{"id":3674,"date":"2020-05-13T22:23:56","date_gmt":"2020-05-13T20:23:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=3674"},"modified":"2021-09-30T15:19:29","modified_gmt":"2021-09-30T13:19:29","slug":"100-jahre-aquarium-heintz-eine-wiener-legende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/100-jahre-aquarium-heintz-eine-wiener-legende\/","title":{"rendered":"100 Jahre &#8220;Aquarium Heintz&#8221; &#8211; eine Wiener Legende"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3676 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-744x1024.jpg 744w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-768x1057.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-1116x1536.jpg 1116w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a-1488x2048.jpg 1488w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144723a.jpg 1688w\" sizes=\"auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px\" \/>Am 28. Juni 1961 verlieh die Kammer der Gewerblichen Wirtschaft f\u00fcr Wien Herrn Adolf Michael Heintz die Bronzene Ehrenmedaille \u201ein Anerkennung seiner 41-j\u00e4hrigen Kammerzugeh\u00f6rigkeit\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damit steht fest, dass die bis heute existierende Fachhandlung \u201e<span><a href=\"http:\/\/www.aquariumheintz.at\/\">Aquarium Heintz<\/a><\/span>\u201c in Wien-Kaiserm\u00fchlen das \u00e4lteste Aquarienfachgesch\u00e4ft \u00d6sterreichs ist. Im Jahr 2020 besteht das Unternehmen seit 100 Jahren.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAquarium Heintz\u201c, das war bis hinein in die 1990er-Jahre ein magischer Treffpunkt der Wiener Naturbegeisterten, der Natursch\u00fctzer, der Lobaufreunde und jener, die eine Sehnsucht nach fernen, tropischen Wunderwelten in sich trugen. Man reiste aus allen Bezirken hierher und traf sich quasi zuf\u00e4llig in den Verkaufsr\u00e4umen beim Betrachten der zahllosen Aquarien, in denen bunte Fische aus aller Herren L\u00e4nder schwammen.<\/p>\n<p>Ein kurzer Gru\u00df, ein wenig Fachsimpeln, hin und wieder leistete man sich neue Fische, Wasserpflanzen oder technisches Ger\u00e4t. Mit leerer Brieftasche oder mangels Entscheidungsfreude begn\u00fcgte man sich damit, am Ende der Besichtigungstour als Futter eine kosteng\u00fcnstige Portion Wasserfl\u00f6he oder \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tubifex\"><span>Tubifex<\/span><\/a>\u201c zu erwerben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3677 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Scan_20190202-2-300x220.jpg\" alt=\"\" width=\"316\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Scan_20190202-2-300x220.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Scan_20190202-2-1024x751.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Scan_20190202-2-768x563.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Scan_20190202-2.jpg 1166w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/>Den am 1. November 1891 geborenen Besitzer des Gesch\u00e4ftes, Adolf Michael Heintz, faszinierten Fische schon von Kindheit an. Mit erspartem Taschengeld kaufte er sich sein erstes Aquarium. Zum entspannten Beobachten der Fische blieb kaum Zeit. Denn Adolf musste mehrmals am Tag mit einer Fahrradpumpe Luft in einen Stahlkessel pressen, die dann \u00fcber ein Fahrradventil &nbsp;zur Bel\u00fcftung in das Becken geleitet wurde. Beheizt wurde das Aquarium mit einem \u00d6llicht. Elektrische Pumpen, Heizst\u00e4be und Filter waren noch unbekannt.<\/p>\n<p>In der Wohnung der angesehenen Wiener B\u00fcrgerfamilie Heintz gab es von da an jedenfalls ein Zimmer, das nur wenige Auserw\u00e4hlte betreten durften. Als Adolfs sp\u00e4tere Gattin Antonia begann, ihre k\u00fcnftigen Schwiegereltern zu besuchen, erweckte das stets sorgsam versperrte Zimmer bald ihre Neugierde. Eines Tages fragte sie verstohlen das Dienstm\u00e4dchen, welche Bewandtnis es mit diesem geheimnisvollen Raum auf sich habe. Das M\u00e4dchen antwortete: \u201e<em>Ja wissen\u2019s nicht, dass der junge Herr in diesem Zimmer seine Fische hat?<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Ende des ersten Weltkriegs mietete sich Adolf Heintz im 2. Wiener Gemeindebezirk ein Dachatelier. Dort arbeitete er anfangs sowohl in seinem erlernten Beruf als Graveur, als auch als Z\u00fcchter exotischer Fische. Die Adresse: Josef Christ-Gasse 10 (heute Kafkastra\u00dfe 10).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3678\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-300x182.jpg\" alt=\"\" width=\"515\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-1024x620.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-768x465.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-1536x930.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Foto-von-1936-20190117_144420a-2048x1239.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 515px) 100vw, 515px\" \/>Im Jahr 1920 meldete Heintz hier ein Gewerbe an, eine \u201eZierfischz\u00fcchterei\u201c. Das blieb so bis 1929. Dann hatten er und seine Gattin genug zusammengespart, um in der N\u00e4he der Alten Donau, in der heutigen Nauschgasse (damals noch Wagramerstra\u00dfe 26B), ein Grundst\u00fcck zu erwerben. Anstelle eines abgewirtschafteten Caf\u00e9s errichtete Heintz ein Aquarienfachgesch\u00e4ft \u2013 voller Licht, voller Farben und voller gesunder Fische. Das Foto rechts stammt aus dem Jahr 1936.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein\/\"><span>Anton Klein<\/span><\/a>, der 1925 geborene Gr\u00fcnder des \u201eLobaumuseums\u201c, z\u00e4hlte schon als Jugendlicher zu Adolf Heintz\u2018 begeisterten J\u00fcngern. Er beschrieb, warum dessen Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume seinerzeit so beispiellos waren:<\/p>\n<p>\u201e<em>Alles strahlte eine Sauberkeit aus, die unvorstellbar schien. Denn wie erb\u00e4rmlich sah es damals in den meisten Tierhandlungen aus: Zwischen V\u00f6geln, Meerschweinchen und Affen standen in einer finsteren Ecke total verwahrloste Becken, in deren \u00fcbelriechendem Wasser vom Tode gezeichnete Fische schaukelten. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass nur wenige Menschen den Wunsch hatten, Fische zu pflegen. Dies \u00e4nderte sich schlagartig, als Adolf Heintz an der Alten Donau seine tropischen Gefilde schuf<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Heintz\u201c wurde in k\u00fcrzester Zeit zur Legende. Anton Klein: \u201e<em>In Scharen pilgerten die Aquarianer von Wien und aus ganz \u00d6sterreich hierher, um einen zarten Hauch der Tropen zu versp\u00fcren. Beim Heintz traf sich alles, was Rang und Namen in der \u00f6sterreichischen Aquaristik hatte. Wer in diese Fischhandlung seine Eltern oder seine Frau mitnahm, konnte damit rechnen, dass der letzte Widerstand gegen das Aufstellen eines Aquariums in der Wohnung dahinschwand.<\/em>\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_3679\" aria-describedby=\"caption-attachment-3679\" style=\"width: 506px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3679\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"506\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a-71x40.jpg 71w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_144455a.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3679\" class=\"wp-caption-text\">Robert Werner (links) mit Werner Lazowski<\/figcaption><\/figure>\n<p>1944 wurde die tropische Oase bei einem Bombenangriff zerst\u00f6rt. Robert Werner, der heutige Inhaber des Gesch\u00e4fts, ist mit Adolf Heintz \u00fcber mehrere Ecken verwandt. Er kennt die Katastrophe aus den Erz\u00e4hlungen seiner Eltern:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das waren Brandbomben, diese Phosphors\u00e4tze, die die Amerikaner abgeworfen haben. Die haben vermutet, dass am G\u00e4nseh\u00e4ufel ein Munitionslager war. Und die Reichsbr\u00fccke war auch immer ein gutes Ziel. Der Heintz hat mit dem Wasser aus den Aquarien zu l\u00f6schen versucht! Das war chancenlos. Fast kein Haus hat \u00fcberlebt. Nur mein Elternhaus, das hat\u2019s \u00fcberstanden. Weil das haben sie sofort gel\u00f6scht, weil es als betriebswichtig eingetragen war. Es war ein Lebensmittelgesch\u00e4ft. Das ist als erstes gel\u00f6scht worden. Alles andere in der Gegend ist abgebrannt.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Adolf Heintz gab jedenfalls nicht auf, sondern begann mit dem Wiederaufbau seines Lebenswerkes. Weil er nicht nur Fische z\u00fcchtete, sondern auch Orchideen, errichtete er 1948 seine neues Aquariengesch\u00e4ft als Gew\u00e4chshaus \u2013 selbstverst\u00e4ndlich in altem Glanz. Anton Klein: \u201e<em>Wie einst wanderte man wieder unter den gewaltigen Bl\u00e4ttern tropischer Schlinggew\u00e4chse dahin und konnte noch immer zwischen Aquarien die seltensten tropischen Orchideen bl\u00fchen sehen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Im September 1951 erwarben Adolf Heintz und sein Bruder Alfred das 1644 m\u00b2 gro\u00dfe Grundst\u00fcck vom Chorherrenstift Klosterneuburg um den Betrag von 37.812,- Schilling.<\/p>\n<p>Der 1936 geborene Naturwissenschaftler und Umweltaktivist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Weish\"><span>Peter Weish<\/span><\/a> kann sich sehr lebhaft an diese Zeit erinnern:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3689\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1-300x175.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1-1024x599.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1-768x449.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1-193x112.jpg 193w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_152011a-1.jpg 1086w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/>\u201e<em>1949 bekam ich zu meinem 13. Geburtstag mein erstes \u201egro\u00dfes\u201c Aquarium. So besuchte ich bald gemeinsam mit meinem Freund <a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Alfred_Radda\"><span>Fredi Radda<\/span><\/a> per Fahrrad das \u201eAquarium Heintz\u201c, in dem der Chef selbst die Kunden betreute. Der \u201eHeintz\u201c war f\u00fcr uns immer ein Erlebnis. Das Gew\u00e4chshaus, in Zuchtbereich und Verkaufsbereich geteilt, war eindrucksvoll. Im Verkaufsraum gab es einige gro\u00dfe Becken mit sch\u00f6nen Pflanzen und pr\u00e4chtigen Fischen. Das Gew\u00e4chshaus, in dem Heintz Wasserpflanzen z\u00fcchtete, habe ich zwar nie von innen gesehen, aber es regte immerhin die Phantasie an.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Wer ein Aquarium daheim hatte, in Wien wohnte oder die Gelegenheit hatte, nach Wien zu reisen, den zog es in jenen Tagen mit Sicherheit in Adolf Heintz\u2018 wunderbare Welt.<\/p>\n<p>Im Alter \u00fcbergab er seine Zierfischhandlung erfolgreich an seinen schon lange Zeit in den Betrieb integrierten Verwandten Walfried Werner und dessen Gattin Anna.<\/p>\n<p>Deren Enkel, Robert Werner, erinnert sich daran, wie seine Gro\u00dfeltern gezwungen waren, das Gew\u00e4chshaus komplett zu renovieren:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das Glashaus hat nur Nachteile gehabt: Im Sommer bist erstickt, dann waren nur Algen in den Aquarien und das Glas musste abgedeckt werden. Im Winter war das Eis dr\u00fcber. Es war au\u00dferdem eine Holzkonstruktion. Meine Gro\u00dfeltern haben dann Mitte der 1970er-Jahre ein paar Wochen zugesperrt und alles umgebaut, mit Plexiglas.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Am 3. M\u00e4rz 1969 stirbt Adolf Heintz im Alter von 78 Jahren. &nbsp;Anton Klein berichtet, er w\u00e4re noch am 27. Februar mit ihm in seinem Garten und im Glashaus spaziert. Heintz h\u00e4tte ihn auf die Knospe einer besonders seltenen Orchidee hingewiesen und betont, wie sehr er dem Tag entgegenfieberte, an dem sie sich entfalten w\u00fcrde. Das blieb ihm jedoch versagt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3681 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Rechnung-25-J\u00e4n-1971-von-AQUARIUM-HEINTZ-an-ZFFD-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"396\">\u201eAquarium Heintz\u201c galt weiterhin, bis in die sp\u00e4ten 1990er-Jahre, als bedeutendster Anziehungspunkt der Wiener Aquarienliebhaber. Es war oft \u00fcberf\u00fcllt, vor allem an Samstagen. Dann und wann traf man einen Bekannten. Wer Brillen trug, k\u00e4mpfte verbissen gegen das Beschlagen der Gl\u00e4ser. Man sp\u00e4hte neugierig in die f\u00fcr Kunden unzug\u00e4nglichen Zuchtr\u00e4ume, und manchmal war die Luft zum Schneiden.<\/p>\n<p>Robert Werner: \u201e<em>Ich kann mich noch erinnern, fr\u00fcher sind da die Aschenbecher herumgestanden. Das kann man sich heute ja gar nicht mehr vorstellen. Da sind mindestens vier Aschenbecher gestanden. Aber meine Mutter hat sich dann so ge\u00e4rgert und hat Anfang der 80er durchgesetzt, dass wir ein Schild drau\u00dfen aufgestellt haben: \u201eEs wird h\u00f6flichst ersucht, nicht zu rauchen!\u201c Mein Opa hat damals gesagt: \u201eDie Kunden werden nicht mehr kommen!\u201c Und meine Mutter: \u201eDas ist mir wurscht. Ich steh nicht da herinnen, in der Hitze, im Sommer, im Dunst. Und dann rauchen da drei. Das ist ja ein Wahnsinn!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Walfried Werner stirbt 1996 im Alter von 87 Jahren, seine Frau Anna 2006 mit 93 Jahren.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre begann das Gesch\u00e4ftsmodell der kleinen, feinen Aquarienfachgesch\u00e4fte allm\u00e4hlich zu Ende zu gehen. Die neuen Zeiten brachten Baum\u00e4rkte, die nicht nur mit Ziegeln und Rasenm\u00e4hern handelten, sondern auch mit Fischen, Aquarien und Zubeh\u00f6r.<\/p>\n<p>Robert Werner: \u201e<em>1997 ist zehn Minuten von uns entfernt der Baumarkt gekommen. Das war der gro\u00dfe D\u00e4mpfer. Der ist gekommen mit Preisen, wo ich nur so geschaut habe. Dann ruf ich bei meinem Gro\u00dfh\u00e4ndler an, sage \u201eTschuldigung, das kann ich dort billiger kaufen, als bei Euch. Was ist denn da los?\u201c Sagt er: \u201eTut mir leid, da kann ich nichts machen.\u201c Der ist dann bald in Konkurs gegangen. Es gibt ja keinen Gro\u00dfhandel mehr in \u00d6sterreich.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3682\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-300x178.jpg\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-300x178.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-1024x609.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-768x456.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-1536x913.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20190117_145515-2048x1217.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/>\u201eAquarium Heintz\u201c ist heute vermutlich aufgrund seiner gro\u00dfen Tradition eines der letzten Wiener Aquarienfachgesch\u00e4fte alten Stils. Die Umrisse des einstigen Gew\u00e4chshauses sind nach wie vor zu erkennen und wer Fische liebt, der kann es hier wie in fr\u00fcheren Zeiten genie\u00dfen, eine Weile gewisserma\u00dfen allein und in Ruhe von Aquarium zu Aquarium zu schreiten. Und mit Gl\u00fcck wird man wohl auch einen Bekannten treffen.<\/p>\n<p>Anton Klein hat ein Zitat von Adolf Heintz festgehalten, das wohl bis heute der Faszination dieses Wiener Juwels zugrunde liegt:<\/p>\n<p><strong>\u201e<em>Ich kann mich an den herrlichen Dingen, die die Natur hervorbringt, nie satt sehen. Den ganzen Tag k\u00f6nnte ich stehen und immer nur schauen.<\/em>\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>AQUARIUM HEINTZ<\/strong><br \/>\n<span><a href=\"http:\/\/www.aquariumheintz.at\/\">http:\/\/www.aquariumheintz.at\/<\/a><\/span><br \/>\n1220 Wien, Nauschgasse 6a<br \/>\nE-Mail: <span><a href=\"mailto:werner@aquariumheintz.at\">werner@aquariumheintz.at<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Klein, Anton (1969): Adolf Heintz &#8211; lebende Geschichte der \u00f6sterreichischen Aquaristik. In: Das Steckenpferd &#8211; Fibel f\u00fcr Aquarianer und Terrarianer, Heft 1, M\u00e4rz 1969<\/li>\n<li>Werner, Robert (2019): Gespr\u00e4ch mit Manfred Christ und Werner Lazowski am 17.1.2019<\/li>\n<li>Weish, Peter (2019): Email vom 9.11.2019<\/li>\n<li>Adolph Lehmann&#8217;s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger<\/li>\n<li>Urkunde der Kammer der Gewerblichen Wirtschaft f\u00fcr Wien, Juni 1961<\/li>\n<li>Stadtplan der Wiener Berufsfeuerwehr, Dezember 1929<\/li>\n<\/ul>\n<p>PS: Die seit 1929 existierende Nauschgasse war anfangs ein Kleingartenweg, der damals nicht, wie vielfach angenommen, nach dem \u00f6sterreichischen Fu\u00dfballer <a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Walter_Nausch\"><span>Walter Nausch<\/span><\/a> benannt wurde, sondern ohne amtlichen Sanktus nach dem schr\u00e4g gegen\u00fcber (Wagramer Stra\u00dfe 31A) wohnenden, sp\u00e4ter mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit belasteten Polizei-Oberinspektor, Wachekommandanten und Hundef\u00fchrer Engelbert Nausch (\u2020 1956). Heute gilt die Nauschgasse laut \u201eLexikon der Wiener Stra\u00dfennamen\u201c als offiziell nach dem Wunderteam-Fu\u00dfballer Walter Nausch benannt.<\/p>\n<p><em>Fotos: Archiv Robert Werner, Archiv Lobaumuseum, Manfred Christ<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28. Juni 1961 verlieh die Kammer der Gewerblichen Wirtschaft f\u00fcr Wien Herrn Adolf Michael Heintz die Bronzene Ehrenmedaille \u201ein Anerkennung seiner 41-j\u00e4hrigen Kammerzugeh\u00f6rigkeit\u201c. Damit steht fest, dass die bis heute existierende Fachhandlung \u201eAquarium Heintz\u201c in Wien-Kaiserm\u00fchlen das \u00e4lteste Aquarienfachgesch\u00e4ft \u00d6sterreichs ist. Im Jahr 2020 besteht das Unternehmen seit 100 Jahren. \u201eAquarium Heintz\u201c, das war bis hinein in die 1990er-Jahre ein magischer Treffpunkt der Wiener Naturbegeisterten, der Natursch\u00fctzer, der Lobaufreunde und jener, die eine Sehnsucht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":3675,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[21,133],"class_list":["post-3674","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-von-gestern","tag-klein","tag-peter-weish"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3674"}],"version-history":[{"count":32,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3702,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3674\/revisions\/3702"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}