{"id":4457,"date":"2021-04-30T15:38:21","date_gmt":"2021-04-30T13:38:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=4457"},"modified":"2023-05-02T18:15:25","modified_gmt":"2023-05-02T16:15:25","slug":"braucht-wien-das-grundwasser-aus-der-lobau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/braucht-wien-das-grundwasser-aus-der-lobau\/","title":{"rendered":"Braucht Wien das Grundwasser aus der Lobau?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Zukunft der Unteren Lobau, eines der Kerngebiete des Nationalparks Donau-Auen, ist d\u00fcster. Sie trocknet aus und verlandet. Rettende Managementma\u00dfnahmen werden durch die Brunnen des Grundwasserwerks Lobau verhindert: Es sei unm\u00f6glich, so hei\u00dft es, die Untere Lobau mit Wasser aus der Donau zu revitalisieren, weil dies die Brunnen gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Und das Wasser aus der Lobau sei f\u00fcr die Stadt Wien unverzichtbar. Ist das auch wirklich wahr?<\/strong><\/p>\n<p>DIE TRAURIGEN FAKTEN<\/p>\n<ul>\n<li>Derzeit verliert die Lobau durch Verlandung bis zu 3,5 Prozent der Wasserfl\u00e4chen pro Jahr (!).<\/li>\n<li>Die Verlandungsraten beschleunigen sich signifikant.<\/li>\n<li>Ohne Management-Ma\u00dfnahmen werden die meisten Feuchtgebiets- und Wasserfl\u00e4chen der Lobau innerhalb der n\u00e4chsten Jahrzehnte verschwinden.<\/li>\n<li>In der Wiener Lobau sind bereits zwischen 1938 und 2010 etwa 34 Prozent der Feuchtgebiets- und Wasserfl\u00e4chen durch Verlandungsprozesse verloren gegangen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4463 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Gothenwasser-20-05-2020-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/>Die jahrzehntealten Pl\u00e4ne und Initiativen, die wertvolle Untere Lobau massiv mit Wasser aus der Donau oder aus der Neuen Donau zu speisen, sind 2015 zum Stillstand gekommen.<\/p>\n<p>Der Grund: Es hei\u00dft, dass jede Art von Wassereinleitung aus der Donau oder der Neuen Donau die Brunnen des Grundwasserwerks Lobau und damit die Wasserversorgung Wiens gef\u00e4hrden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im Moment gibt es keinerlei Ausblick, keine L\u00f6sung und keine Hoffnung. Damit ist die Lobau, so wie wir sie kennen, trotz Nationalparks zum Sterben verurteilt.<\/p>\n<p>KEINE L\u00d6SUNG IN SICHT<\/p>\n<p><strong>Im 2015 ver\u00f6ffentlichten Endbericht der von der Stadt Wien in Auftrag gegebenen Studie \u201eGew\u00e4sservernetzung (Neue) Donau &#8211; Untere Lobau (Nationalpark Donau-Auen)\u201c wird die Situation wie folgt festgehalten und eingefroren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em><em>\u201eEs ist eine Verbesserung der hydrologischen Verh\u00e4ltnisse erforderlich, um die \u00f6kologische Funktionsf\u00e4higkeit der Unteren Lobau im Einklang mit den Zielen des Nationalparks nachhaltig zu sichern.\u201c<\/em><\/em>&nbsp;<\/li>\n<li><em><em>\u201eAuf Basis der Untersuchungsergebnisse kann eine Dotation der Unteren Lobau aus der Donau oder der Neuen Donau aus Gr\u00fcnden der mikrobiologisch-hygienischen Qualit\u00e4t des Grundwassers daher nicht empfohlen werden.\u201c<\/em><\/em>&nbsp;<\/li>\n<li><em>\u201eSomit stehen l\u00e4ngerfristig die Nutzungsinteressen des Menschen in Bezug auf die Ressource \u201eTrinkwasser\u201c der Erhaltung bzw. Verbesserung des Auencharakters der Unteren Lobau entgegen. Geeignete L\u00f6sungen dieses Konfliktes m\u00fcssen zuk\u00fcnftig noch entwickelt werden.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4469\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/UNTERE-LOBAU-Verlandung-bei-Kuenigltraverse-11-06-2019-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/>Jedoch: Seit 2015 wurden keinerlei \u201egeeignete L\u00f6sungen\u201c entwickelt und keine diesbez\u00fcglichen politischen Entscheidungen getroffen.<\/p>\n<p>Die Stadt Wien scheint auf dem Standpunkt zu stehen (und darauf lassen Aussagen von ma\u00dfgeblichen Politikern schlie\u00dfen), dass die Lobau eben austrocknen w\u00fcrde und dass man da nichts dagegen tun k\u00f6nne \u2013 Europaschutzgebiet und Nationalpark hin oder her.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite steht also der Naturschutz, der Nationalpark und die Vielfalt der Tiere und Pflanzen, auf der anderen Seite das Grundwasserwerk Lobau und die Stadt Wien, die selbiges in &#8220;Trinkwasserqualit\u00e4t&#8221; f\u00fcr die Wasserversorgung der Wiener als unverzichtbar darstellt.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber steht eine Vielzahl von sachlichen Argumenten, die bis jetzt noch niemand entkr\u00e4ftet hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst geht es gar nicht um \u201eTrinkwasser\u201c im eigentlichen Sinn. Denn die Wassermengen, die als \u201eTrinkwasser\u201c Verwendung finden &#8211; zum Trinken, zum Kochen, f\u00fcr Haustiere, medizinische Zwecke usw &#8211; machen nur einen Bruchteil des in Wien insgesamt verwendeten Wassers aus. Abgesehen vom Bedarf von Industrie und Gewerbe wird in Wien Trinkwasserqualit\u00e4t eingesetzt, um Klos zu sp\u00fclen, um G\u00e4rten und Parks zu bew\u00e4ssern, um Autos zu waschen und um die Stra\u00dfen abzuspritzen. Es werden also nicht nur die Haushalte, sondern s\u00e4mtliche Wasserverbraucher aus demselben Versorgungsnetz bedient &#8211; auch Gro\u00dfverbraucher, die keine Trinkwasserqualit\u00e4t ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Ist die Wassergewinnung in der Lobau also so wichtig, dass Wien daf\u00fcr auf die charakteristischen Lebensgemeinschaften und Landschaftselemente der Lobau zu verzichten bereit ist? So wichtig, dass die Grundwasserbrunnen \u00fcber den Nationalpark und das Europaschutzgebiet gestellt werden?<\/p>\n<p>BRAUCHT ALSO WIEN TATS\u00c4CHLICH DAS GRUNDWASSER AUS DER LOBAU?<\/p>\n<p><strong>Bei Verbrauchsspitzen und Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen: NEIN<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Mit den gro\u00dfen Speicherbeh\u00e4ltern in der Stadt und mit den neuen Grundwasserwerken Moosbrunn und Donauinsel-Nord w\u00e4ren mehr als genug Reserven vorhanden. Das Grundwasserwerk Donauinsel-Nord ist jedoch (ebenso wie das Grundwasserwerk Nussdorf) wegen einer fehlenden Wasseraufbereitungsanlage &#8211; abgesehen von tempor\u00e4ren Notfallssituationen &#8211; de facto unbenutzbar. Der Grund: eine politische Entscheidung. Umweltstadtr\u00e4tin Ulli Sima lie\u00df 2006 die von ihren Vorg\u00e4ngern sieben Jahre lang geplante und bereits genehmigte, zentrale Wasseraufbereitungsanlage f\u00fcr das Wiener Grundwasser wieder in der Schublade verschwinden. Die daf\u00fcr bereits genehmigten Mittel wanderten in andere Projekte. Seitdem sind Donauinsel-Nord und Nussdorf f\u00fcr die Wiener Wasserversorgung praktisch nutzlos.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">W\u00fcrde man heute auf das Grundwasserwerk Lobau verzichten, st\u00fcnde der Stadt durch die Inbetriebnahme der Wasserwerke Moosbrunn (2006) und Donauinsel-Nord (2015) noch immer mehr Grundwasser zur Verf\u00fcgung als in den Jahrzehnten davor. Von der Option des alten Grundwsserwerks Nussdorf gar nicht zu reden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4471\" aria-describedby=\"caption-attachment-4471\" style=\"width: 407px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4471\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"407\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/P4220046-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 407px) 100vw, 407px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4471\" class=\"wp-caption-text\">Wasserreservoir Schotterk\u00f6rper n\u00f6rdliche Donauinsel<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Niemand, weder die Stadtverwaltung noch die Opposition, hat <u>vor<\/u> der Errichtung der beiden neuen Werke auch nur angedeutet, dass die Trinkwasserversorgung Wiens nicht gesichert sei.<\/p>\n<p>B<strong>ei l\u00e4ngeren Ausf\u00e4llen einer der beiden Hochquellenleitungen: NEIN<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Zum Beispiel bei Stilllegungen f\u00fcr Reparaturen, welche die routinem\u00e4\u00dfigen Stillstandszeiten \u00fcbersteigen: NEIN<br \/>\n<\/u><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">St\u00fcnde das Grundwasserwerk Lobau nicht zur Verf\u00fcgung, k\u00f6nnte selbst unter ung\u00fcnstigsten Voraussetzungen &#8211; bei Annahme eines hohen Verbrauchs und bei sehr eingeschr\u00e4nkter Verf\u00fcgbarkeit der Grundwasserwerke Moosbrunn und Donauinsel Nord &#8211; eine der beiden Hochquellenleitung planm\u00e4\u00dfig f\u00fcr mindestens zwei Wochen stillgelegt werden, ohne Wiens Trinkwasserversorgung zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">In Monaten mit geringem Durchschnittsverbrauch und bei einer der Nennkapazit\u00e4t entsprechenden Verf\u00fcgbarkeit des Grundwassers aus Moosbrunn und Donauinsel-Nord w\u00fcrde sich dieser Zeitraum sogar auf mindestens drei bis vier Wochen bis maximal drei Monate ausdehnen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><u>Zum Beispiel bei Erdbeben, Terror und pl\u00f6tzlich auftretenden massiven Gebrechen: NEIN<br \/>\n<\/u><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Solche Ereignisse werden von der Stadt Wien bzw. der zust\u00e4ndigen Abteilung MA 31 gewisserma\u00dfen f\u00fcr unerheblich gehalten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Dazu Statements des Chefs der Wasserwerke Wolfgang Zerobin 2008: Chemischer Terroranschlag <em>\u201eEs ist \u00e4u\u00dferst unrealistisch, dass so etwas passiert\u201c<\/em>. Tschernobyl-Reaktorunfall <em><em>\u201eEventuelle Strahlungsemittenten werden ohnehin bis zum Zapfhahn rausgefiltert\u201c.<\/em><\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-2552\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Ausschnitt-Karte-Rohrsystem-Kleeh\u00e4ufel-300x211.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Ausschnitt-Karte-Rohrsystem-Kleeh\u00e4ufel-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Ausschnitt-Karte-Rohrsystem-Kleeh\u00e4ufel-200x140.jpg 200w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Ausschnitt-Karte-Rohrsystem-Kleeh\u00e4ufel.jpg 315w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/>F\u00fcr einen gelassenen Standpunkt der Stadt zu m\u00f6glichen Katastrophen spricht die oben erw\u00e4hnte Tatsache, dass der Bau der zu einem guten Teil bereits finanzierten, durchgeplanten und ministeriell genehmigten, zentralen<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/sehr-mysterioes-das-wasserwerk-das-die-lobau-retten-koennte\/\"> Grundwasser-Aufbereitungsanlage am Kleeh\u00e4ufel<\/a> wieder abgesagt worden ist. Dieses Projekt h\u00e4tte unter anderem das Ausfallsrisiko des Grundwasserwerks Lobau \u2013 auch bei Hochw\u00e4ssern &#8211; weitgehend eliminiert.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Das vorrangige Ziel der projektierten, aber wieder abgesagten Aufbereitungsanlage f\u00fcr s\u00e4mtliche Wiener Grundwasserbrunnen war die Versorgungssicherheit in unvorhersehbaren F\u00e4llen. (Michael H\u00e4upl: \u201eQualit\u00e4t der Daseinsvorsorge\u201c).&nbsp; Dass die Stadt Wien 2006 in letzter Sekunde auf den Bau dieser Aufbereitungsanlage verzichtet hat, ist das \u00fcberzeugendste Indiz daf\u00fcr, dass die Gemeindev\u00e4ter das Auftreten von Katastrophen-Ereignissen f\u00fcr ein vernachl\u00e4ssigbares Risiko halten, gegen das man sich nicht absichern muss.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Mit oder ohne Grundwasserwerk Lobau: Bei einem extremen Katastrophenfall (beide Hochquellenleitungen fallen gleichzeitig aus) m\u00fcsste Trinkwasser ohnehin rationiert werden. N\u00e4heres ist wahrscheinlich den unter Verschluss gehaltenen Notfallpl\u00e4nen zu entnehmen. In \u00e4rgster Bedr\u00e4ngnis k\u00f6nnte Wien \u00fcbrigens auch auf die selten erw\u00e4hnten Grundwasserwerke Nussdorf und Pragerstra\u00dfe zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>Die MA 31 h\u00e4lt am 13. Februar 2020 fest:<\/p>\n<p><em>&#8220;Die Verwendung des Wasserwerkes in der Unteren Lobau erfolgt \u00fcberwiegend aus Gr\u00fcnden der unmittelbaren Verf\u00fcgbarkeit des Wassers in Stadtn\u00e4he, der sicheren Einbindung des Wassers in das \u00fcbergeordnete Transportleitungsnetz, der jahrzehntelangen positiven betrieblichen Erfahrungen sowie aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Anmerkung: Die Verwendung des Wasserwerkes erfolgt also nicht, weil das Wasser aus der Lobau f\u00fcr die Versorgung der Stadt Wien &#8220;unverzichtbar&#8221; sei.<\/p>\n<p><strong>ZUSAMMENGEFASST<\/strong><\/p>\n<p>Wien sch\u00e4tzt das Risiko eines unvorhergesehenen l\u00e4ngeren Totalausfalls einer der beiden Hochquellenleitungen als vernachl\u00e4ssigbar gering ein \u2013 so gering, dass auf eine zentrale Grundwasser-Aufbereitungsanlage verzichtet werden konnte.<\/p>\n<p>Daher kann die Stadt Wien nicht mit &#8220;unvorhergesehenen Ereignissen&#8221; argumentieren, um den Betrieb des Grundwasserwerks Lobau zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass das Trinkwasser aus der Lobau derzeit und seit jeher aufgrund von zufallsverteilten Hoch- und Niederwasserst\u00e4nden der Donau nur eingeschr\u00e4nkt oder im Extremfall \u00fcberhaupt nicht zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Die Stadt selbst begr\u00fcndet den Betrieb des Wasserwerks Lobau mit <em> &#8220;Stadtn\u00e4he, positiven betrieblichen Erfahrungen&#8221; und &#8220;wirtschaftlichen Gr\u00fcnden&#8221; <\/em>&#8211; nicht mit mangelnden Wasserressourcen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Was bringt also das Wasserwerk Lobau? Wir haben nur einen einzigen stichhaltigen Vorteil&nbsp; ausfindig machen k\u00f6nnen:<br \/>\nM\u00fcsste eine der beiden Hochquellenleitungen planm\u00e4\u00dfig \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum stillgelegt werden und das Grundwasserwerk Lobau st\u00fcnde zu dieser Zeit gerade ohne Hoch- oder Niederwasserbeeintr\u00e4chtigung voll zur Verf\u00fcgung, w\u00e4re der m\u00f6gliche Zeitraum f\u00fcr eine solche Stilllegung nat\u00fcrlich weitaus gr\u00f6\u00dfer als ohne Grundwasserwerk Lobau.<\/p>\n<p><strong>Die Frage lautet: Was ist der Stadt Wien dieser spezielle Vorteil wert?<br \/>\nIst er es wert, auf die Bewahrung der Lobau als Nationalpark und Europaschutzgebiet zu verzichten?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_bis_2006_big.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4496 alignnone\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_seit_2015_big-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"396\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_seit_2015_big-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_seit_2015_big-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_seit_2015_big-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_seit_2015_big.jpg 977w\" sizes=\"auto, (max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4495 alignnone\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_bis_2006_big-300x179.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_bis_2006_big-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_bis_2006_big-768x458.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/kapazitaet_bis_2006_big.jpg 979w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Recherchen: Robert Poth, Manfred Christ<br \/>\nGrafiken: Robert Poth<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>(Nachdem nicht alle vermeintlich aufschlussreichen Daten \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind, ersuchen wir die Beh\u00f6rden gegebenenfalls um Berichtigung unserer Schlussfolgerungen.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zukunft der Unteren Lobau, eines der Kerngebiete des Nationalparks Donau-Auen, ist d\u00fcster. Sie trocknet aus und verlandet. Rettende Managementma\u00dfnahmen werden durch die Brunnen des Grundwasserwerks Lobau verhindert: Es sei unm\u00f6glich, so hei\u00dft es, die Untere Lobau mit Wasser aus der Donau zu revitalisieren, weil dies die Brunnen gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Und das Wasser aus der Lobau sei f\u00fcr die Stadt Wien unverzichtbar. Ist das auch wirklich wahr? 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