{"id":2598,"date":"2019-01-20T10:26:03","date_gmt":"2019-01-20T09:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=2598"},"modified":"2022-10-22T09:33:53","modified_gmt":"2022-10-22T07:33:53","slug":"seit-10-jahren-geschlossen-das-alte-lobaumuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/seit-10-jahren-geschlossen-das-alte-lobaumuseum\/","title":{"rendered":"2019 seit 10 Jahren geschlossen: das alte Lobaumuseum"},"content":{"rendered":"<p><strong>34 Jahre lang war das Lobaumuseum inmitten der Oberen Lobau ein Fixpunkt f\u00fcr Tausende Wanderer und Hunderte Schulklassen. Im Mai 2009 wurde es geschlossen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2600 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/99e-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/99e-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/99e-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/99e-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 345px) 100vw, 345px\" \/>Sein Begr\u00fcnder, der keinen Streit vermeidende Polizist und Umweltaktivist <a href=\"https:\/\/www.zobodat.at\/personen.php?id=105039&amp;bio=full\">Anton Klein<\/a>, war seit mindestens 1984 mit dem Vermieter des Geb\u00e4udes, dem Forstamt der Stadt Wien, in heftige Scharm\u00fctzel verwickelt.<\/p>\n<p>Anfangs ging es noch um inhaltliche Fragen. Der Konflikt fand, wie bei Anton Klein zu erwarten, seinen Weg in die Tageszeitungen. Der \u00d6kologe <a href=\"https:\/\/www.zobodat.at\/personen.php?id=1768&amp;bio=full\">Bernd L\u00f6tsch<\/a> verteidigte 1984 das Lobaumuseum und seinen Begr\u00fcnder in einem Leserbrief an den KURIER:&nbsp;<em>\u201eIch gestehe offen die vielf\u00e4ltigen Anregungen, die ich selbst von Anton Klein bekommen habe. Ihm seine liebevoll eingerichteten Ausstellungsr\u00e4ume in der Lobau zu sperren, mit der Begr\u00fcndung, er betreibe seine Ausfl\u00fcglerinformation nicht wissenschaftlich genug, ist einer Gemeinde nicht w\u00fcrdig.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Lauf der Jahrzehnte wurde das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude zusehends bauf\u00e4lliger. Anton Klein war bereits 84 Jahre alt, als er \u201ewegen Sicherheitsm\u00e4ngeln\u201c im Mai 2009 die endg\u00fcltige K\u00fcndigung erhielt.<\/p>\n<p>Er empfand die Entscheidung nat\u00fcrlich als unangebracht und warf der Forstverwaltung <em>\u201eabsichtliches Verw\u00fcsten und bewusstes Verwahrlosen\u201c<\/em> des Geb\u00e4udes vor, w\u00e4ren doch nach Auffassung des Kontrollamts der Stadt Wien alle sicherheitsrelevanten M\u00e4ngel kurzfristig zu beheben gewesen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2601 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P8311458-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P8311458-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P8311458-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P8311458-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/p>\n<p>Die Liste der Beanstandungen war lang: abgeschlagener Innenverputz, elektrische Leitungen, die zu Boden hingen, Schimmel, Feuchtigkeitssch\u00e4den, eine brandgef\u00e4hrliche Wandverkleidung. Das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude, so wurde vom Kontrollamt empfohlen, w\u00fcrde eine Generalsanierung ben\u00f6tigen \u2013 was bis heute nicht geschehen ist.<\/p>\n<p>Die Donaust\u00e4dter Bezirkszeitung beschrieb das traditionsreiche Museum damals als <em>\u201eeinem Dornr\u00f6schenschloss nicht un\u00e4hnlich.\u201c<\/em> Und weiter: <em>\u201eWie auch im M\u00e4rchen, scheint die Zeit hier stillzustehen. Ein knarrender, alter Holzboden, niedrige graue W\u00e4nde, nahezu vollst\u00e4ndig verdeckt von unz\u00e4hligen Lehrtafeln, Schriftst\u00fccken und Bildern. Von der Decke baumeln Spinnennetze.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der hochbetagte Anton Klein sah die Bedeutung und die Aufgabe seines Lebenswerks aus seinem ganz pers\u00f6nlichen Blickwinkel:<\/p>\n<p><em>\u201eAll die Moose, Flechten, die Algen. Das braucht Zeit, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Da im Museum ist es dargestellt, da muss man oft herkommen. Das ist nicht ein Museum, das man hei\u00dfhungrig herunter schlingt wie eine Wurstsemmel, sondern wie einen Kaugummi kaut. Es ist eine wertvolle Bereicherung f\u00fcr das Verstehen des Lebens. Und wenn man das Leben verstanden hat, begreift man auch, wie wir \u00fcberleben k\u00f6nnen. Dann wird man die Natur auch in ihrer paradiesischen Herrlichkeit verstehen k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2602 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P7300619-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P7300619-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/P7300619-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/>Es war dem Museumsgr\u00fcnder und Retter der Lobau nicht geg\u00f6nnt, in Frieden zu scheiden: <em>\u201eAls Dank f\u00fcr die Pionierarbeit hat man uns gek\u00fcndigt und aus der Lobau ausgetrieben!!\u201c<\/em><\/p>\n<p>In seinen ersten zwanzig Jahren war das sp\u00e4tere \u201eDornr\u00f6schenschloss\u201c zweifellos voller Leben, ein gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt. Es war als Museum offiziell anerkannt und selbstverst\u00e4ndlich eine regionale Ber\u00fchmtheit:<\/p>\n<p><em>\u201eDas&nbsp;Lobaumuseum&nbsp;im Naturschutzgebiet Lobau ist eines der eigenartigsten, aber auch engagiertesten der ohnedies schon illustren Reihe der Kleinmuseen.\u201c<br \/>\n<\/em><strong>(Wiener Museumsf\u00fchrer: Klein-, Sonder- und Fachmuseen. Von Berndt Anwander und Thomas Reinagl, 1995)<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMitten im Herzen der Lobau liegt das Lobaumuseum. Geballte Natur- und Menschengeschichte dieser Wiener Landschaft sind hier \u00fcberschaubar dokumentiert.\u201c<\/em> <strong>(Lieblingsorte der Wiener: ein F\u00fchrer zu legend\u00e4ren Orten in der Stadt und deren spannenden Geschichten. Von Heidi Salome Stift, 2004)<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eVor allem aber wollen die Initiatoren des Museums den Besucher auf die Schutzfunktionen des Auwaldes aufmerksam machen und auf die Notwendigkeit, dieses Reservat zu hegen und zu bewahren.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>(Erziehung und Unterricht, Band 130, \u00d6sterreichischer Bundesverlag, 1980)<\/strong><\/p>\n<p><em>&nbsp;\u201eSie kleidete sich f\u00fcr das Joggen um und lief in Richtung des kleinen Lobaumuseums davon.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>(\u201eDer Tote lebt \u2013 ein Fall f\u00fcr Trautmann\u201c von Ernst Hinterberger, 2006)<\/strong><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2603 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/53a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/53a-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/53a-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/53a-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/>\u201e1972 gegr\u00fcndet. Wiege des Nationalparks Lobau-Donau-Auen.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>(http:\/\/www.zukunftsbezirk-donaustadt.at)<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas Lobaumuseum mit seiner einzigartigen Vielfalt bietet sowohl historische wie auch botanisch-zoologische Rarit\u00e4ten und Kuriosit\u00e4ten.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>(PID-Rathauskorrespondenz, 10.3.2000)<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnsereinem gef\u00e4llt die fast trotzige Antiquiertheit der chaotischen Sammlung, die \u00dcberladenheit, die all jene sch\u00e4tzen, die nur in Museen dieses Typs, im Graubereich zwischen \u00f6ffentlich und privat, immer aufs Neue auf \u00dcberraschungen sto\u00dfen, die sie die halbes Dutzend Museumsbesuche zuvor im verr\u00fcckten Wirrwarr glatt \u00fcbersehen haben. Und unsereiner ist von der Dauerausstellung vor allem deshalb angetan, weil sie ebenso viel \u00fcber den Ausstellungsmacher verr\u00e4t wie \u00fcber die eigentlichen Themen: Geschichte der Lobau, \u00d6kologie der Lobau, Zukunft der Lobau (die nur denkbar als Teil der Zukunft des Planeten ist).\u201c<\/em><br \/>\n<strong>(\u201eSerengeti f\u00fcr Null Cents\u201c von Robert Sommer in \u201eAugustin\u201c 08\/2006)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Fotos: <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/robert-eichert-wien-kann-froh-sein-dass-es-die-lobau-gibt\/\">Robert Eichert<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>34 Jahre lang war das Lobaumuseum inmitten der Oberen Lobau ein Fixpunkt f\u00fcr Tausende Wanderer und Hunderte Schulklassen. Im Mai 2009 wurde es geschlossen. Sein Begr\u00fcnder, der keinen Streit vermeidende Polizist und Umweltaktivist Anton Klein, war seit mindestens 1984 mit dem Vermieter des Geb\u00e4udes, dem Forstamt der Stadt Wien, in heftige Scharm\u00fctzel verwickelt. Anfangs ging es noch um inhaltliche Fragen. Der Konflikt fand, wie bei Anton Klein zu erwarten, seinen Weg in die Tageszeitungen. 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