{"id":4565,"date":"2021-07-11T09:58:54","date_gmt":"2021-07-11T07:58:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=4565"},"modified":"2021-10-09T09:14:56","modified_gmt":"2021-10-09T07:14:56","slug":"wie-vor-50-jahren-lobau-autobahn-als-loesung-aller-probleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wie-vor-50-jahren-lobau-autobahn-als-loesung-aller-probleme\/","title":{"rendered":"Wie vor 50 Jahren: Lobau-Autobahn als L\u00f6sung aller Probleme"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was sich derzeit an Emp\u00f6rung und Drohungen rund um das Projekt einer Autobahn durch die Lobau abspielt, erinnert an die Situation Anfang der 1970er-Jahre. Auch vor 50 Jahren hie\u00df das Match: SP\u00d6-Stadtregierung gegen Naturschutz.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4566 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21-300x184.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21-1024x628.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21-768x471.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/1972-Ostring-A21.jpg 1032w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a>Auf Seiten des Naturschutzes standen der zutiefst sozialdemokratische Lobaumuseums-Gr\u00fcnder Anton Klein, der WWF, der Naturschutzbund, einige andere Initiativen, sowie zahlreiche Journalisten, in erster Linie von Kronen-Zeitung und ORF, darunter der sehr wohlwollende Fernsehdirektor und sp\u00e4tere Wiener B\u00fcrgermeister Helmut Zilk.<\/p>\n<p>Es ging damals wie heute um die Stadtumfahrung. Die Ostring-Autobahn A21 sollte \u2013 von Simmering her &#8211; die Lobau auf H\u00f6he Panozza-Lacke erreichen und sich genau dort in einem gewaltigen Autobahnkreuz mit der Donauufer-Autobahn A22 vereinigen.<\/p>\n<p>Dazu kam die Marchfeld-Schnellstra\u00dfe S1, die ausgehend vom heutigen Knoten Kaiserm\u00fchlen der S\u00fcdosttangente A23 mitten durch den 22. Bezirk entlang des M\u00fchlwassers durch die Obere Lobau bis hinein nach Gro\u00df-Enzersdorf f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>A21 und S1 sollten sich bei der Saltenstra\u00dfe \u00fcber dem M\u00fchlwasser kreuzen \u2013 samt dazugeh\u00f6riger Zu- und Abfahrten.<\/p>\n<p>Heute w\u00fcrde man sagen: ein wahnwitziges Projekt. Damals wurde es von Stadtplanung und Politik als grundvern\u00fcnftig und alternativlos betrachtet.<\/p>\n<p>Die Errichtung dieses Autobahn-Netzwerkes war bereits im Bundesstra\u00dfengesetz 1971 verankert.<\/p>\n<p>Als der \u00f6ffentliche Druck durch Fernsehen, Presse und B\u00fcrgerinitiative schlie\u00dflich zu gro\u00df wurde, k\u00fcndigte der Wiener Planungsstadtrat Anfang September 1972 die R\u00fcckwidmung von 73 Hektar Industrieland in Wald-und-Wiesen-G\u00fcrtel an und dass ein Gro\u00dfteil der Lobau zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt werde. Damit waren Autobahn und Schnellstra\u00dfe nach damaliger Planung &#8220;gestorben&#8221;.<\/p>\n<p>Der Unterschied zum derzeitigen Konflikt: Damals, vor 50 Jahren, galt das Auto als Transportmittel der Zukunft und der \u00f6ffentliche Verkehr als Auslaufmodell. 1970 wurde zum Beispiel guten Gewissens die Stra\u00dfenbahnlinie nach Gro\u00df-Enzersdorf eingestellt.<\/p>\n<p>Heute ist unbestritten, dass in St\u00e4dten Autos nicht das Massenverkehrsmittel der Zukunft sein k\u00f6nnen und dass mehr Stra\u00dfen mehr Verkehr verursachen. S\u00e4mtliche Politiker unterst\u00fctzen \u2013 zumindest in Worten und vor allem in Stadtgebieten &#8211; das Konzept des \u00d6ffentlichen Verkehrs.<\/p>\n<p>Auf Autobahnbauen will man dennoch nicht verzichten. Es w\u00e4re ja schlie\u00dflich grundvern\u00fcnftig und alternativlos.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Kinnl, Hans (1972): Lobau wieder in Gefahr? In: Natur und Land 5\/1972<\/li>\n<li>K\u00f6lbel, Alfred (1972): Die Lobau wird zum Naturschutzgebiet. In: Arbeiter-Zeitung, 1.9.1972<\/li>\n<li>APA-Meldung vom 4.9. 1972: Rettet die Lobau<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Zeichnung: Hans Kinnl<\/em><br \/>\n<em>Titelfoto: Anton Klein (Archiv Lobaumuseum, Symbolbild) Bau des Entlastungsgerinnes 1972<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sich derzeit an Emp\u00f6rung und Drohungen rund um das Projekt einer Autobahn durch die Lobau abspielt, erinnert an die Situation Anfang der 1970er-Jahre. Auch vor 50 Jahren hie\u00df das Match: SP\u00d6-Stadtregierung gegen Naturschutz. Auf Seiten des Naturschutzes standen der zutiefst sozialdemokratische Lobaumuseums-Gr\u00fcnder Anton Klein, der WWF, der Naturschutzbund, einige andere Initiativen, sowie zahlreiche Journalisten, in erster Linie von Kronen-Zeitung und ORF, darunter der sehr wohlwollende Fernsehdirektor und sp\u00e4tere Wiener B\u00fcrgermeister Helmut Zilk. 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