{"id":3109,"date":"2019-10-04T13:49:23","date_gmt":"2019-10-04T11:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=3109"},"modified":"2021-02-01T18:41:36","modified_gmt":"2021-02-01T17:41:36","slug":"wie-lange-noch-nationalpark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wie-lange-noch-nationalpark\/","title":{"rendered":"Wie lange noch Nationalpark?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der regnerische Mai 2019 hat alles verw\u00e4ssert. Seit dem Sommer ist es wieder so offensichtlich wie gewohnt: Die Untere Lobau vertrocknet, die Gew\u00e4sser werden zu Land. Das wird in absehbarer Zukunft die Lobau als Teil des Nationalparks in Frage stellen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3111 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Ebersch\u00fctt_3-02.10.2019-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"486\" height=\"325\">Das Ebersch\u00fcttwasser ist von Wasserpflanzen, Seerosen, Binsen und Schilf schon gro\u00dfteils \u00fcberwuchert. Dazu kommt eine, bis zu ein Meter m\u00e4chtige Schicht aus Faulschlamm am Grund des Gew\u00e4ssers.<\/p>\n<p>Am sogenannten \u201ekleinen\u201c Ebersch\u00fcttwasser, das beinahe bis Gro\u00df-Enzersdorf reicht, ist die Wasserfl\u00e4che kaum mehr zu sehen.<\/p>\n<p>Das \u201eSchwarze Loch\u201c, am Damm zur Donau hin gelegen, ist schon lange kein tiefes Loch mehr, sondern zu mehr als zwei Drittel gerade einmal knietief.<\/p>\n<p>Das Lausgrundwasser ist vor zwei Jahren komplett ausgetrocknet.<\/p>\n<p>Der Gro\u00df-Enzersdorfer Arm ringt um jeden Tropfen. An seinem \u00f6stlichen Ende kann man ihn beinahe trockenen Fu\u00dfes durchqueren.<\/p>\n<p>Das K\u00fchw\u00f6rtherwasser erstickt zusehends in feinen Sedimentablagerungen. Aus dem legend\u00e4ren Augew\u00e4sser wird eine flache Lacke. Naturfotograf Kurt Kracher Mitte September 2019: <em>\u201eBei sehr niedrigen Wasserstand des K\u00fchw\u00f6rter Wassers jagen Lachm\u00f6wen und Silberreiher die letzten verbleibenden Fische.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dem Sch\u00f6nauer Wasser geht es nicht besser. Journalist und Au-Enthusiast <span><a href=\"https:\/\/beasts.at\/\">Robert Poth<\/a><\/span>: <em>\u201eAm Sch\u00f6nauer Wasser habe ich einen Graureiher aufgenommen. Der steht sicher zehn Meter weit vom Schilf entfernt zwischen den Seerosen und man sieht, dass das Wasser dort h\u00f6chstens 20 Zentimeter tief ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und Au-Veteran <span><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\">Norbert Sendor<\/a><\/span>: <em>\u201eWo wir vor zirka 40 bis 50 Jahren beim Tauchen noch gro\u00dfe Welse bei der Brutpflege beobachten konnten, ist jetzt nur noch feuchter Schlamm.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3112 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Fischtreppe_beim_Elferl_1-02.10.2019.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/>Brunnader, G\u00e4nsehaufenwasser, Lichtes Loch, K\u00f6nigsgraben, und wie sie noch alle hei\u00dfen, sind bis auf wenige, kostbare Tage im Jahr l\u00e4ngst zu Trockengebieten geworden.<\/p>\n<p>Wir erleben gerade hautnah und live, wie die Lobau zu einem gew\u00f6hnlichen Stadtpark wird \u2013 ohne Zweifel sch\u00f6n gr\u00fcn, aber mit stark reduzierter Vielfalt an besonderen Tier- und Pflanzenarten.<\/p>\n<p>Wohin das f\u00fchrt, beschrieb Univ. Prof. Dr. Thomas Hein, der Leiter des Instituts f\u00fcr Hydrobiologie und Gew\u00e4ssermanagement an der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur in der Radioreportage \u201eWer rettet die Lobau? Der langsame Tod eines Nationalparks\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Lobau ist nicht nur wichtig f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung Wiens, sie hat Bedeutung als wichtiger Korridor und pulsierender Knotenpunkt der Verbindung zwischen den Karpaten und den Alpen. Es braucht diese Vielzahl an Gew\u00e4ssern. Nur so k\u00f6nnen wir eigentlich eine Diversit\u00e4t erhalten. Wenn ich die Auencharakteristik verliere, verliere ich nat\u00fcrlich die relevanten Arten und dann ist es sehr wohl eine Diskussion, der man sich letztlich nicht verschlie\u00dfen kann und die man f\u00fchren muss: <strong>Welchen Wert hat es noch im Kontext eines Nationalparks?<\/strong>\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und zur Dotation der Unteren Lobau mit Wasser aus der (Neuen) Donau meint Thomas Hein:<\/p>\n<p><em>\u201eIch kann mit Dotationsma\u00dfnahmen gewisse Gew\u00e4sserstrukturen l\u00e4nger erhalten. Es ist keine Methode um eine hundertprozentige Sicherstellung zu erreichen, aber es w\u00fcrde die Prozesse, die stattfinden, deutlich verlangsamen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch im Ergebnisprotokoll einer Besprechung von Vertretern der Stadtgemeinde Gro\u00df-Enzersdorf mit Repr\u00e4sentanten der Stadt Wien am 6. Juni 2019 steht unmissverst\u00e4ndlich: <em>\u201eOhne L\u00f6sung der Dotierungsfrage hat die Untere Lobau mittel- bis langfristig keine Zukunft als&nbsp;<\/em><em>Augebiet. <strong>Dies wirft die Frage nach dem Schutzgegenstand des Nationalparks auf.<\/strong><\/em><strong><em>\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Auf der Website der Stadt Wien hei\u00dft es stolz: <\/em><em>\u201eWien ist die einzige Metropole Europas, auf deren Stadtgebiet Teile eines international anerkannten Nationalparks liegen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie lange noch?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Website des Magistrats der Stadt Wien. \u201eDer Donauraum &#8211; Die gro\u00dfen Landschaftsr\u00e4ume Wiens&#8221;<\/li>\n<li><em>Kohlbauer, Regina (2008): <\/em>Saisonale Biomasseentwicklung von Makrophyten und deren Bezug zur Phytoplanktonentwicklung in den Gew\u00e4ssern der Lobau, Diplomarbeit an der Universit\u00e4t Wien.<\/li>\n<li>Zuckerst\u00e4tter-Semela, Renate (2019): Ergebnisprotokoll &#8211; Besprechung betreffend Dotierung der Lobau, stadt-umland-management wien\/nieder\u00f6sterreich, 11. Juni 2019<\/li>\n<li>Lipka, Daniela und Schnedl, Hartmut (2019): Wer rettet die Lobau? Der langsame Tod eines Nationalparks. Radio FRO (Freier Rundfunk Ober\u00f6sterreich) Podcast<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Fotos: <span><a href=\"http:\/\/www.kurt-kracher.at\/\">Kurt Kracher<\/a><\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der regnerische Mai 2019 hat alles verw\u00e4ssert. Seit dem Sommer ist es wieder so offensichtlich wie gewohnt: Die Untere Lobau vertrocknet, die Gew\u00e4sser werden zu Land. Das wird in absehbarer Zukunft die Lobau als Teil des Nationalparks in Frage stellen. Das Ebersch\u00fcttwasser ist von Wasserpflanzen, Seerosen, Binsen und Schilf schon gro\u00dfteils \u00fcberwuchert. Dazu kommt eine, bis zu ein Meter m\u00e4chtige Schicht aus Faulschlamm am Grund des Gew\u00e4ssers. 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