{"id":303,"date":"2016-12-30T10:39:19","date_gmt":"2016-12-30T09:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=303"},"modified":"2021-05-14T15:49:26","modified_gmt":"2021-05-14T13:49:26","slug":"franz-antonicek-der-waldlaeufer-mit-der-kamera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/franz-antonicek-der-waldlaeufer-mit-der-kamera\/","title":{"rendered":"2016: Franz Antonicek, der Waldl\u00e4ufer mit der Kamera"},"content":{"rendered":"<p><strong>FRANZ ANTONICEK, der Altmeister der Tierfotografen, der Mann, der wie kein anderer die Donauauen bei Wien in Bilder fasste, ist am 21. M\u00e4rz 2016 im 80. Lebensjahr verstorben. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit 1954 war er mit seinem kongenialen Partner <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\"><span>Norbert Sendor<\/span><\/a> an der Donau und an der March auf Fotopirsch \u2013 zu einer Zeit, als die Auen noch nicht von jedermann betreten werden durften und von einem Zaun umgeben waren. Das Fotografieren von Wildtieren war Leidenschaft und Abenteuer zugleich. Anfang der 1970er-Jahre sollten die Fotos der beiden enorme gesellschaftliche Bedeutung erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge des Europ\u00e4ischen Naturschutzjahres 1970 rief der Polizist <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein\/\"><span>Anton Klein<\/span><\/a> in seiner Eigenschaft als Obmann des Aquarienvereines \u201e<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/zierfisch-freunde-gruendung\/\"><span>Zierfischfreunde Donaustadt<\/span><\/a>\u201c eine Aktion zur Rettung der Lobau ins Leben: \u201eLobau darf nicht sterben!\u201c. Es waren jene Tage, als in der Bev\u00f6lkerung das Bewusstsein f\u00fcr den Wert der Natur erwachte und der Naturschutz eine politische Bedeutung erhielt.<\/p>\n<p>Antonicek und Sendor wurden auf Klein aufmerksam, schlossen sich ihm an und versorgten seine Initiative mit damals unvergleichlichen Aufnahmen \u2013 direkt aus ihrem pers\u00f6nlichen Paradies.<\/p>\n<p>1972 er\u00f6ffnete Klein im Rahmen seines Vereines eine \u201eLobau-Ausstellung\u201c, das sp\u00e4tere \u201eLobaumuseum\u201c. Die Fotos der beiden Tierfotografen bedeckten alle W\u00e4nde: Reiher, Hirsche, Kormorane: Bilder aus einer f\u00fcr die meisten Wiener fremden Welt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-305 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Franz-Antonicek-an-der-March-FOTO-von-Norbert-Sendor-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Franz-Antonicek-an-der-March-FOTO-von-Norbert-Sendor-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Franz-Antonicek-an-der-March-FOTO-von-Norbert-Sendor-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Franz-Antonicek-an-der-March-FOTO-von-Norbert-Sendor-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Franz-Antonicek-an-der-March-FOTO-von-Norbert-Sendor-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Antonicek machte in der Kronen-Zeitung Stimmung f\u00fcr die Au: <em>\u201eDie Lobau ist das sch\u00f6nste Augebiet Mitteleuropas\u201c,<\/em> sagte er, <em>\u201eIch kenne die ganze Donau bis hinunter zur M\u00fcndung. Nirgends gibt es so viele Tierarten wie hier, unmittelbar vor den Toren Wiens\u201c<\/em> &#8211; der Beginn einer Entwicklung, die Jahrzehnte sp\u00e4ter zur Gr\u00fcndung des Nationalparks f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>1976 erschien das bis heute wichtigste und einflussreichste Buch \u00fcber die Donauauen: \u201e<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Gr%C3%BCne-Wildnis-am-gro%C3%9Fen-Strom\/dp\/3853260888\/ref=sr_1_1?dchild=1&amp;keywords=Gr%C3%BCne+wildnis+am+gro%C3%9Fen+strom&amp;qid=1620999966&amp;s=books&amp;sr=1-1\"><span>Gr\u00fcne Wildnis am gro\u00dfen Strom<\/span><\/a>\u201c, verfasst von der Botanikerin Elfrune Wendelberger, zum Leben erweckt durch Fotos von Franz Antonicek und Norbert Sendor.<\/p>\n<p>Sendors Lebensweg hielt ihn in der Folge aus beruflichen Gr\u00fcnden von den Auen weitgehend fern. Antonicek hatte es in seinem geregelten Dienstverh\u00e4ltnis als Leiter der Restaurierwerkst\u00e4tte des \u00d6sterreichischen Staatsarchivs leichter.<\/p>\n<p>Neun Jahre sp\u00e4ter, nach der Au-Besetzung in Hainburg, hielt er in einem Buch \u00fcber die Donauauen erstmals seine Gef\u00fchle fest:<\/p>\n<p><em>\u201eGenau wei\u00df ich es selber nicht, weshalb es mich so sehr in die Au zieht. Vielleicht ist es angeboren, wenn mich bei dem Gedanken an die herrliche Wildbahn am Strom ein Gl\u00fccksgef\u00fchl \u00fcberkommt, das sich erf\u00fcllt, wenn ich die Auen betrete. Streife ich tags\u00fcber durch diesen bl\u00fchenden, duftenden Garten, so lasse ich \u201emeine Seele baumeln. Wiegt mich der heimelige Gesang der Nachtv\u00f6gel ins Land der Tr\u00e4ume, so merke ich mir die Stellen, an denen ihr Lied erklungen ist.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_1731\" aria-describedby=\"caption-attachment-1731\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1731\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt-768x475.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt-1024x634.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt-487x304.jpg 487w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Unbenannt-1-Franz-Antonicek-Ausschnitt.jpg 1163w\" sizes=\"auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1731\" class=\"wp-caption-text\">1964 in Orth an der Donau<\/figcaption><\/figure>\n<p>Antonicek sah sich nicht nur als Dokumentarist, sondern auch als Akteur:<em> \u201eDer einf\u00fchlsame Tierphotograph als Helfer der Jagd und der Wissenschaft und als \u00fcberzeugender Verk\u00fcnder des Naturschutzgedankens ist notwendig, ja unentbehrlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der \u00d6kologe und ehemalige Direktor des Wiener Naturhistorischen Museums, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernd_L%C3%B6tsch\"><span>Bernd L\u00f6tsch<\/span><\/a>, schrieb:<em> &#8220;In seiner stillen Meisterschaft ist Franz Antonicek einer der Beweger, deren unsere geschundene Umwelt so dringend bedarf&#8221;.<\/em><\/p>\n<p>1997 fasste Antonicek sein Tun in der Zeitschrift des Nieder\u00f6sterreichischen Naturschutzbundes zusammen: \u201e<em>Die Jagd mit der Kamera erh\u00f6ht die bewusste Wahrnehmung. Sie ist f\u00fcr mich das stimmungsvolle Mit- und Erleben der biologischen Lebensl\u00e4ufe, eine stille Verhaltensforschung der Wildtiere im Rhythmus der Tages- und Nachtstunden, begangen mit besonderer Vorsicht, um empfindliche Arten in ihrer Heimlichkeit nicht zu st\u00f6ren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In den 1990er-Jahren genoss er die weitreichende Anerkennung, best\u00fcckte zahlreiche Foto-Ausstellungen, Zeitschriften und B\u00fccher und war bei mehreren Filmen der ORF-Sendereihe \u201eUniversum\u201c als Berater und Pfadfinder t\u00e4tig. Er unterst\u00fctzte die Entwicklung des Nationalparks Donau-Auen &#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-327  alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/csm_WILDESWIEN_COVER_72dpi_RGB_c9830b8f5e-230x300.jpg\" width=\"267\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/csm_WILDESWIEN_COVER_72dpi_RGB_c9830b8f5e-230x300.jpg 230w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/csm_WILDESWIEN_COVER_72dpi_RGB_c9830b8f5e-768x1001.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/csm_WILDESWIEN_COVER_72dpi_RGB_c9830b8f5e-785x1024.jpg 785w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/csm_WILDESWIEN_COVER_72dpi_RGB_c9830b8f5e.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/p>\n<p>&#8230; stellte der Verwaltung unentgeltlich eine F\u00fclle von Bildern zur Verf\u00fcgung und trat einem Prominenten-Komitee bei, das sich gegen die Errichtung einer Autobahn durch die Lobau engagierte. Im Februar 2016 erschien zum letzten Mal zu seinen Lebzeiten ein Buch, das durch seine Fotos bereichert wurde: \u201e<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/WILDES-WIEN-unglaubliche-Tierleben-Gro%C3%9Fstadt\/dp\/3902976411\"><span>Wildes Wien \u2013 das unglaubliche Tierleben in der Gro\u00dfstadt\u201c<\/span><\/a> (Autor: Leopold Lukschanderl)<\/p>\n<p>Antonicek hatte einen staubigen Humor, ein feines L\u00e4cheln und eine ebenso feine Beobachtungsgabe. Lauter, \u00fcberschw\u00e4nglicher Enthusiasmus war ihm fremd. Er pr\u00e4sentierte sich \u2013 lustvoll, aber durchaus verschmitzt &#8211; als harter Waldl\u00e4ufer, als J\u00e4ger und kn\u00f6cherner Abenteurer.<\/p>\n<p>Aber der Waldl\u00e4ufer hatte auch eine butterweiche Seite, die ihn manchmal selbst zu \u00fcberraschen schien: \u201e<em>Seltene Blumen von bezaubernder Sch\u00f6nheit locken ausgerechnet mich, das auf die abenteuerliche Wildfotografie ausgerichtete Raubein, in ihre N\u00e4he, um mich zwischen ihren bunten und schwer duftenden Bl\u00fcten zu verlieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>An der R\u00fcckseite eines seiner neuesten Fotos unterzeichnete er 2015 eine Widmung mit den Worten: <em>\u201eein dankbarer Dschungelk\u00e4mpfer.&#8221;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FRANZ ANTONICEK, der Altmeister der Tierfotografen, der Mann, der wie kein anderer die Donauauen bei Wien in Bilder fasste, ist am 21. M\u00e4rz 2016 im 80. Lebensjahr verstorben. 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