{"id":4000,"date":"2020-10-04T21:53:16","date_gmt":"2020-10-04T19:53:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=4000"},"modified":"2021-02-27T08:50:19","modified_gmt":"2021-02-27T07:50:19","slug":"nachhilfeunterricht-fuer-die-spoe-donaustadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/nachhilfeunterricht-fuer-die-spoe-donaustadt\/","title":{"rendered":"Nachhilfeunterricht f\u00fcr die SP\u00d6 Donaustadt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die SP\u00d6 Donaustadt behauptet am 2. Oktober 2020 auf ihrer Facebook-Seite allen Ernstes, es w\u00e4re die SP\u00d6 gewesen, die 1978 die Lobau gerettet h\u00e4tte. (&#8220;1978 &#8211; Als die SP\u00d6 die Lobau rettete&#8221;)<br \/>\n<\/strong><strong>Das grenzt an Geschichtsf\u00e4lschung.<br \/>\n<\/strong><strong>Wir bieten unentgeltlich Nachhilfeunterricht und ersuchen die Mitglieder und Mandatare der SP\u00d6 sich in Zukunft zu informieren, bevor sie etwas hinausposten. Wahlkampf ist keine Entschuldigung.<\/strong><\/p>\n<p>Als die Lobau 1978 zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt wurde, lief der Kampf zur ihrer Rettung n\u00e4mlich bereits acht (!) Jahre und war nach einer beispiellosen Medienkampagne der B\u00fcrgerinitiative \u201eLobau darf nicht sterben!\u201c unter Mithilfe des ORF, der Kronen-Zeitung, der Donaust\u00e4dter Bezirkszeitung, des Naturschutzbundes und des WWF l\u00e4ngst gewonnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1433\" aria-describedby=\"caption-attachment-1433\" style=\"width: 178px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1433\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/w-minich1-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/w-minich1-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/w-minich1.jpg 378w\" sizes=\"auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1433\" class=\"wp-caption-text\">Minich<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Junge Generation der SP\u00d6 mag sich vor 1978 im R\u00fcckenwind dieser Kampagne ebenfalls f\u00fcr die Unterschutzstellung &nbsp;der Lobau engagiert haben, jedenfalls Jahre nach der Hauptaktivit\u00e4tsphase der B\u00fcrgerinitiative. Au\u00dferdem ging das Engagement der SP\u00d6 von einer einzigen Person aus: dem F\u00f6rster <span><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/praesident-des-wiener-naturschutzbundes-gestorben\/\">Hannes Minich<\/a><\/span>, ab 1973 bei der JG, von 1974 bis 1978 Leiter der Umweltschutzabteilung der Stadt Wien. Da er der Stadtregierung in seinem brennenden Engagement f\u00fcr die Wiener Naturr\u00e4ume bald zu unangenehm war, wurde er von seinen Parteigenossen kurzerhand in den Lainzer Tiergarten versetzt. Das lie\u00df ihn allerdings nicht schweigen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2017 k\u00e4mpfte Minich als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Pr\u00e4sident des Wiener Naturschutzbundes um die von der Wiener Politik tausend Mal versprochene, bis heute nicht vollst\u00e4ndig durchgef\u00fchrte Schlie\u00dfung des Wald- und Wieseng\u00fcrtels.<\/p>\n<p>Zwischen der Stadt Wien und den Natursch\u00fctzern tobte bereits in den 50er-Jahren eine Auseinandersetzung um den Fortbestand der Lobau. Obwohl diese ab 1955 mit dem Inkrafttreten des Wiener Naturschutzgesetzes zumindest den Status eines Landschaftsschutzgebietes erhielt, war Ende der 1950er-Jahre tats\u00e4chlich geplant, am Donau-Oder-Kanal den Bau einer Gro\u00dfraffinerie (!) zu genehmigen.<\/p>\n<p>Um die Katastrophe zu verhindern, gr\u00fcndete der Naturschutzbund unter der Federf\u00fchrung von <a href=\"https:\/\/www.zobodat.at\/biografien\/Kinnl_Hans_Natur&amp;Land_94_3-4_0038.pdf\"><span>Hans Kinnl <\/span><\/a>in aller Eile eine Arbeitsgemeinschaft. Kinnl schrieb Briefe ohne Ende, verfasste zahlreiche Artikel und intervenierte schriftlich und pers\u00f6nlich bei allen Wiener Gemeinder\u00e4ten, derer er habhaft werden konnte. Der massive Druck der mit Tiersch\u00fctzern und Nudisten verb\u00fcndeten Natursch\u00fctzer f\u00fchrte 1958 dazu, dass die Raffinerie in Schwechat errichtet wurde \u2013 und nicht in der Lobau.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4002\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P7300561b-300x189.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P7300561b-300x189.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P7300561b-174x111.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/>Gut zehn Jahre sp\u00e4ter kommt es neuerlich zu massiven Anschl\u00e4gen auf die Natur. Das Kraftwerk am Steinspornweg wird mitten auf eine der sch\u00f6nsten Orchideenwiesen gesetzt, das Tanklager Lobau wird abgesegnet und am vorgesehenen Standort wird gro\u00dffl\u00e4chig zu roden begonnen. Obendrein soll \u00fcber der Panozzalacke ein Autobahnkreuz entstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2312\" aria-describedby=\"caption-attachment-2312\" style=\"width: 175px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2312\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Anton-Klein-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"175\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Anton-Klein-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Anton-Klein.jpg 361w\" sizes=\"auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2312\" class=\"wp-caption-text\">Klein<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als die Gruppe um Lobaumuseums-Gr\u00fcnder <span><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein\/\">Anton Klein<\/a><\/span> 1969 realisierte, dass Wien gerade dabei war, die Lobau nachhaltig zu zerst\u00f6ren, entstand die <span><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-1-oesterreichische-buergerinitiative\/\">erste \u00f6sterreichische B\u00fcrgerinitiative<\/a><\/span> \u2013 bald unterst\u00fctzt von WWF und Naturschutzbund.<\/p>\n<p>Im Juli 1969 pilgerten Anton Klein und seine Mitstreiter zu B\u00fcrgermeister Bruno Marek, um ihm ans Herz zu legen, die Zerst\u00f6rung der Kleingew\u00e4sser und der Wiener Aulandschaft zu stoppen. Marek h\u00f6rte zwar zu, tat aber in der Folge nichts weiter, als die Natursch\u00fctzer an den Magistrat zu verweisen. Das war der Anlass zur Gr\u00fcndung der Aktion \u201eLobau darf nicht sterben!\u201c<\/p>\n<p>1970 war das erste Europ\u00e4ische Naturschutzjahr. Am 10. Juli dieses Jahres widmete die Stadt Wien 17,5 Hektar Lobau &#8220;Am Steinsporn&#8221; von &#8220;Landschaftsschutzgebiet&#8221; in Industrieland um. Gegen Jahresende wurde hier mit dem Bau des kalorischen Kraftwerks begonnen.<\/p>\n<p>Im Oktober 1970 hielt Anton Klein fest:<\/p>\n<p><em>\u201eLeider scheinen die Verantwortlichen im Wiener Rathaus den unsch\u00e4tzbaren Wert dieses so unerh\u00f6rt lebenswichtigen \u201eLungenfl\u00fcgels\u201c unserer Stadt kaum zu kennen. Beim \u201eRoten Hiasl\u201c wird ein kalorisches Kraftwerk errichtet &#8211; dort, wo noch vor einigen Jahren Tafeln mit der Aufschrift \u201eLandschaftsschutzgebiet\u201c standen. Wo gestern noch Wiesen waren, sind heute Felder. Morgen werden diese Felder Industriegebiet sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4004 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"305\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-215x300.jpg 215w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-735x1024.jpg 735w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-768x1070.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-1102x1536.jpg 1102w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-1469x2048.jpg 1469w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P8241043a-scaled.jpg 1837w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/>Im November 1970 fand nach langem Hin und Her endlich ein Termin mit Vertretern des Magistrats statt, bei dem Klein, Zoologen der Universit\u00e4t Wien und Vertreter des Naturschutzbundes erstmals forderten, die Lobau zum Vollnaturschutzgebiet zu erkl\u00e4ren. Die Vertreter der Stadt behandelten die Aktivisten von oben herab. Der Wiener Forstdirektor stellte missbilligend fest, dass die Lobau wie ein Blinddarm in den Raum von Wien hineinragen w\u00fcrde. Daraufhin kam es zum Eklat und die Magistratsleute verlie\u00dfen wutschnaubend den Saal. Anton Klein schrieb: \u201e<em>Nicht gen\u00fcgend in Demokratie!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Von da an entwickelte sich ein mediales Kr\u00e4ftemessen zwischen dem Apparat der sozialistischen Stadtregierung auf der einen Seite und einem bunten Haufen von Natursch\u00fctzern und Wissenschaftlern auf der anderen Seite .<\/p>\n<p>Klein und seine Vereinsfreunde schrieben sich die Finger wund, sammelten Tausende Unterschriften, verteilten Flugbl\u00e4tter, veranstalteten Exkursionen, Vortr\u00e4ge und Fotowettbewerbe. Aber von offizieller Stelle wollte ihnen niemand zuh\u00f6ren. Die selbstbewusst regierende SP\u00d6 zeigte ihnen die kalte Schulter.<\/p>\n<p>Naturgem\u00e4\u00df sah die Opposition die Sache aus einem anderen Blickwinkel. So stellte die Wiener \u00d6VP im November 1970 im Gemeinderat den Antrag, die Lobau als Naturschutz- und Erholungsgebiet zu erhalten. SP\u00d6-B\u00fcrgermeister Felix Slavik rief &#8211; sichtlich schon ein wenig aufmerksam geworden &#8211; im selben Monat die Einrichtung eines &#8220;Beirates f\u00fcr Fragen des Umweltschutzes&#8221; ins Leben, dem mehrere Stadtr\u00e4te angeh\u00f6rten, der Magistratsdirektor, der Gewerkschaftsbund, die Industriellenvereinigung, die Rektorenkonferenz. Die Natursch\u00fctzer wollte man besser nicht dabei haben. Der Wiener Naturschutzbund stellte im Dezember 1970 an den Magistrat den Antrag, die Untere Lobau zum Vollnaturschutzgebiet zu erkl\u00e4ren. Der Antrag wurde abgelehnt.<\/p>\n<p>Die Wende kam, als Anton Klein am 16. Juli 1972 im ORF in der Sendereihe \u201eIn eigener Sache\u201c einen gro\u00dfen Auftritt hatte. Von da an hatten die Lobauk\u00e4mpfer Oberwasser. Nun war auch die Kronen-Zeitung auf ihrer Seite &#8211; und bei der SP\u00d6 klingelte es.&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4003\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-300x153.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-300x153.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-1024x522.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-768x391.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-1536x783.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KRONE-10-Nov-1972-2048x1044.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/>Ende August k\u00fcndigte die Stadt pl\u00f6tzlich an, 73 Hektar Lobau, die als Industriegebiet gewidmet waren, wieder dem Wald- und Wieseng\u00fcrtel zuzuf\u00fchren. Ein Gro\u00dfteil der Lobau solle \u00fcberdies zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Am 1. September schrieb die Kronen-Zeitung: <em>&#8220;Die Gemeinde Wien versuchte gestern im Rahmen einer Besichtigungsfahrt durch die Lobau zu beweisen, wie sch\u00f6n und attraktiv dieses Erholungsgebiet nach wie vor sein soll. Mit dieser Fahrt glaubt man, den Beweis f\u00fcr den guten Willen der zust\u00e4ndigen Stellen antreten zu k\u00f6nnen. Tatsache aber ist: Die Lobau wird weiterhin zerst\u00f6rt!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Klein war nun klar, dass der Gegner Wirkung zeigte. Am 10. September 1972 pl\u00e4dierte er erneut im Hauptabendprogramm des Fernsehens emotional f\u00fcr die Rettung der Lobau.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4005 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Lobau-soll-sterben-1973-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Lobau-soll-sterben-1973-215x300.jpg 215w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Lobau-soll-sterben-1973.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/>Die Stadtregierung hing nun gewisserma\u00dfen in den Seilen. Anton Klein wird am 17. November 1972 zur ersten Sitzung der &#8220;Wiener Stadtentwicklungsenquete&#8221; (Arbeitskreis Umwelt und Landschaft) ins Palais Palffy eingeladen. Er mahnt dort bei Planungsstadtrat Fritz Hofmann die Ende August angek\u00fcndigte R\u00fcckwidmung von Industrie-Fl\u00e4chen in der Lobau in den Wald- und Wieseng\u00fcrtel ein.&nbsp;<\/p>\n<p>Anfang 1973 versicherte Hofmann den Medien, bereits an einem Konzept f\u00fcr ein Vollnaturschutzgebiet zu arbeiten.<\/p>\n<p>In etwa zur selben Zeit fand im Auditorium Maximum der Universit\u00e4t Wien die Veranstaltung \u201eLobau soll sterben\u201c statt \u2013 mit Vortr\u00e4gen namhafter Biologen (darunter auch Bernd L\u00f6tsch) und Vertretern der Nieder\u00f6sterreichischen Landesregierung. Von der Stadt Wien war niemand dabei.<\/p>\n<p>Im Februar 1973 forderte die Kronen-Zeitung erneut, diesmal im Namen des WWF, des deutschen Parade-Naturforschers Bernhard Grzimek, der \u00f6sterreichischen Miss World und einer Reihe von Wissenschaftlern, dass die Lobau zum Vollnaturschutzgebiet erkl\u00e4rt werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>1974 bringt Anton Klein als erster in der Kronen-Zeitung, also in der breiten \u00d6ffentlichkeit, die Errichtung eines Nationalparks ins Gespr\u00e4ch und das Forstamt der Stadt Wien &#8211; aufgrund des medialen Drucks den Aktivisten mittlerweile freundlich gesinnt &#8211; erkl\u00e4rt sich bereit, Anton Kleins Naturschutz-Verein ein historisches Geb\u00e4ude im Wirtschaftshof der Oberen Lobau f\u00fcr ein &#8220;Lobaumuseum&#8221; zu vermieten.<\/p>\n<p>1975 gelingt es Klein, den 46j\u00e4hrigen SP-Gemeinderat Stefan Schemer zu \u00fcberreden, das neue Lobaumuseum zu er\u00f6ffnen &#8211; ein taktischer Schachzug.<\/p>\n<p>1977 erkl\u00e4rt die UNESCO die Untere Lobau zum Biosph\u00e4renreservat. Von nun an war sie vor neuem Wahnsinn gefeit.<\/p>\n<p>Erst um diese Zeit engagiert sich unter vielen anderen auch die Junge Generation der SP\u00d6 Donaustadt bei der formalen Umsetzung der Verordnung zur Unterschutzstellung der Lobau.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Nach der Wahlkampf- und Parteilogik auf Facebook war es dennoch die SP\u00d6, die seinerzeit die Lobau gerettet hat.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDas Gef\u00e4hrlichste an einer Partei, die an der Regierung ist, ist Selbstgef\u00e4lligkeit.\u201c<\/em> (Bruno Kreisky)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen (Auswahl):<\/p>\n<ul>\n<li>Klein, Anton (1969): Verbandsdelegierte bei B\u00fcrgermeister Bruno Marek am 17. Juli 1969. In: <span><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/exklusiv-inhaltsverzeichnis-des-1-jahrgangs\/\">Das Steckenpferd<\/a><\/span>, 1. Jahrgang, August 1969<\/li>\n<li>Klein, Anton (undatiert): Lobau-Report (Chronik der Geschehnisse 1905 bis 1972) Archiv Lobaumuseum (Zitat: &#8220;Die \u00d6VP-Gemeinder\u00e4te DI DDr. Wolfgang Strunz und Dir. Mag. Markus Bittner bringen in der Sitzung des Gemeinderates 24. April 1970 ein langfristiges Sanierungskonzept f\u00fcr die Alte Donau ein, in dem auch die Lobau erw\u00e4hnt wird.\u201c)<\/li>\n<li>Klein, Anton (1970): Die T\u00fcmpel- und Fotosafari der \u201eDonaust\u00e4dter\u201c in die Lobau. In: Das Steckenpferd, 2. Jahrgang, Mai 1970 (Seite 28)<\/li>\n<li>Klein, Anton (1970): Nur das Halbe Sonnenlicht erreicht die Wiener. In: Das Steckenpferd, 2. Jahrgang, Mai 1970 (Seite 30: Forstdirektor k\u00fcmmert sich nicht um B\u00fcrgerinitiative)<\/li>\n<li>Klein, Anton (1970): Die Lobau darf nicht sterben. In: Das Steckenpferd, 2. Jahrgang, Juli 1970 (Seite 9: erste Erw\u00e4hnung des Slogans)<\/li>\n<li>Wiener Gemeinderat, Antrag 4880 Zl. MA 18-XXII\/22\/70 vom 10. Juli 1970 (Umwidmung von 175.000 qm Landschaftsschutzgebiet in Industrieland \u201eAm Steinsporn\u201c)<\/li>\n<li>Klein, Anton (1970): Wie werden Wiens Sauerstoffreservate gesch\u00fctzt? In: Das Steckenpferd, 2. Jahrgang, Oktober 1970 (Seite 23: &#8220;Leider scheinen die Verantwortlichen im Wiener Rathaus den unsch\u00e4tzbaren Wert dieses so unerh\u00f6rt lebenswichtigen \u201eLungenfl\u00fcgels\u201c unserer Stadt kaum zu kennen&#8221;.)<\/li>\n<li>Klein, Anton (undatiert): Lobau-Report (Chronik der Geschehnisse 1905 bis 1972) Archiv Lobaumuseum (\u201eDie \u00d6VP Gemeinder\u00e4te Dr. Walter Macher und Dir. Mag. Markus Bittner erheben in der Sitzung des Landtages am 20. November 1970 die Forderung, die Lobau als Naturschutz- und Erholungsgebiet zu erhalten.&#8221; Antragstext: \u201eDer Wiener Landtag wolle beschlie\u00dfen: Die Landesregierung wird ersucht, durch Verordnung die Untere Lobau und die noch erhaltenen Teile der Oberen Lobau unter Naturschutz zu stellen. In formeller Hinsicht beantragen wir gem\u00e4\u00df \u00a719, Abs. 4 die Zuweisung dieses Antrags an den Amtsf\u00fchrenden Stadtrat der Gesch\u00e4ftsgruppe III.\u201c<\/li>\n<li>Klein, Anton (undatiert): Lobau-Report (Chronik der Geschehnisse 1905 bis 1972) Archiv Lobaumuseum. (\u201eDie Landesgruppe Wien des Naturschutzbundes stellt am 11. Dezember 1970 an den Magistrat den Antrag, die Untere Lobau zum Vollnaturschutzgebiet zu erkl\u00e4ren. Dieser Antrag wurde leider abgelehnt.\u201c)<\/li>\n<li>Klein, Anton (1971): Forderungsprogramm der Aktion zum Schutze der Wiener Aulandschaft. Bericht \u00fcber das Treffen mit Vertretern des Magistrats der Stadt Wien am 20. November 1970 im Haus der Begegnung Floridsdorf, 18.30 Uhr. In: Das Steckenpferd, 3. Jahrgang, J\u00e4nner 1971 (Seite 18 \u2013 20: Forderungen an die Stadt Wien: unabh\u00e4ngiger Naturschutzbeirat, Stopp Erd\u00f6lindustrie, Lobau als Vollnaturschutzgebiet, erh\u00f6hter Damm statt Donauinsel) Berichte auch in \u201eDie Presse\u201c und \u201eWiener Zeitung\u201c.<\/li>\n<li>K\u00f6lbel, Alfred (1971): Autobahnknoten von Mitteleuropa. In: Arbeiter-Zeitung, 18. September 1971 (Seite 3: \u201eEine Stadtautobahn konzentriert den Verkehr, entlastet die Umgebung und ist \u2013 so unwahrscheinlich es im ersten Augenblick klingt \u2013 ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz, meinte Senatsrat DI Otto Engelberger, Leiter der Wiener Stadtplanung. &nbsp;\u2026 die Autobahnen sollen auch den Fernverkehr anziehen, da die Bundeshauptstadt sonst Gefahr l\u00e4uft, den Anschluss an die internationalen Routen zu verlieren.\u201c)<\/li>\n<li>N.N. (1971): Beirat f\u00fcr Fragen des Umweltschutzes konstituiert. In: Rathauskorrespondenz, 17. November 1971. (Der Beirat wird besetzt mit Vertretern des Sozialministeriums, der Arbeiterkammer, des Gewerkschaftsbundes, des Industriellenverbandes, der Ingenieurkammer, der Rektorenkonferenz plus B\u00fcrgermeister, Finanzstadtrat, Kulturstadtrat, Gesundheitsstadtrat, Stadtplanungsdirektor, Baubeh\u00f6rde und Magistratsdirektor)<\/li>\n<li>N.N. (1972): Unsere Lobau darf nicht sterben. In: Donaust\u00e4dter Zeitung 3\/1972 (Seite 18: \u00fcber den Kraftwerksbau auf einer Orchideenwiese)<\/li>\n<li>ORF Fernsehen (1972): Schutz der Lobau. In: \u201eIn eigener Sache\u201c, Publikumsdiskussion mit Helmut Zilk, Sonntag, 16. Juli 1972, 2. Programm, 20.15 Uhr<\/li>\n<li>N.N. (1972): Sollen sechs Hektar Wald in der Lobau gerodet werden? In: \u00d6VP-Pressedienst vom 24. Juli 1972<\/li>\n<li>N.N. (1972): Unsere Lobau in h\u00f6chster Gefahr. In: Donaust\u00e4dter Zeitung 8\/1972 (Seite 10)<\/li>\n<li>N.N. (1972) Neues Erholungsgebiet in der Lobau beim Kraftwerk am Steinsporn &#8211; 73 Hektar werden aufgepflanzt. In: Sozialistische Korrespondenz, 31. August 1972<\/li>\n<li>N.N. (1972): Die Aktion \u201eRettet die Lobau\u201c wird fortgesetzt. In: Donaust\u00e4dter Zeitung 9\/1972<\/li>\n<li>K\u00f6lbel, Alfred (1972): Lobau: Zur\u00fcck zur Natur. In: Arbeiter-Zeitung, 1. September 1972 (R\u00fcckwidmung von 73 Hektar in den Wald- und Wieseng\u00fcrtel)<\/li>\n<li>Strasser, Peter (1972): Zerst\u00f6rungen ohne Ende: Eisenbahnlinie geplant. In: Kronen-Zeitung, 1. September 1972 (Zitat: Tatsache aber ist: Die Lobau wird weiterhin zerst\u00f6rt)<\/li>\n<li>ORF Fernsehen (1972): Stiefkind Radfahrer. In: \u201eIn eigener Sache\u201c, Publikumsdiskussion mit Helmut Zilk im Museum des 20. Jahrhunderts, Sonntag, 10. September 1972, 1. Programm, 20.00 Uhr.<\/li>\n<li>N.N. (1972): Die Lobau darf nicht sterben. In: Kronen-Zeitung, 10. November 1972<\/li>\n<li>Fasching, Emmerich (1972): Rathausmehrheit vernachl\u00e4ssigt Umwelt (Kommentar von Bezirksvorsteher-Stellvertreter Emmerich Fasching, \u00d6VP). In: Donaust\u00e4dter Zeitung 9\/1972<\/li>\n<li>ORF Fernsehen (1972): Die Auseinandersetzung um die Wiener Lobau. In: Horizonte, 20. September 1972, 20.15 Uhr, 1. Programm<br \/>\nHR Dr. Harald Schweiger, N\u00d6 Naturschutzdirektor: \u201eAls Fachbeamter der nieder\u00f6sterreichischen Naturschutzbeh\u00f6rde habe ich aus dieser Erkenntnis heraus die Bestrebung, die Donau-Auen unterhalb von Wien, von der Landesgrenze bis zur \u00f6sterreichischen Staatsgrenze unter Naturschutz stellen zu lassen, damit nicht \u00e4hnliche Dinge passieren, wie heute in der Lobau.\u201c<br \/>\nKommentar: \u201eDem Willen der Wiener Kommunalpolitiker zufolge blieb die Lobau auch nach dem Krieg Industrieland. An eine R\u00fcckwidmung dachte niemand. Im Gegenteil: Die Gemeinde Wien begann selbst zu bauen. \u2026 Seit Jahren protestieren Natursch\u00fctzer gegen die Zerst\u00f6rung der Lobau. Doch was geschieht? Es wird weitergebaut und weiterzerst\u00f6rt.\u201c<br \/>\nKarl Franz F\u00fcgener, Pr\u00e4sident des Wiener Naturschutzbundes \u201eDie Landesgruppe Wien des \u00d6sterreichischen Naturschutzbundes hat im Jahr 1970 einen Antrag an die Magistratsabteilung 7 gerichtet, um Unterschutzstellung der Unteren Lobau als Vollnaturschutzgebiet. Im Jahr 1971 bekamen wir dann eine Antwort, die uns in keiner Weise befriedigt hat.\u201c<br \/>\nKommentar: \u201eDort, wo sich jeden Sommer Tausende Menschen erholen, an der Panozza-Lacke, soll ein riesiges Kreuzungssystem entstehen, genehmigt von der Gemeinde Wien, beschlossen im Bundesstra\u00dfengesetzt 1971. Unter dem Druck der Kritik bekennen nun die Herren im Rathaus zerknirscht, dass die von ihnen vorgeschlagene Trassenf\u00fchrung noch einmal \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcsse.\u201c<\/li>\n<li>Ballik, Karlheinz (1972): Protokoll der 1. Sitzung des Arbeitskreises 9 der Wiener Stadtentwicklungsenquete am 17. November 1972 (Seite 3)<\/li>\n<li>Grzimek, Bernhard (1972): Brief des Pr\u00e4sidenten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt an Anton Klein vom 18. Dezember 1972, Archiv Lobaumuseum<\/li>\n<li>Strasser, Peter (1973): Nach Serengeti auch die Lobau. In: Kronen-Zeitung, 15. J\u00e4nner 1973 (\u201e \u2026 die Lobau, die von der Gemeinde Wien der allm\u00e4hlichen Zerst\u00f6rung durch Industrie und Wirtschaft preisgegeben wird.\u201c)<\/li>\n<li>L\u00f6tsch, Bernd (1973): Lobau soll sterben. Ank\u00fcndigung eines Informationsabends der Universit\u00e4t Wien mit Diskussion im Auditorium Maximum der Universit\u00e4t Wien, 17. J\u00e4nner 1973, 19 Uhr (Plakat, Druck: Gloria-Kulturverein)<\/li>\n<li>N.N. (1973): Hilfe aus aller Welt f\u00fcr Lobau. In: Kronen-Zeitung 15. Februar 1973<\/li>\n<li>Strasser, Peter (1974): Teile der Lobau als Nationalpark. In: Kronen-Zeitung, 11. J\u00e4nner 1974<\/li>\n<li>Klein, Anton und Orth, Walter (1974): Schriftliche Stellungnahme zum Mietvertrag MA 49 \u2013 27\/1\/74 an die Magistratsabteilung 49 vom 19. Juli 1974<\/li>\n<li>Weish, Peter (2017): Nachruf auf Ing. Hannes Minich (f\u00fcr den Vorstand des Landesgruppe Wien des \u00d6sterreichischen Naturschutzbundes am 21. August 2017) <span><a href=\"https:\/\/naturschutzbund.at\/newsreader-528\/items\/wir-trauern-um-hannes-minich-praesident-naturschutzbund-wien.html\">https:\/\/naturschutzbund.at\/newsreader-528\/items\/wir-trauern-um-hannes-minich-praesident-naturschutzbund-wien.html<\/a><\/span><\/li>\n<li>Lazowksi, Werner (2017): &nbsp;briefliche Mitteilung \u00fcber die Mitwirkung von Hannes Minich an der Unterschutzstellung der Lobau (E-Mail) vom 23. August 2017 (Lazowski war ab 1975 st\u00e4ndiger Mitarbeiter des Lobaumuseums)<\/li>\n<li>Gepp, Johannes, Hrsg. (2018): \u00d6sterreichs Jahrhundert des Naturschutzes, Unipress Verlag &nbsp;(Seite 67: Hans Kinnl verhindert die Errichtung einer Gro\u00dfraffinerie in der Lobau)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die SP\u00d6 Donaustadt behauptet am 2. Oktober 2020 auf ihrer Facebook-Seite allen Ernstes, es w\u00e4re die SP\u00d6 gewesen, die 1978 die Lobau gerettet h\u00e4tte. (&#8220;1978 &#8211; Als die SP\u00d6 die Lobau rettete&#8221;) Das grenzt an Geschichtsf\u00e4lschung. Wir bieten unentgeltlich Nachhilfeunterricht und ersuchen die Mitglieder und Mandatare der SP\u00d6 sich in Zukunft zu informieren, bevor sie etwas hinausposten. Wahlkampf ist keine Entschuldigung. 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