die Untere Lobau als \u201eLebensraum f\u00fcr Wasser- und Watv\u00f6gel von internationaler Bedeutung\u201c ein Schutzgebiet im Rahmen des Ramsar-\u00dcbereinkommens.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Seit 1996 ist die Lobau Teil des Nationalparks Donau-Auen \u2013 manifestiert im \u201eWiener Nationalparkgesetz\u201c.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">2007 wurde die Lobau mittels Verordnung der Wiener Landesregierung zum Europaschutzgebiet erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><strong>Dass in der Lobau heute weder eine gro\u00dfe Erd\u00f6lraffinerie liegt, noch eine Gewerbezone, ein Industriegebiet oder ein Universit\u00e4ts-Campus, dass sie weder von einer Schnellstra\u00dfe noch von einer Autobahn durchschnitten wird und dass das Tanklager nicht weiter vergr\u00f6\u00dfert wurde, ist mehreren Generationen von Natursch\u00fctzern zu verdanken, die sich der betonierenden Obrigkeit mutig entgegengestellt hatten. Die wichtigsten Anschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1929<\/strong> planen der Bund, Nieder\u00f6sterreich und Wien bei Sch\u00f6nau ein Kraftwerk. Der Stausee soll bis Korneuburg reichen. Die Lobau w\u00fcrde zur G\u00e4nze \u00fcberflutet werden. Eine Arbeitsgemeinschaft der Jagdvereine protestiert dagegen \u2013 und hat damit Erfolg; wohl auch, weil dem Staat in jenen Jahren die Mittel ausgehen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1940<\/strong> l\u00e4sst Hitlers Deutsches Reich mitten durch das Herz der Lobau die ersten Elemente eines nie verwirklichten Donau-Oder-Kanals graben. Dar\u00fcber hinaus wird in den Auwald r\u00fccksichtslos ein \u00d6lhafen implantiert, eine kleine Raffinerie und ein Tanklager. Proteste sind damals undenkbar.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1945<\/strong> wird die Lobau von zahllosen Fliegerbomben zerfurcht, die ihre Ziele &#8211; das Tanklager und den \u00d6lhafen &#8211; verfehlen. Die Krater existieren bis heute.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1958<\/strong> soll im Bereich des Beckens II des Donau-Oder-Kanals eine Gro\u00dfraffinerie errichtet werden. Wien unterst\u00fctzt den Plan, in der Hoffnung auf hohe Steuereinnahmen. Im Zuge dessen soll die Obere Lobau eine Gewerbe- und Industriezone werden. Hans Kinnl vom Nieder\u00f6sterreichischen Naturschutzbund gelingt es fast im Alleingang, dies zu verhindern. Die OMV beschlie\u00dft, die Gro\u00dfraffinerie in Schwechat zu errichten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1963<\/strong> bis 1967 errichtet Wien im Hafen Lobau die erste Tankerreinigungsanlage Europas.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1964<\/strong> beginnt die Stadt Wien, in die Untere Lobau ein Wasserwerk zu pflanzen. Dazu geh\u00f6ren f\u00fcnf Brunnen samt Rohrleitungen, Stromleitungen, Asphaltstra\u00dfen und Geb\u00e4uden sowie der Brunnen Marketh\u00e4ufel in der Oberen Lobau. 1969 wird zum Schutz der Brunnen das romantische G\u00e4nshaufenwasser zugesch\u00fcttet und die K\u00fcnigltraverse aufbetoniert.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1970<\/strong> widmet Wien mitten im ersten Europ\u00e4ischen Naturschutzjahr 17,5 Hektar Landschaftsschutzgebiet in Industrieland um und errichtet dort auf einer der sch\u00f6nsten Orchideenwiesen der Lobau ein kalorisches Kraftwerk.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Das Bundesstra\u00dfengesetz 1971 sieht in der Lobau den Bau einer Autobahn und einer Schnellstra\u00dfe vor. \u00dcber der Panozza-Lacke soll ein Autobahnkreuz entstehen, die Obere Lobau soll in Richtung Gro\u00df-Enzersdorf von einer Schnellstra\u00dfe durchquert werden. Einer B\u00fcrgerinitiative gelingt es <strong>1972<\/strong> mit Hilfe der Medien, diese Vorhaben zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Seit <strong>Anfang der 1990er-Jahre<\/strong> wird die Errichtung einer sechsten Donauquerung mittels Schnellstra\u00dfe geplant, die durch die Lobau an deren breitester Stelle f\u00fchren soll. Der ehemalige Wiener B\u00fcrgermeister Michael H\u00e4upl bringt als Umweltstadtrat 1992 den Gedanken einer Untertunnelung ins Spiel. Seitdem besagt die Planung, dass zwei parallele Tunnelr\u00f6hren die Lobau durchqueren sollen. Das Projekt wird seit zwanzig Jahren von B\u00fcrgerinitiativen und Naturschutzvereinen vehement bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eMan kann Umst\u00e4nde zur Kenntnis nehmen, darf aber nicht bereit sein, sie hinzunehmen.\u201c<br \/>\n<\/em>(Bruno Kreisky)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts des enormen Besucherdrucks, dem die Lobau seit einigen Jahren ausgesetzt ist, wird es Zeit, dieses Wiener Juwel aufs Neue ins rechte Licht zu r\u00fccken: Die Lobau ist eine nur durch Gl\u00fcck und Zufall bis heute existierende Naturlandschaft. Seit hundert Jahren wird um sie gek\u00e4mpft. Immer wieder einmal schien es, als w\u00fcrden sie den Interessen Einzelner oder wirtschaftlichen Pl\u00e4nen zum Opfer fallen. 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