{"id":3117,"date":"2019-11-10T09:02:23","date_gmt":"2019-11-10T08:02:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=3117"},"modified":"2021-02-01T18:40:35","modified_gmt":"2021-02-01T17:40:35","slug":"lobau-vertrocknet-entscheidung-verschoben-auf-irgendwann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/lobau-vertrocknet-entscheidung-verschoben-auf-irgendwann\/","title":{"rendered":"Lobau vertrocknet: Entscheidung verschoben auf irgendwann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es geht viel schneller, als wir noch vor einigen Jahren bef\u00fcrchtet haben: die Gew\u00e4sser der Unteren Lobau verschwinden. Der Mangel an Wasser ist eklatant. Dazu kommt die Verlandung: Aufgrund fehlender Hochw\u00e4sser und fehlender Einspeisung von Donauwasser werden die Schlammschichten am Gew\u00e4ssergrund immer h\u00f6her, Seerosen und Schilf \u00fcberwuchern die verbliebenen offenen Wasserfl\u00e4chen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3119 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"515\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Schwadorfer_Rinne_4.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 515px) 100vw, 515px\" \/>Norbert Sendor und Elisabeth Zeman sind immer wieder zum Fotografieren in Sch\u00f6nau und finden das rasche Sinken des Wasserstandes erschreckend. Ein ebenso regelm\u00e4\u00dfiger Beobachter des Geschehens ist Naturfotograf Kurt Kracher: <em>\u201eDas K\u00fchw\u00f6rtherwasser ist stellenweise kurz vor dem Austrocknen und die Schwadorfer Rinne teilweise staubtrocken. In den Pf\u00fctzen suchen Reiher, Kormorane und Eisv\u00f6gel die letzten Fische.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dass sich die Donau immer tiefer gr\u00e4bt und ihr Umfeld demgem\u00e4\u00df vom Wasser abgetrennt wird, ist seit Jahrzehnten klar. Dass sich Klima und Wetter ver\u00e4ndern ebenso. Wieso hat man angesichts dieser Lage und in Anbetracht der Ziele des Nationalparks nichts gegen die Austrocknung der Lobau getan?<\/p>\n<p>Unsere Antwort: Weil sich die Politik vor Entscheidungen dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Denn im Oktober 2006 war man noch sehr wohl entschlossen, etwas f\u00fcr die Lobau und gegen ihre \u00f6kologische Abwertung zu unternehmen. Die Wiener Umweltstadtr\u00e4tin Ulli Sima hat dies sogar eigenh\u00e4ndig unterschrieben. Das Papier hei\u00dft:<\/p>\n<p><strong>\u201eErgebnisse des Expertinnenhearings und weitere Vorgangsweise hinsichtlich Fertigstellung des verbesserten Donauhochwasserschutzes f\u00fcr Wien.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Da geht es um Hochwasserschutz und den Ausbau des Marchfeldschutzdammes \u2013 unter anderem um <em>\u201eden Bau von mindestens zwei Dotationswehren \u2026 um eine entsprechende Gew\u00e4sservernetzung und Dynamisierung der Unteren Lobau zu erreichen.\u201c<\/em> Dazu sei <em>\u201edie Stadt Wien bereit und entschlossen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Im unterschriebenen Dokument wird auch daran erinnert, dass 1997\/98 von der Nationalpark-Gesellschaft und den Magistratsabteilungen 45 und 49 ein Arbeitskreis &#8220;Entwicklungsziele Lobau&#8221; eingerichtet worden war:<\/p>\n<p><em>\u201eErgebnis dieser Runde war unter anderem die Empfehlung, die Untere Lobau angemessen in den Hochwasserabfluss einzubeziehen, um damit eine sinnvolle \u00f6kologische Entwicklungsperspektive f\u00fcr dieses Gebiet sicherzustellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dabei sei jedoch auf den Trinkwasserschutz und den Schutz vor \u00d6lunf\u00e4llen zu achten.<\/p>\n<p>Zusammenfassend wurde festgehalten: <em>\u201eDie Stadt Wien beabsichtigt den verbesserten integrativen Donauhochwasserschutz f\u00fcr Wien in Verbindung mit der Sicherstellung\/Verbesserung der \u00f6kologischen Funktionsf\u00e4higkeit der Unteren Lobau als Auengebiet rasch fertig zu stellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3120 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/K\u00fchw\u00f6rther_Wasser-300x190.jpg\" alt=\"\" width=\"542\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/K\u00fchw\u00f6rther_Wasser-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/K\u00fchw\u00f6rther_Wasser-174x111.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 542px) 100vw, 542px\" \/>Die genauen Zielvorgaben: <em>\u201eM\u00f6glichst starke Anbindung und Dynamisierung bestehender bzw. ehemaliger Altarmsysteme, Sicherstellung einer m\u00f6glichst naturnahen Durchflutung des Auengebiets; Erhaltung des wertvollen Biotopmosaiks.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies alles eigenh\u00e4ndig unterschrieben von der Umweltstadtr\u00e4tin, der Wiener Umweltanw\u00e4ltin, Vertretern der Universit\u00e4ten, des Naturschutzes und der beteiligten Magistratsabteilungen.<\/p>\n<p>Der Marchfelddamm wurde mittlerweile ausgebaut. F\u00fcr die Lobau ist hingegen nichts geschehen. Es hei\u00dft, man k\u00f6nne nicht, weil<\/p>\n<ul>\n<li>aufgrund von modellhaften Berechnungen die Trinkwasserbrunnen gef\u00e4hrdet w\u00e4ren.<\/li>\n<li>man dies in der Praxis aber nicht austesten k\u00f6nne, denn dies w\u00fcrde ein paar Millionen kosten und k\u00e4me der Stadt damit zu teuer.<\/li>\n<li>man eine geplante Trinkwasseraufbereitungsanlage in Stadlau, die das Problem mit der vermeintlichen Gef\u00e4hrdung der Brunnen l\u00f6sen w\u00fcrde, 2004 trotz Millioneninvestitionen absagen musste. Grund: \u00a0Der Trinkwasserverbrauch in Wien w\u00fcrde sinken. (Das tut er <span><a href=\"https:\/\/wien.orf.at\/v2\/news\/stories\/2796645\/\">seit den 1970er-Jahren<\/a><\/span>. Warum hat man dann in den 90er-Jahren die Aufbereitungsanlage \u00fcberhaupt geplant und Millionen f\u00fcr Grundst\u00fccksank\u00e4ufe, Werbematerial und einen Architektenwettbewerb ausgegeben?)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als der WWF als Mitunterzeichner des Papiers Ende 2017 die unterschriebenen Versprechungen des Expertenhearings von 2006 einfordern will und um ein Gespr\u00e4ch mit der Umweltstadtr\u00e4tin ansucht, wird er von ihrem B\u00fcro abgewimmelt. Die politisch verantwortliche und letztlich entscheidungsbefugte Stadtr\u00e4tin schickt stattdessen die beiden Chefs der MA 45 Gew\u00e4sser und MA 49 Forst zu einem Gespr\u00e4ch. Deren Fachkenntnis und guter Wille ersetzte jedoch klarerweise nicht die politische Willenskraft.<\/p>\n<p>Ergebnis: Eine Entscheidung \u00fcber die Rettung der Lobau wurde von der Politik in aller Freundlichkeit auf den St. Nimmerleins-Tag verschoben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Fotos: Kurt Kracher<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht viel schneller, als wir noch vor einigen Jahren bef\u00fcrchtet haben: die Gew\u00e4sser der Unteren Lobau verschwinden. Der Mangel an Wasser ist eklatant. Dazu kommt die Verlandung: Aufgrund fehlender Hochw\u00e4sser und fehlender Einspeisung von Donauwasser werden die Schlammschichten am Gew\u00e4ssergrund immer h\u00f6her, Seerosen und Schilf \u00fcberwuchern die verbliebenen offenen Wasserfl\u00e4chen. Norbert Sendor und Elisabeth Zeman sind immer wieder zum Fotografieren in Sch\u00f6nau und finden das rasche Sinken des Wasserstandes erschreckend. 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