{"id":5190,"date":"2022-04-29T08:43:53","date_gmt":"2022-04-29T06:43:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=5190"},"modified":"2022-07-23T09:12:56","modified_gmt":"2022-07-23T07:12:56","slug":"lobau-symposium-nichts-tun-ist-keine-option","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/lobau-symposium-nichts-tun-ist-keine-option\/","title":{"rendered":"Lobau-Symposium: Nichts tun ist keine Option."},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Lobau-Symposium ist am Abend des 28. April 2022 mit einer Podiums- und Publikumsdiskussion zu Ende gegangen. Im Schnitt haben um die 150 angemeldete G\u00e4ste die Vortr\u00e4ge sowohl im Saal des Naturhistorischen Museums als auch live \u00fcber einen Videostream verfolgt.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Aussage zog sich fast gleichlautend durch die meisten Statements der Wissenschaftler: Es muss so bald wie m\u00f6glich Wasser in die Untere Lobau eingeleitet werden. Tut man nichts, geht das Gebiet mit seiner charakteristischen Artenvielfalt zugrunde.<\/p>\n<p><strong>Zitate:<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAquatische Lebensr\u00e4ume ohne Wasser sind wenig zielf\u00fchrend.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWenn nichts geschieht, ist die Lobau bald ein weiteres Feldgeh\u00f6lz im Marchfeld ohne besondere Arten\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDie Lobau ist die bestuntersuchte moribunde Patientin, die mir je begegnet ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDie Entscheidung der Stadt Wien derzeit ist: Die Lobau soll keine Au bleiben. Das ist Faktum.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDer Handlungsbedarf wird immer dringender.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hans Peter Graner, der Vorsitzende des Wiener Nationalparkbeirates, h\u00e4lt in seinem Einleitungs-Statement fest:<\/p>\n<p><em>\u201eNach der Dotation der Oberen Lobau mit Wasser aus der Neuen Donau muss der n\u00e4chste Schritt sein, dass Dotationswasser auch die Untere Lobau mit Leben versorgt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Was die Wissenschaftler unter anderem berichtet haben:<\/strong><\/p>\n<p>Eine Bilanz der forstlichen Inventuren im Nationalpark Donau-Auen \u00fcber einen Zeitraum von zwanzig Jahren hat ergeben, dass die Einstellung der Forstwirtschaft das Gebiet aus Sicht des Naturschutzes positiv beeinflusst hat:<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5193 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-KURT-KRACHER-1a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-KURT-KRACHER-1a-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-KURT-KRACHER-1a-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-KURT-KRACHER-1a-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-KURT-KRACHER-1a.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/>Es gibt mehr B\u00e4ume mit gr\u00f6\u00dferem Stammdurchmesser<\/strong> und der Anteil an totem Holz, ein wichtiger Garant f\u00fcr die Artenvielfalt, ist massiv angestiegen. Au\u00dferdem ist es gelungen, durch intensive Managementma\u00dfnahmen eingewanderte, florenfremde Invasionspflanzen wie den Eschenahorn, den G\u00f6tterbaum und die Robinie zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Wermutstropfen: Bereits <strong>jedes f\u00fcnfte Geh\u00f6lz im Nationalpark ist ein Strauch<\/strong>. Die gr\u00f6\u00dften Gewinner der Entwicklung zwischen 1998 und 2018 sind die Straucharten. Dazu kommt, dass der Nationalpark gerade dabei ist, durch eine schwere Baumkrankheit seine Eschenbest\u00e4nde zu verlieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5194 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-MANFRED-CHRIST-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-MANFRED-CHRIST-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-MANFRED-CHRIST-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-MANFRED-CHRIST-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-MANFRED-CHRIST.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/>Die <strong>Zukunft der Schnecken und Muscheln<\/strong> der Lobau ist traurig. Die heimischen Gro\u00dfmuscheln und charakteristische Wasserbewohner wie die Sumpfdeckelschnecke sind beinahe verschwunden. Stattdessen werden die Gew\u00e4sser von chinesischen Teichmuscheln dominiert. Die Gesamtartenzahl hat sich von 2018 auf 2021 von 111 auf 102 reduziert. Die europaweit gesch\u00fctzte Zierliche Tellerschnecke \u2013 die zu den Besonderheiten der Lobau z\u00e4hlt \u2013 konnte zuletzt an zwei bekannten Standorten nicht mehr wiedergefunden werden.<\/p>\n<p>In der Lobau leben <strong>44 verschiedene Libellen<\/strong>. Das sind 56 Prozent der \u00f6sterreichischen Libellenarten. Jene Arten, die an tempor\u00e4re, von Hochw\u00e4ssern und wechselnden Grundwasserst\u00e4nden zeitweilig geflutete Gew\u00e4sser gebunden sind, verschwinden. Eine Einspeisung von Wasser in die Lobau w\u00e4re eine wegweisende Ma\u00dfnahme, um dies zu stoppen oder umzukehren.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5195 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-2048x1448.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Foto-ELISABETH-ZEMAN-200x140.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Gew\u00e4sser der Lobau sind in einem dramatischen R\u00fcckgang begriffen<\/strong>. Die \u201edynamischen\u201c Gebiete mit stark wechselnden Wasserst\u00e4nden sind kaum noch vorhanden. Gerade sie beherbergten jedoch die h\u00f6chste Vielfalt an Arten.<\/p>\n<p>Verschwindet das Wasser, verschwinden logischerweise auch die Wasserpflanzen, die in den Roten Listen als die am h\u00f6chsten gef\u00e4hrdete \u00f6kologische Gruppe gelten.<\/p>\n<p>Aber <strong>auch die trockenen Standorte, die sogenannten Hei\u00dfl\u00e4nden, sind im Niedergang begriffen<\/strong>. Sie wachsen in dramatischem Ausma\u00df zu, weil sich an ihrer Oberfl\u00e4che viel Humus angeh\u00e4uft hat. &nbsp;<\/p>\n<p>Statt Pionierpflanzen auf wunderbar kargen Schotterb\u00f6den macht sich nun der Strauchwald breit. Um das Besondere der Hei\u00dfl\u00e4nden zu bewahren, m\u00fcsste als naturschutzfachliche Ma\u00dfnahme der Oberboden abgetragen werden.<\/p>\n<p>Pflanzen, die auf rohen Schotterb\u00f6den keimen, haben heute in der Lobau keine Chance mehr \u2013 obwohl sie in vergangenen Zeiten signifikante Charakterpflanzen des Gebietes waren. Uralte Silberweiden, die zusammenbrechen, sind unwiederbringlich verschwunden. Sie werden nicht mehr durch Verj\u00fcngung ersetzt.<\/p>\n<p>Die Obere Lobau beherbergt das individuenreichste mitteleurop\u00e4ische Vorkommen des Wanzen-Knabenkrautes. Der Bestand dieser Orchidee hat in Deutschland in den vergangenen siebzig Jahren einen R\u00fcckgang von 96 Prozent hinnehmen m\u00fcssen. Das Zuwachsen der einstmals offenen B\u00f6den durch Gr\u00e4ser und Geh\u00f6lze setzt den Pflanzen erkennbar zu. Ihr Lebensraum sollte regelm\u00e4\u00dfig gem\u00e4ht und durch Schafe beweidet werden.<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5196 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_9122-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/>Der \u00d6kologe Peter Weish h\u00e4lt in seinem Statement unmissverst\u00e4ndlich fest, dass wir gegen den mittlerweile nicht mehr schleichenden, sondern beschleunigten Artenr\u00fcckgang unbedingt gegensteuern m\u00fcssten. Er sei zweifellos auf einen Mangel an Dynamik und Wasser zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein fairer Diskurs mit der Stadt Wien m\u00fcsse begonnen werden, am besten &#8211; so Weish &#8211; in einer gemischten Arbeitsgruppe mit Personen aus der Stadtverwaltung. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die zentrale Forderung der Wissenschaftler sei: Setzen wir uns an einen Tisch und beginnen wir einen Prozess der zu guten L\u00f6sungen f\u00fchrt! <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Handlungsbedarf wird immer dringender, die Lobau als wirkliches Kleinod m\u00fcsse bewahrt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Mehr Ergebnisse und Erkenntnisse aus der zweit\u00e4gigen Veranstaltung demn\u00e4chst.<\/p>\n<p><em>Fotos: Norbert Novak (von der Veranstaltung), Elisabeth Zeman (Libelle), Kurt Kracher (Waldlandschaft), Manfred Christ (Muschelschale)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Lobau-Symposium ist am Abend des 28. 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