{"id":4121,"date":"2020-12-04T19:37:32","date_gmt":"2020-12-04T18:37:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=4121"},"modified":"2023-04-04T19:23:06","modified_gmt":"2023-04-04T17:23:06","slug":"die-panozza-lacke-ein-stueck-vom-alten-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-panozza-lacke-ein-stueck-vom-alten-wien\/","title":{"rendered":"Die Panozza-Lacke \u2013 ein St\u00fcck vom alten Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nun sieht es tats\u00e4chlich danach aus, als w\u00fcrde bald \u00fcber eine Rohrleitung Wasser aus der Neuen Donau in die Panozza-Lacke geleitet werden. Das soll die Panozza-Lacke als vielf\u00e4ltigen Lebensraum und Badegew\u00e4sser retten, sowie den Fasangartenarm, den Seeschlachtgraben, das Tischwasser und die Gerinne bis hinunter nach Gro\u00df-Enzersdorf beleben.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4124\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201110_141425-71x40.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a>Im Vergleich zu fr\u00fcheren Zeiten ist die Panozza-Lacke heute nur noch ein j\u00e4mmerlicher Teich &#8211; mit einer Durchschnittstiefe von gerade einmal 140 Zentimetern, dicht bedr\u00e4ngt vom Schilf.<\/p>\n<p>Davor war sie eines der bekanntesten Naturbadegew\u00e4sser, ein St\u00fcck vom alten Wien. Hierher pilgerten im Sommer all jene, die mehr wollten, als blo\u00df in ein Schwimmbecken zu springen. Hier gab es eine Bootsvermietung, viele Fischerzillen, viele Fische, Teichrosen, eine vielf\u00e4ltige Unterwasserwelt, eine Imbissh\u00fctte und gleich nebenan eine idyllische Gastwirtschaft. Hier war \u201eLobau\u201c f\u00fcr alle, ob arm oder reich &#8211; so wie die Wiener es liebten.<\/p>\n<p>Der Mann, nach dem die Lacke benannt ist, hie\u00df eigentlich Panozzo \u2013 und nicht Panozza. Leopold (Leopoldo?) Panozzo zog um 1860 aus Tresch\u00e8 Conca in den Bergen \u00f6stlich des Gardasees nach Wien. Er war Fuhrwerksunternehmer und in Wien gab es damals f\u00fcr Fuhrwerke viel zu tun. Bald waren Panozzos Pferdewagen auf allen Wiener Baustellen anzutreffen \u2013 vor allem beim Gro\u00dfprojekt der Donauregulierung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4125\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a-1024x641.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a-768x481.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a-563x353.jpg 563w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2-Donauregulierung-Wex-1876a.jpg 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/a>Die Panozza-Lacke entstand, als beim Aufsch\u00fctten des Hubertusdammes einer der zahlreichen alten Donauarme in zwei Teile getrennt wurde. Der Teil, der im \u00dcberschwemmungsgebiet verblieb, wurde 1938 \u201e<em>im Interesse des Hochwasserschutzes<\/em>\u201c endg\u00fcltig zugesch\u00fcttet. Der andere Teil existiert bis heute.<\/p>\n<p>Die Namensgebung d\u00fcrfte auf einen Unfall zur\u00fcckgehen, der Panozzos Name im Volksmund mit dem Gew\u00e4sser verband: Bei Erdtransportarbeiten, so wird erz\u00e4hlt, sei eines von Panozzos Fuhrwerken verungl\u00fcckt und dabei \u201ein der Lackn\u201c ertrunken.<\/p>\n<p>Im Wienerischen wurde aus Panozzo bald Banoza, im Laufe von Jahrzehnten \u201ePanozza\u201c.<\/p>\n<p>Leopold Panozzo, seine Familie und seine Arbeiter gerieten bei den Donau-\u00dcberschwemmungen der Winter 1876 und 1880 in gro\u00dfe Gefahr und entkamen nur knapp dem Verderben.<\/p>\n<p>Ende Februar 1876 wurden die Panozzos und ihre meist italienischen Arbeiter von einem gewaltigen Hochwasser samt Eissto\u00df \u00fcberrascht. Panozzo besa\u00df im \u00dcberschwemmungsgebiet eine Baracke. Von dort fl\u00fcchtete er mit seinen Leuten und mit zahlreichen Pferden zu einem Schuppen am Damm unterhalb der Stadlauerbr\u00fccke, wo sie mehrere N\u00e4chte ausharren mussten, ehe ihnen wer zur Hilfe kommen konnte.<\/p>\n<p>Hainburg und das Marchfeld standen damals unter Wasser. Der Prater bot ein trostloses Bild. Vom Konstantinh\u00fcgel stromabw\u00e4rts erstreckte sich eine unabsehbare Wasserfl\u00e4che. In der Kolonie Kaiserm\u00fchlen standen s\u00e4mtliche Geb\u00e4ude unter Wasser und in den Stra\u00dfen lagen riesige Eisbl\u00f6cke umher.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4126\" aria-describedby=\"caption-attachment-4126\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4126\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-300x196.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-1024x670.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-768x502.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-1536x1004.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-2048x1339.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-818x537.jpg 818w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Wien-Museum-Jaenner-1880-723535_Ausschnitt-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4126\" class=\"wp-caption-text\">Eissto\u00df J\u00e4nner 1880, <a href=\"https:\/\/sammlung.wienmuseum.at\/objekt\/118454-der-donaueisstoss-im-jaenner-1880-mit-dem-sperrschiff\/\">Wien Museum<\/a>, Inventarnummer HMW 38629<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter, Anfang J\u00e4nner 1880, kam es zu einer mindestens ebenso gef\u00e4hrlichen Situation:<\/p>\n<p>Albern wurde da in der Nacht so pl\u00f6tzlich von den Fluten heimgesucht, dass die Bewohner nur mit M\u00fche ihr Leben retten konnten. In Kaiser-Ebersdorf und Teilen von Simmering fl\u00fcchteten die Leute auf die D\u00e4cher. In Simmering forderte das Hochwasser mehrere Menschenleben.<\/p>\n<p>Familie Panozzo und ihre Dienstleute, insgesamt elf Personen, so f\u00fcrchtete man, w\u00e4ren in der Lobau umgekommen..<\/p>\n<p>Als Sicherheitswachm\u00e4nner mit Zillen zur Wohnh\u00fctte Panozzos vordrangen, fanden sie nur noch Tr\u00fcmmer. &nbsp;Bei den Ger\u00e4tschaften sa\u00dfen drei Wachhunde, daneben drei G\u00e4nse und ein einzelnes Pferd, das bis zum Bauch im Wasser stand. Wegen der starken Str\u00f6mung konnten die Wachleute nicht bis zu den Tieren gelangen.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt erblickten sie in den Fluten die \u00fcbrigen Pferde des Italieners. Die armen Tiere waren nicht zu retten. Nachdem keine Leichen zu finden waren, wurde die M\u00f6glichkeit nicht ausgeschlossen, dass sich die Familie Panozzo samt ihren Dienstleuten eventuell rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4127\" aria-describedby=\"caption-attachment-4127\" style=\"width: 479px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Jagd-02-09-1903.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4127\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Jagd-02-09-1903-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"479\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Jagd-02-09-1903-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Jagd-02-09-1903-768x517.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Jagd-02-09-1903.jpg 798w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4127\" class=\"wp-caption-text\">Kaiserlich-k\u00f6nigliches Weidmannsheil, Lobau 1903<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und so war es auch. Wenige Tage sp\u00e4ter schilderte Leopold Panozzo, was geschehen war: Um zwei Uhr nachts brach der Hochwasserschutzdamm. Panozzo und seinem Gefolge gelang es, gemeinsam mit dem ebenfalls in der Lobau wohnenden M\u00fcllermeister Fischer mit Hilfe einer Zille das auf einer leichten Anh\u00f6he gelegene J\u00e4gerhaus zu erreichen.<\/p>\n<p>15 Minuten sp\u00e4ter wurden Panozzos Baracke und das Haus des M\u00fcllermeisters von Eisbl\u00f6cken zertr\u00fcmmert und fortgeschwemmt.<\/p>\n<p>Ab wann nun die Panozza-Lacke tats\u00e4chlich offiziell Panozza-Lacke genannt wurde, ist unbekannt.<\/p>\n<p>Die fr\u00fcheste \u00f6ffentliche Erw\u00e4hnung stammt von September 1903. K\u00f6nig Edward VII. von England war nach Wien gekommen und unternahm mit Kaiser Franz Joseph einen Jagdausflug in die Lobau.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4128\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-1024x677.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-768x508.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-818x537.jpg 818w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ueberfuhr-Loescher-1927.jpg 1056w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/><\/a>Dem hohen Gast wurde \u201e<em>in der sogenannten Panozza-Lacke mitten im Wasser ein auf Piloten errichteter Sitz<\/em>\u201c angeboten, von dem er in der Folge auf die vor\u00fcberschwimmenden, fliehenden Hirsche feuerte.<\/p>\n<p>Nach Ende des 1. Weltkrieges entwickelte sich die Lobau vom Jagdrevier zum Naherholungsgebiet. Hier fanden die Wiener \u201ezur\u00fcck zur Natur\u201c, konnten unbeschwerte und kostenfreie Badetage verbringen.<\/p>\n<p>Die Obere Lobau durfte in jenen Tagen nur zwischen Ostersonntag und Allerheiligen und gegen ein kleines Entgelt betreten werden.&nbsp; Zur Panozza-Lacke reiste man in den 1920er und 1930er-Jahren von Kagran aus mit der Stra\u00dfenbahn bis Aspern und dann weiter zu Fu\u00df, oder man \u00fcberquerte vom Praterspitz aus mit der Motoboot-\u00dcberfuhr die Donau und betrat die Lobau am gegen\u00fcberliegenden Ufer beim Lobgrundtor. Von hier war es nur noch ein Katzensprung bis zur Panozza-Lacke.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4129\" aria-describedby=\"caption-attachment-4129\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4129\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-300x187.jpg\" alt=\"\" width=\"470\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-1536x956.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-2048x1275.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Lobgrund-1940-487x304.jpg 487w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4129\" class=\"wp-caption-text\">Josef Herzeles Gastwirtschaft &#8220;Lobgrund&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Etwa ab 1930 wurden die viele lufthungrigen Badeg\u00e4ste auch entsprechend versorgt: Josef Herzele errichtete im Lobgrund eine Gastwirtschaft und er\u00f6ffnete an der Panozza-Lacke eine Bootsvermietung.<\/p>\n<p>Dort, wo damals das idyllische Gasthaus stand, liegt heute die Zufahrt zum Tanklager Lobau.<\/p>\n<p>1932 wurde auch unmittelbar an der Panozza-Lacke ein Verkaufsstand genehmigt &#8211; zum \u201eKleinverschlei\u00df von Zuckerb\u00e4cker- und Zuckerwaren, Schokoladen, Milch, Fruchts\u00e4ften und alkoholfreien Erfrischungsgetr\u00e4nken\u201c \u2013 der fr\u00fche Vorfahre des heutigen \u201eKnusperh\u00e4uschen\u201c.<\/p>\n<p>Das kleine Paradies am Wasser behielt seine stille Nat\u00fcrlichkeit bis 1940. Dann wurde in unmittelbarer N\u00e4he der \u00d6lhafen errichtet, die \u00d6lhafenbahn, das Tanklager Lobau und die Raffineriestra\u00dfe.<\/p>\n<p>Anfang der 1970er-Jahre ging es weiter bergab: Keine drei Kilometer stromaufw\u00e4rts der Panozza-Lacke wurde 1970 ein Kohlekraftwerk errichtet, das naturnahe \u00dcberschwemmungsgebiet musste ab 1972 der betonierten Donauinsel weichen, genau \u00fcber der Panozza-Lacke sollte ein Autobahnknoten (A 21, A 22 und S 1) entstehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4134\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-300x207.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-1024x707.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-768x531.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-1536x1061.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1976-Oelalarm-P8240863-2048x1415.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/a>Als ob das nicht genug w\u00e4re, kam es im August 1972 zu einem verheerenden \u00d6lunfall. Bei Verschubarbeiten wurden zwei, je 42 Tonnen fassende Tankwaggons schwer besch\u00e4digt. 80 Tonnen Roh\u00f6l flossen aus und verunreinigten einen Seitenarm der Panozza-Lacke. Auf der Wasseroberfl\u00e4che schwamm eine 1 Zentimeter dicke \u00d6lschicht. Die Unf\u00e4lle mit Tankwagen sollten sich fortsetzen: 1976 flossen 20.000 Liter Benzin aus, 1984 entgleisten neuerlich vier Tankwagen. Die Panozza-Lacke blieb jedoch wie durch ein Wunder unversehrt.<\/p>\n<p>Das war die Zeit, als der Gr\u00fcnder des Lobaumuseums, der Polizist <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein\/\">Anton Klein<\/a>, mit seiner B\u00fcrgerinitiative und seiner medialen Pr\u00e4senz daf\u00fcr sorgte, dass die Zerst\u00f6rung der Lobau ins \u00f6ffentliche Blickfeld r\u00fcckte und die Lobau 1978 unter Schutz gestellt wurde.<\/p>\n<p>Ihre Schutzw\u00fcrdigkeit konnte die Panozza-Lacke zwar grunds\u00e4tzlich retten, aber nicht vor dem weiteren, allm\u00e4hlichen Niedergang bewahren: Der Bau der Donauinsel und der Bau der Donauufer-Autobahn schnitten die Obere Lobau vom Grundwassersystem der Donau ab.<\/p>\n<p>Die Lobaugew\u00e4sser verlandeten von da an immer schneller. Aus der von Booten, Anglern und Badenden belebten, wunderbaren Pannoza-Lacke wurde nun wahrlich eine Lacke &#8211; im schlechten Sinne des Wortes.<\/p>\n<p>Der unterirdische Wasseraustausch mit der Donau fand kaum noch statt. Am Boden des Gew\u00e4ssers sammelte sich immer mehr Schlamm, von den Ufern her breitete sich massiv das Schilf aus, der Wasserstand sank, die Wasserhygiene wurde zum Problem.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4135\" aria-describedby=\"caption-attachment-4135\" style=\"width: 363px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1-Panozza-Lacke-1887a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4135\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1-Panozza-Lacke-1887a-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1-Panozza-Lacke-1887a-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/1-Panozza-Lacke-1887a.jpg 474w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4135\" class=\"wp-caption-text\">Panozza-Lacke 1887 (Staatsarchiv <a href=\"https:\/\/mapire.eu\/\">https:\/\/mapire.eu\/<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einer von 1993 bis 2001 durchgef\u00fchrten Studie zur Qualit\u00e4t der Wiener Naturgew\u00e4sser fiel die Panozza-Lacke negativ auf. Ab 1997 wurden dort wiederholt F\u00e4kalkeime und Enterokokken nachgewiesen. Im Jahr 2000 musste das beliebte Badegew\u00e4sser sogar f\u00fcr zwei Wochen gesperrt werden.<\/p>\n<p>Heute wird die Qualit\u00e4t aller kleinen Wiener Naturgew\u00e4sser im Juni, Juli und August hygienisch untersucht und die Ergebnisse umgehend ver\u00f6ffentlicht. Weil das Wasser nicht sehr tief sei, preist die Stadt Wien die Panozza-Lacke als \u201e<em>ideal zum Schwimmen f\u00fcr Kinder<\/em>\u201c an. Damit wird die fatale Verlandung auf geschickte Art und Weise zum PR-Argument.<\/p>\n<p>Eine seit mindestens 2002 geplante, m\u00f6glicherweise noch vor 2024 verwirklichte Einleitung von Wasser aus der Neuen Donau in die Panozza-Lacke soll deren Wasserqualit\u00e4t und deren Qualit\u00e4t als Lebensraum f\u00fcr Tiere und Pflanzen dauerhaft verbessern.<\/p>\n<p>Das Dotationswasser k\u00f6nnte auch einige unter Austrocknung leidende andere Gew\u00e4sser der Oberen Lobau vor der kompletten Verlandung bewahren. Dazu muss notwendigerweise der, aus der Panozza-Lacke herausreichende, komplett verschilfte Fasangartenarm vorsichtig ausgebaggert und von Totholz befreit werden. Dasselbe wird auch im M\u00fchlwasser oberhalb und unterhalb der Saltenstra\u00dfe geschehen und oberhalb der Esslinger Furt.<\/p>\n<p>Zur Wasser-Einleitung wird von der Neuen Donau her unterirdisch ein mehr als eineinhalb Meter dickes Rohr verlegt. Baubeginn war im Herbst 2022.<\/p>\n<p>L\u00e4uft alles glatt, k\u00f6nnte an der Panozza-Lacke demn\u00e4chst wieder ein Hauch ihrer seinerzeitigen wilden Frische zu sp\u00fcren sein und ihre hundert Jahre alte Tradition k\u00f6nnte fortgesetzt werden &#8211; als naturnahe, kostenfreie Ruhe-Oase der Wiener.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>N.N. (1876): \u00dcberschwemmung in Wien. In: Die Presse, 20. Februar 1876<\/li>\n<li>N.N. (1876): Die \u00dcberschwemmung in Wien. In: Neues Wiener Tagblatt, 20. Februar 1876<\/li>\n<li>N.N. (1876): Vom Eissto\u00df. In: Morgen-Post, 23. Februar 1876<\/li>\n<li>Ritter von Wex, Gustav (1876): Die Wiener Donauregulirung. In: Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse Wien \u2013 16: 89 &#8211; 130.<\/li>\n<li>N.N. (1880): Die \u00dcberschwemmungsgefahr. In: Morgen-Post, 5. Januar 1880<\/li>\n<li>N.N. (1880): Vom Eissto\u00df. In: Morgen-Post, 8. Januar 1880<\/li>\n<li>N.N. (1880): Zur Wiener \u00dcberschwemmungsgefahr. In: Epoche, 8. J\u00e4nner 1880 (Seite 4)<\/li>\n<li>N.N. (1880): Neueste Nachrichten. In: Tagespost, 16. J\u00e4nner 1880 (Seite 3)<\/li>\n<li>Oberm\u00fcller, Adolf und Bensa, Alexander (1880): Der Donaueissto\u00df im J\u00e4nner 1880 mit dem Sperrschiff. In: Sammlung Wien Museum, CC BY 3.0 AT, Foto: Birgit und Peter Kainz (<a href=\"https:\/\/sammlung.wienmuseum.at\/objekt\/118454\/\">https:\/\/sammlung.wienmuseum.at\/objekt\/118454\/<\/a>)<\/li>\n<li>Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (1869-1887), \u00d6sterreichisches Staatsarchiv. In: <a href=\"https:\/\/mapire.eu\/\">https:\/\/mapire.eu\/<\/a><\/li>\n<li>N.N. (1903): Aus Wald und Flur. In: F\u00fcr\u2019s Jagdschlo\u00df, Nr. 101 (Seite 118)<\/li>\n<li>N.N. (1931): Wiederer\u00f6ffnung der Lobau f\u00fcr den Ausflugsverkehr. In: Die Stunde, 28. M\u00e4rz 1931 (Seite2)<\/li>\n<li>N.N. (1932): Eintragungen in den Erwerbsteuerkataster. In: Amtsblatt der Stadt Wien, 16. April 1932<\/li>\n<li>N.N. (1938): St\u00e4dtischer Haushaltsausschuss. In: Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 8, 19. Februar 1938 (Seite 2)<\/li>\n<li>N.N. (1972): Feuerwehr der Stadt Wien. In: Die Verwaltung der Stadt Wien (Seite 157)<\/li>\n<li>Holba, Johannes (1990): Panozzalacke. In: Pfarre Aspern <a href=\"https:\/\/aspern.at\/beitrag\/beitrag.php?bei_id=24905\">https:\/\/aspern.at\/beitrag\/beitrag.php?bei_id=24905<\/a> (J\u00e4nner 1990)<\/li>\n<li>N.N. APA (2003): Wiens gesunde Teiche. In: Der Standard, 12. Mai 2003<\/li>\n<li>(2012) Perspective Lobau 2020, Endbericht, April 2012<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sieht es tats\u00e4chlich danach aus, als w\u00fcrde bald \u00fcber eine Rohrleitung Wasser aus der Neuen Donau in die Panozza-Lacke geleitet werden. Das soll die Panozza-Lacke als vielf\u00e4ltigen Lebensraum und Badegew\u00e4sser retten, sowie den Fasangartenarm, den Seeschlachtgraben, das Tischwasser und die Gerinne bis hinunter nach Gro\u00df-Enzersdorf beleben. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Zeiten ist die Panozza-Lacke heute nur noch ein j\u00e4mmerlicher Teich &#8211; mit einer Durchschnittstiefe von gerade einmal 140 Zentimetern, dicht bedr\u00e4ngt vom Schilf. Davor&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":4122,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[77,157,118,19],"class_list":["post-4121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-von-gestern","tag-dotation","tag-lobgrund","tag-panozza-lacke","tag-verlandung"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4121"}],"version-history":[{"count":41,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5647,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4121\/revisions\/5647"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}