{"id":3858,"date":"2020-06-28T11:02:00","date_gmt":"2020-06-28T09:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=3858"},"modified":"2021-08-07T08:46:20","modified_gmt":"2021-08-07T06:46:20","slug":"der-schoenauer-schlitz-die-letzte-verbindung-zur-donau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/der-schoenauer-schlitz-die-letzte-verbindung-zur-donau\/","title":{"rendered":"Der \u201cSch\u00f6nauer Schlitz\u201d \u2013 die letzte Verbindung zur Donau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Fr\u00fchling 2020 gab es zwei aufeinanderfolgende Hochwasserwellen an der Donau. Das brachte einiges Donauwasser in die Untere Lobau \u2013 dank dem \u201cSch\u00f6nauer Schlitz\u201d.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist der Sch\u00f6nauer Schlitz? <\/strong><\/p>\n<p>Eine L\u00fccke im Marchfeldschutzdamm zwischen Wien und der Staatsgrenze an der March, stromabw\u00e4rts von Sch\u00f6nau an der Donau. Nicht breit, ein paar Dutzend Meter. Angelegt wurde er 1890 nach einem Dammbruch, um den Abfluss von Donauwasser zu erm\u00f6glichen, das es durch den Schutzdamm auf die andere Seite geschafft hatte.<\/p>\n<p>Diese seither bestehende \u00d6ffnung erm\u00f6glicht aber auch den umgekehrten Prozess: Ab einem mittleren Wasserstand der Donau (\u201cMittelwasser\u201d) str\u00f6mt Donauwasser durch den Schlitz aufw\u00e4rts in die Untere Lobau \u2013 bei Hochwasser sogar ziemlich viel.<\/p>\n<p>Je nach Ausma\u00df des Hochwassers kann dieser \u201cR\u00fcckstau\u201d sogar das Schwarze Loch erreichen, ein Gew\u00e4sser gleich beim Schutzdamm, etwa gegen\u00fcber dem Ende der Wiener Donauinsel.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3860\" aria-describedby=\"caption-attachment-3860\" style=\"width: 861px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3860\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1.jpg\" alt=\"\" width=\"861\" height=\"471\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1.jpg 1345w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1-1024x560.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1-768x420.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-1-71x40.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 861px) 100vw, 861px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3860\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 OpenStreetMap contributors<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wegen des R\u00fcckstaus bei Hochwasser wurde \u00fcbrigens ein zweiter Damm, der Sch\u00f6nauer R\u00fcckstaudamm errichtet (fertiggestellt 1892). Er beginnt in Gro\u00df-Enzersdorf und endet, erraten, beim Sch\u00f6nauer Schlitz (siehe Karte).<\/p>\n<p>Das klingt alles etwas eigenartig, aber alle, denen die Lobau am Herzen liegt, sind heilfroh dar\u00fcber, dass es diesen \u201cSchlitz\u201d gibt: Er sorgt daf\u00fcr, dass die Untere Lobau wenigstens irgendwie weiterhin in das Hochwassergeschehen an der Donau eingebunden ist.<\/p>\n<p>Unbestritten ist auch der Beitrag des Sch\u00f6nauer Schlitzes zur Minderung der Hochwasserfolgen stromabw\u00e4rts: Die Untere Lobau kann so gro\u00dfe Wassermengen zur\u00fcckhalten, die sie nur verz\u00f6gert wieder abgibt.<\/p>\n<p>Eine nat\u00fcrliche Aulandschaft wird allerdings von oben durchstr\u00f6mt, nicht von unten \u201cbew\u00e4ssert\u201d. Daher hat der Sch\u00f6nauer Schlitz auch eine wesentliche Schattenseite: Donauwasser f\u00fchrt viele Schweb- und N\u00e4hrstoffe mit. Bei jedem Hochwasser in der Unteren Lobau bleibt etwas davon zur\u00fcck, und zwar dauerhaft, mangels ausreichender Durchstr\u00f6mung des Gew\u00e4sserzugs von oben.<\/p>\n<p>Das tr\u00e4gt zur Verlandung der Gew\u00e4sser bis hinauf zur G\u00e4nshaufentraverse bei. Bis zu 90 Prozent der Sedimente lagern sich allerdings bereits vor der Sch\u00f6nauer Traverse ab, wie Messungen ergaben.<\/p>\n<p>Noch a Gl\u00fcck, aber davor soll uns der liebe Gott ja beh\u00fcten, meinte Torbergs Tante Jolesch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3864\" aria-describedby=\"caption-attachment-3864\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3864\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-3-300x164.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-3-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-3-768x419.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-3-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Unbenannt-3.jpg 1522w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3864\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00f6nauer Schlitz ohne Hochwasser<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie oft kommt eigentlich Donauwasser bis hinauf in die Untere Lobau?<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fcheren Studien zufolge wird das untere Sch\u00f6nauer Wasser an durchschnittlich 127 Tagen pro Jahr durch r\u00fcckstr\u00f6mendes Donauwasser \u201cerfasst\u201d, das obere Sch\u00f6nauer Wasser nur an 102 Tagen. \u201cErfasst\u201d inkludiert aber jede Anbindung an die Donau, auch wenn sie die Wasserst\u00e4nde nur um ein paar Zentimeter erh\u00f6ht. Ereignisse wie am 23. Juni 2020, mit einem Donaupegel von 540 cm (Wildungsmauer), sind viel seltener (zwei bis drei Mal im Jahr) und kommen vor allem in der zweiten Jahresh\u00e4lfte kaum vor.<\/p>\n<p>Halbwegs \u201cnat\u00fcrliche\u201d Zust\u00e4nde in der Unteren Lobau k\u00f6nnte es nur geben, wenn der Gew\u00e4sserzug vom Ebersch\u00fcttwasser abw\u00e4rts \u00fcber Mittelwasser und K\u00fchw\u00f6rther Wasser auch bei mittleren Donaupegeln <u>von oben<\/u> durchstr\u00f6mt w\u00fcrde, und zwar von Dutzenden Kubikmetern pro Sekunde. Das war auch fr\u00fcher mal so vorgesehen. Bis sich das Grundwasserwerk Lobau, dem eine Aufbereitungsanlage fehlt, als scheinbar un\u00fcberwindliche H\u00fcrde auft\u00fcrmte, die nicht einmal eine Dotation mit drei oder vier Kubikmeter zul\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Das ist der Status quo, der die Untere Lobau zu einem langsamen, aber sicheren Tod verurteilt.<\/strong><\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrlichere Version des Textes finden Sie auf <span><a href=\"https:\/\/beasts.at\/untere-lobau-am-23-juni-2020\/\">https:\/\/beasts.at\/untere-lobau-am-23-juni-2020\/<\/a><\/span><\/p>\n<p><em>Alle Fotos + erl\u00e4uternde Karte: Robert Poth<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchling 2020 gab es zwei aufeinanderfolgende Hochwasserwellen an der Donau. Das brachte einiges Donauwasser in die Untere Lobau \u2013 dank dem \u201cSch\u00f6nauer Schlitz\u201d. Was ist der Sch\u00f6nauer Schlitz? 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