{"id":4337,"date":"2021-03-03T15:10:16","date_gmt":"2021-03-03T14:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=4337"},"modified":"2021-04-04T10:15:37","modified_gmt":"2021-04-04T08:15:37","slug":"das-traurige-ende-eines-freundlichen-schwans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/das-traurige-ende-eines-freundlichen-schwans\/","title":{"rendered":"Das traurige Ende eines freundlichen Schwans"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Jahr 2014 freundete sich der bekennende Lobau-Fan und Naturfotograf Gerhard Neuhold in der Oberen Lobau mit einem Schwanen-P\u00e4rchen an. Die Freundschaft w\u00e4hrte beinahe sechs Jahre. Dann erlitt das weibliche Tier ein trauriges Schicksal.<\/strong><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4339 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20191128_151327-71x40.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/>\u201eDie wundersch\u00f6ne, intelligente Schwanen-Dame ist eine Freundin geworden\u201c<\/em>, erinnert sich Gerhard Neuhold, <em>\u201eeine Schw\u00e4nin, die mich niemals attackierte, die sehr oft aus dem Wasser mit einem Sprung zu mir kam, blo\u00df ein paar Zentimeter entfernt, um mich zu begr\u00fc\u00dfen, und die gerne Futter aus der Hand nahm (nur Weizen und Haferflocken). Nun kann sie nie mehr kommen. Das tut sehr weh.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gerhard Neuholds intensive Beziehung zu den beiden Schw\u00e4nen beginnt am 2. Dezember 2014, als er ihnen an der Alten Naufahrt zum ersten Mal begegnet. Wenige Tage sp\u00e4ter gelingt es ihm, den Ring am Fu\u00dfgelenk des Weibchens zu fotografieren. Mit Hilfe der darauf gepr\u00e4gten Erkennungszahl stellt sich heraus, dass das Tier 2011 in der slowakischen Kurstadt Pie\u0161\u0165any geboren wurde \u2013 etwa eineinhalb Autostunden von Wien entfernt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4340\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/12-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/>2015 beziehen die Schw\u00e4nin und ihr Partner in der Alten Naufahrt zum ersten Mal ein Nest. Gerhard Neuhold notiert: <em>\u201eZwischen 2. und 29. Juni drei Jungtiere geschl\u00fcpft, keines davon \u00fcberlebt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>2016 ein neuer Versuch. Diesmal schl\u00fcpfen sieben Junge aus den Eiern, wenigstens eines von ihnen schafft es, die Jugendphase unbeschadet zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Nach Revierk\u00e4mpfen mit Artgenossen besetzt das Schwanen-Paar 2017 das Tischwasser. Wiederum schl\u00fcpfen sieben junge Schw\u00e4ne, wiederum \u00fcberlebt nur ein einziger.<\/p>\n<p>2018 wird das Gelege von einem unbekannten \u201eT\u00e4ter\u201c zerst\u00f6rt. 2019 versuchen es die V\u00f6gel am M\u00fchlwasser &#8211; etwa 700 Meter vom Tischwasser entfernt. Diesmal schl\u00fcpfen f\u00fcnf Junge. Zwei erreichen das Teenager-Alter, nur eines schafft es, erwachsen zu werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4341 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/6-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/6-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/6-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/6-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/6-rotated.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/>Dann das Jahr 2020. &nbsp;Gerhard Neuhold gl\u00fcckt es aufgrund der Coronavirus-Beschr\u00e4nkungen nicht, das Nest der Schw\u00e4ne ausfindig zu machen. Am 1. Juni beobachtet er die Schw\u00e4nin und ihren Partner in Begleitung von sechs Jungtieren. Am 24. August waren es nur noch f\u00fcnf.<\/p>\n<p>In den folgenden zwei Tagen kommt es zu einem r\u00e4tselhaften Ungl\u00fcck: Am 27. August erh\u00e4lt Neuhold einen Anruf, dass das M\u00e4nnchen mit den Jungtieren an der Naufahrt gesichtet wurde und das Weibchen nirgendwo zu sehen war.<\/p>\n<p>Bei einer Nachschau am Tag darauf berichtet eine Anrainerin, ein Schwan w\u00e4re mit einem verletzten Fl\u00fcgel gefunden worden, Leute h\u00e4tten die Tierrettung angerufen und das Tier wurde abgeholt.<\/p>\n<p>Recherchen ergaben schlie\u00dflich, dass der Fl\u00fcgel des verletzten Schwanen-Weibchens mehrfach gebrochen war und das Tier eingeschl\u00e4fert werden musste.<\/p>\n<p>Gerhard Neuhold: <em>\u201eMeine kleine Schwanenfreundin ist keine zehn Jahre alt geworden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>H\u00f6ckerschw\u00e4ne k\u00f6nnen mehr als zwanzig Jahre alt werden. Ein solches Alter d\u00fcrfte jedoch in freier Wildbahn nur in Ausnahmef\u00e4llen erreicht werden.&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4342\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/>Etwa f\u00fcnfzig Prozent der jungen Schw\u00e4ne sterben in ihren ersten Lebenswochen \u2013 mutma\u00dflich an Krankheiten, an K\u00e4lte, an Entkr\u00e4ftung, durch F\u00fcchse und nicht angeleinte Hunde. Die Erwachsenen fallen in der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle der Zivilisation zum Opfer: Sie kollidieren mit Freileitungen, mit Autos, mit befestigten Oberfl\u00e4chen und verschlucken omin\u00f6se Fremdk\u00f6rper. Eine schwedische Studie hat gezeigt, dass etwa zwanzig bis vierzig Prozent der Todesf\u00e4lle beringter Schw\u00e4ne auf Kollisionen mit Stromleitungen zur\u00fcckzuf\u00fchren waren.<\/p>\n<p>Die Tiermedizinerin Michaela Gumpinger von der Veterin\u00e4rmedizinischen Universit\u00e4t Wien hat herausgefunden, dass Schw\u00e4ne auch h\u00e4ufiger als vermutet schwere H\u00fcftverletzungen erleiden.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich, so hei\u00dft es, w\u00fcrde die Mehrzahl solcher Verletzungen passieren, wenn die schweren Tiere versuchten, auf harten Oberfl\u00e4chen zu landen. Die gro\u00dfen Kr\u00e4fte, die dabei auftreten, werden auf die H\u00fcfte \u00fcbertragen. Die Ursache f\u00fcr solche Notlandungen k\u00f6nnten Turbulenzen in der Luft sein oder auch fatale Verwechslungen. Nachdem Schw\u00e4ne mit <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4343 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"359\" height=\"269\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/>H\u00fcftverletzungen oft am Stra\u00dfenrand oder in der N\u00e4he von Bahngeleisen gefunden werden, liegt der Verdacht nahe, dass die V\u00f6gel Asphalt und Beton mit Wasser verwechseln und den fatalen Irrtum begehen, dort zu landen.<\/p>\n<p>Gerhard Neuhold sichtet am 18. September 2020 den nun einsamen Schwanen-Vater mit f\u00fcnf Jungen. Ende Oktober war ihm nur ein einziges geblieben. &nbsp;<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4ne sterben wie die Fliegen, weil die \u201eErrungenschaften\u201c des Menschen ihre Welt in einen brandgef\u00e4hrlichen Ort verwandelt haben.<\/p>\n<p>Gerhard Neuhold: <em>\u201eEs war nur eine Schw\u00e4nin, die uns wieder einmal klar machte: Passt auf, auf die Umwelt, liebe Menschheit. Sch\u00fctzt die Tiere, die Pflanzen und unsere wundersch\u00f6ne Erde!\u201c<\/em><\/p>\n<p>PS: Vor wenigen Tagen (Ende Februar 2021) ist das Schwanen-M\u00e4nnchen wieder an der Alten Naufahrt aufgetaucht &#8211; in Begleitung eines jungen Weibchens, seiner neuen Partnerin.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Mathiasson, Sven (1993): Mute swans, Cygnus olor, killed from collision with electrical wires, a study of two situations in Sweden, Environmental Pollution, Volume 80, Issue 3, Pages 239-246<\/li>\n<li>Petutschnig, Werner und Wagner, Siegfried (2003): Der H\u00f6ckerschwan (Cygnus olor) in K\u00e4rnten. In: Carinthia II 193.\/113. Jahrgang, Seiten 9-26, Klagenfurt<\/li>\n<li>Gumpenberger Michaela, Scope Alexandra (2012): Computed tomography of coxofemoral injury in five mute swans (Cygnus olor). In: Avian Pathology, 2012 Oct; 41(5)<\/li>\n<li>N. N. (2012): Verletzte Schw\u00e4ne: viel \u00f6fter Sch\u00e4den am H\u00fcftgelenk als vermutet. In: Presseinformation Veterin\u00e4rmedizinische Universit\u00e4t Wien vom 26.11.2012<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2014 freundete sich der bekennende Lobau-Fan und Naturfotograf Gerhard Neuhold in der Oberen Lobau mit einem Schwanen-P\u00e4rchen an. Die Freundschaft w\u00e4hrte beinahe sechs Jahre. 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