{"id":2842,"date":"2019-04-26T17:41:44","date_gmt":"2019-04-26T15:41:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=2842"},"modified":"2019-05-22T07:09:43","modified_gmt":"2019-05-22T05:09:43","slug":"auf-der-faehrte-des-bisams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/auf-der-faehrte-des-bisams\/","title":{"rendered":"Es war einmal: der Bisam"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bisams waren fr\u00fcher in den Donau-Auen gewisserma\u00dfen an jeder Ecke zu beobachten. Das hat sich ge\u00e4ndert. Warum, dar\u00fcber wird spekuliert. Naturfotograf <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/kurt-kracher-die-lobau-und-ich\/\"><span>Kurt Kracher<\/span><\/a> aus Gro\u00df-Enzersdorf erinnert sich, zuletzt 2009 in der Unteren Lobau einen Bisam gesehen zu haben. Der Veteran <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\"><span>Norbert Sendor<\/span><\/a> hat 2012 im Ebersch\u00fcttwasser zum letzten Mal einen Bisam fotografiert. Noch Anfang der 1990er-Jahre waren sie praktisch an jedem Augew\u00e4sser zu finden.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2858\" aria-describedby=\"caption-attachment-2858\" style=\"width: 419px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2858\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMGP1502-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMGP1502-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMGP1502-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMGP1502.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMGP1502-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2858\" class=\"wp-caption-text\">Ebersch\u00fcttwasser, Foto: Norbert Sendor (2012)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Verschwinden der Bisams ist allerdings keine Katastrophe, denn es handelt sich um eine faunenfremde Tierart, die 1905 aus Amerika importiert und in der N\u00e4he von Prag ausgesetzt wurde. Zu diesen Bisams gesellten sich bald andere, n\u00e4mlich aus Pelzfarmen in Frankreich, Belgien und Polen entkommene Exemplare. 1922 wurden erstmals in Wien Bisams gesichtet, 1925 erstmals am Neusiedlersee. Ihre Vermehrungsrate war so hoch, dass sie bald \u00fcberall im Land als Plage galten. Hauptproblem: Sie unterminieren D\u00e4mme.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem nehmen sie \u2013 im Gegensatz zum Biber \u2013 nicht nur pflanzliche, sondern auch tierische Nahrung zu sich: Krebse und vor allem Muscheln. Dichte Bisampopulationen k\u00f6nnen deshalb die Best\u00e4nde der ohnehin gef\u00e4hrdeten, gro\u00dfen S\u00fc\u00dfwassermuscheln arg beeintr\u00e4chtigen. Anmerkung: Bisams f\u00e4llen keine B\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die wichtigsten anderen Unterschiede zum <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/zu-viele-biber\/\"><span>Biber<\/span><\/a>: Bisams werden gute 1,5 Kilogramm schwer, Biber mehr als 25 Kilogramm. Bisams haben einen ovalen, seitlich zusammengedr\u00fcckten Schwanz, Biber besitzen einen breiten, abgeplatteten Schwanz, die sogenannte Biberkelle.<\/p>\n<p>Umgangssprachlich wird der Bisam auch Bisamratte genannt \u2013 obwohl er, was die Verwandtschaft betrifft, mit einer Ratte nur bedingt zu tun hat. Ratten und Bisams geh\u00f6ren zwar beide zur zoologischen \u00dcberfamilie der \u201eM\u00e4useartigen\u201c &#8211; der Bisam jedoch zur Familie der \u201eW\u00fchlm\u00e4use\u201c (mit dem Hamster verwandt), die Ratte zur Familie der \u201eLangschwanzm\u00e4use\u201c. Und die Biber geh\u00f6ren \u00fcberhaupt zu einer komplett anderen Unterordnung, zu den &#8220;Biberverwandten&#8221; (im Gegensatz zu den &#8220;M\u00e4useverwandten&#8221;).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2859\" aria-describedby=\"caption-attachment-2859\" style=\"width: 456px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2859\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009-768x495.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009-174x111.jpg 174w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2009.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2859\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Kurt Kracher (2009)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im 1970 erschienenen 2. Band der \u201eNaturgeschichte Wiens\u201c hei\u00dft es noch: \u201eDie Bisamratte kommt sowohl am Donauufer als auch an den gr\u00f6\u00dferen Altw\u00e4ssern der Lobau sowie an der Alten Donau stellenweise recht h\u00e4ufig vor.\u201c (In der Alten Donau werden auch heute noch hin und wieder welche gesehen.)<\/p>\n<p>Und 1999 wird in einem Buch des Umweltbundesamts festgestellt, die March-Thaya-Auen w\u00fcrden stark vom Bisam genutzt werden, da \u201eman auf Schritt und Tritt und an jeglicher Art von Gew\u00e4sser\u201c Bisamspuren f\u00e4nde.<\/p>\n<p>Augenscheinlich hat sich an der H\u00e4ufigkeit des Bisams in den Donau-Auen seitdem etwas ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Gesichertes Zahlenmaterial gibt es dazu keines. Indizien bietet die Website <span><a href=\"http:\/\/www.stadtwildtiere.at\">www.stadtwildtiere.at<\/a>.<\/span> Unter vielen Hunderten Eintr\u00e4gen von in Wien gesichteten Wildtieren betreffen nur einige wenige den Bisam: an der Donauinsel in H\u00f6he Panozzalacke, in Oberlaa, im Lainzer Tiergarten.<\/p>\n<p>Fest steht, dass junge Bisams bei Beutegreifern sehr beliebt sind. In den Donau-Auen sind das Seeadler, F\u00fcchse, Iltisse und das eine oder andere Mal wohl auch ein gro\u00dfer Hecht oder Wels, von denen sie gejagt und gefressen werden. Wie sehr der in Ausbreitung begriffene Fischotter und der invasive amerikanische Nerz, der Mink, die Bisambest\u00e4nde beeinflussen, ist ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2860\" aria-describedby=\"caption-attachment-2860\" style=\"width: 441px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2860\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IGP0172-Kopie-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IGP0172-Kopie-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IGP0172-Kopie-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IGP0172-Kopie.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IGP0172-Kopie-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2860\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Norbert Sendor (2009)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man wei\u00df jedoch, dass Bisampopulationen ganz gewaltig schwanken k\u00f6nnen. Bei sehr hoher Dichte kommt es durch Seuchen oft zu katastrophalen Zusammenbr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Dass die mittlerweile beinahe allgegenw\u00e4rtigen Biber mit dem R\u00fcckgang der Bisams zu tun haben, ist unwahrscheinlich. Die beiden Art scheinen ohne aggressive Auseinandersetzungen im selben Lebensraum existieren zu k\u00f6nnen. Oft wohnen sie in enger Nachbarschaft. Die Bisams knabbern zuweilen sogar an den feinen Zweigen der von Bibern gef\u00e4llten Weiden &#8211; und profitieren damit von der T\u00e4tigkeit der Biber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Johanna Sieber (1999): \u201eS\u00e4ugetiere\u201c &#8211; In: Flie\u00dfende Grenzen \u2013 Lebensraum March-Thaya-Auen, Umweltbundesamt, Wien (S. 206)<\/li>\n<li>Andreas Kranz (1997): Geheimnis um Fischotter und Bisam &#8211; Fri\u00dft der Fischotter tats\u00e4chlich alle Bisamratten? \u2013 Natur und Land (vormals Bl\u00e4tter f\u00fcr Naturkunde und Naturschutz) \u2013 1997_3: 9 &#8211; 11.<\/li>\n<li>Hans Peter Kollar, Marianne Seiter (1990): Biber in den Donau-Auen \u00f6stlich von Wien. Eine erfolgreiche Wiederansiedlung. \u2013 Umwelt &#8211; Schriftenreihe f\u00fcr \u00d6kologie und Ethologie \u2013 14: 1 &#8211; 75.<\/li>\n<li>Ferdinand Starm\u00fchlner, Friedrich Ehrendorfer [Redaktion] 1972: Naturgeschichte Wiens. Band 2 (Naturnahe Landschaften, Pflanzen- und Tierwelt), Verlag Jugend und Volk<\/li>\n<li>Ruth Maria Wallner \u00a0[Redaktion] 2005: Aliens. Neobiota in \u00d6sterreich (Gr\u00fcne Reihe des Lebensministeriums, Band 15)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisams waren fr\u00fcher in den Donau-Auen gewisserma\u00dfen an jeder Ecke zu beobachten. Das hat sich ge\u00e4ndert. Warum, dar\u00fcber wird spekuliert. Naturfotograf Kurt Kracher aus Gro\u00df-Enzersdorf erinnert sich, zuletzt 2009 in der Unteren Lobau einen Bisam gesehen zu haben. Der Veteran Norbert Sendor hat 2012 im Ebersch\u00fcttwasser zum letzten Mal einen Bisam fotografiert. Noch Anfang der 1990er-Jahre waren sie praktisch an jedem Augew\u00e4sser zu finden. 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