{"id":319,"date":"2017-01-01T20:50:00","date_gmt":"2017-01-01T19:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=319"},"modified":"2025-10-18T11:15:34","modified_gmt":"2025-10-18T09:15:34","slug":"zu-viele-biber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/zu-viele-biber\/","title":{"rendered":"Ausrottung und Wiederkehr der Biber"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer sich in unseren Tagen \u00fcber Biber beschwert, dass sie zu viele Sch\u00e4den (?!) verursachen und nicht hierher geh\u00f6ren w\u00fcrden, sollte sich die Geschichte ihrer Ausrottung bewusst machen und die Tatsache, dass die Lobau gut 125 Jahre lang v\u00f6llig biberfrei war.<\/strong><\/p>\n<p>Biber waren bis vor ungef\u00e4hr 200 Jahren ein selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Wiener Natur. Sie sind uns verloren gegangen, weil der Mensch sie ausgerottet hat \u2013 und nicht, weil es f\u00fcr sie keinen Lebensraum mehr gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7507 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01-768x498.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/10105.b01.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a>Der Biberhaufenweg&nbsp;in Wien-Aspern wurde 1922 nach einer Insel (\u201eHaufen\u201c) mit gutem Biberbestand&nbsp;im&nbsp;unregulierten Donaugebiet benannt. Zu dieser Zeit waren die Biber in den Donauauen unterhalb von Wien schon beinahe sechzig Jahre ausgestorben. Der letzte wurde 1863 bei Fischamend get\u00f6tet, wo es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch &#8220;gro\u00dfe Bibercolonien&#8221; gab.<\/p>\n<p>Der letzte \u201eechte\u201c Lobau-Biber scheint wenige Jahre davor erlegt worden zu sein. 1850, so wird berichtet, w\u00e4re in einer &#8220;Lacke&#8221; zwischen Rohrw\u00f6rth und Kreuzgrund noch regelm\u00e4\u00dfig einer beobachtet worden.&nbsp;<\/p>\n<p>Jedoch: &#8220;<em>Das von der J\u00e4gerei gehegte Thier verschwand auf noch unaufgekl\u00e4rte Weise, wahrscheinlich den Fischern oder Wildsch\u00fctzen zum Opfer fallend.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Der letzte Biber von Wien-Stadlau wurde 1821 gefangen. Verbesserte Jagd- und Fangmethoden, die Gier nach dem Wasser abweisenden Pelz und nach dem \u201eBibergeil&#8221;, einem stark nach Moschus riechenden Dr\u00fcsensekret, dem potenzf\u00f6rdernde Wirkung nachgesagt wurde, brachten die Europ\u00e4ischen Biber um 1850 an den Rand des Aussterbens.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7508 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"368\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/13008.b01.jpg 844w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/a>Ab 1970 setzte der Bund Naturschutz Bayern am Unteren Inn im Laufe von zehn&nbsp;Jahren 35 Tiere aus, die aus einer intakten Biberpopulation in Mittelschweden stammten. An der Salzach wurden zwei Paare auch auf \u00f6sterreichischem Boden eingeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p>Zwischen 1976 und 1988 wurden vom Wiener Naturforscher und Fernseh-Tierprofessor <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Koenig_(Verhaltensforscher)\">Otto Koenig<\/a> und seinem Team in Kooperation mit der Stadt Wien insgesamt 42, unter anderem aus Polen, Skandinavien und Kanada stammende Biber in den Donauauen \u00f6stlich von Wien ausgesetzt.<\/p>\n<p>Damit begann die R\u00fcckkehr der Biber in unser Land. Heute sind sie erneut ein selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil der Natur. Und das sollten sie auch bleiben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Fotos: Kurt Kracher<\/em><\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zobodat.at\/personen.php?id=2651&amp;bio=full\">Sieber, Johanna<\/a> (1989): Biber in Ober\u00f6sterreich &#8211; eine aktuelle Bestandsaufnahme an Inn und Salzach. In: Jahrbuch des Ober\u00f6sterreichischen Musealvereines 134a: 277-285<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.dr-kollar.at\/html\/uns.html\">Kollar, Hans Peter;<\/a> Seiter, Marianne (1990): Biber in den Donau-Auen \u00f6stlich von Wien. Eine erfolgreiche Wiederansiedelung. In:&nbsp; Umwelt &#8211; Schriftenreihe f\u00fcr \u00d6kologie und Ethologie 14: 1-75<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.biographien.ac.at\/oebl\/oebl_M\/Mojsisovics-Mojsvar_August_1848_1897.xml\">Mojsisovics von Mojsv\u00e1r, August<\/a> (1897): Das Thierleben der \u00f6sterreichisch-ungarischen Tiefebenen. Vom sterbenden Wild um Wien. In: Mitteilungen der Jagdschutzvereine von N\u00d6 und Wien (1927, S. 32)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich in unseren Tagen \u00fcber Biber beschwert, dass sie zu viele Sch\u00e4den (?!) verursachen und nicht hierher geh\u00f6ren w\u00fcrden, sollte sich die Geschichte ihrer Ausrottung bewusst machen und die Tatsache, dass die Lobau gut 125 Jahre lang v\u00f6llig biberfrei war. Biber waren bis vor ungef\u00e4hr 200 Jahren ein selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Wiener Natur. 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