{"id":2435,"date":"2018-11-01T19:32:50","date_gmt":"2018-11-01T18:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=2435"},"modified":"2019-01-21T19:40:11","modified_gmt":"2019-01-21T18:40:11","slug":"die-lobau-eine-dauerbaustelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-lobau-eine-dauerbaustelle\/","title":{"rendered":"Die Lobau: eine Dauerbaustelle"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer Anfang November einen Spaziergang durch die Lobau unternommen hat, ist weder Rotwild, noch Rehen begegnet, sondern einer Horde von LKWs. Wie war das m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Die LKWs waren im Auftrag von \u201e<span><a href=\"http:\/\/www.geotiefwien.at\/eportal3\/\">GeoTief Wien<\/a><\/span>\u201c unterwegs, ein Projekt der Wien-Energie (also der Stadt Wien), dessen Aufgabe es ist, tief unten im Boden Hei\u00dfwasservorkommen aufzusp\u00fcren. Das geschieht mit Hilfe von Impulsen &#8211; in der Art von Erdbebenwellen &#8211; die von den Fahrzeugen alle 20 Meter hinabgeschickt, vom Untergrund reflektiert und danach analysiert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2438\" aria-describedby=\"caption-attachment-2438\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2438\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-Probebohrung-LobauAutobahn-2016-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-Probebohrung-LobauAutobahn-2016-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-Probebohrung-LobauAutobahn-2016.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2438\" class=\"wp-caption-text\">Probebohrungen 2016<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hei\u00dfwasser f\u00fcr das Fernw\u00e4rmenetz \u2013 im Grunde ein guter Zweck, der viele Mittel heiligt. Der Haken an der Geschichte ist, dass die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen f\u00fcr Bauarbeiten im Wiener Teil des Nationalparks in den vergangenen zwei Jahren zur lieben Gewohnheit geworden ist:<\/p>\n<p>Ende 2016 brechen Gro\u00df-LKWs durch das Geb\u00fcsch des Nationalparks, um Probebohrungen f\u00fcr den umstrittenen Stra\u00dfentunnel durch die Lobau vorzunehmen. Die ASFINAG l\u00e4sst an 45 Stellen auf je hundert Quadratmetern Ger\u00e4te aufbauen, die bis zu 60 Meter tiefe L\u00f6cher bohren. Ein positiver Bescheid f\u00fcr das Projekt des \u201eLobau-Tunnels\u201c liegt noch nicht vor. F\u00fcr die Probebohrungen wurde trotzdem eine Ausnahmegenehmigung erteilt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig, bis ins Fr\u00fchjahr 2017 hinein, wird in der Unteren Lobau, bei der M\u00fchlleitner Furt, eine Gro\u00dfbaustelle angelegt: Die beiden zwischen M\u00fchlleiten und der Donau unterirdisch verlaufenden Gasleitungen werden saniert. Wiederum selbstverst\u00e4ndlich alles mit Sondergenehmigung.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2018 werden beidseitig des Sch\u00f6nauer R\u00fcckstaudamms Schutzstreifen gerodet, um in der Folge den Damm zu sanieren, dabei auf mehr als sieben Kilometer eine Dichtwand einzubauen, einen Weg und eine Drainage zu errichten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2437 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-IMG_20181031_160314-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"340\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-IMG_20181031_160314-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-IMG_20181031_160314-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1kl-IMG_20181031_160314.jpg 794w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/>Und nun, Ende 2018, wiederum LKW-Kolonnen, auf der Suche nach Hei\u00dfwasser.<\/p>\n<p>All diese Eingriffe sind selbstverst\u00e4ndlich hoch seri\u00f6s und finden in \u00fcbergeordnetem Interesse statt. Aus einem etwas entfernteren Blickwinkel kann die Sache aber auch anders gesehen werden:<\/p>\n<p>Kolonnen von LKWs, Baugr\u00e4ben, Maschinen, Arbeiter, Erdbebenwellen, L\u00e4rm, gef\u00e4llte B\u00e4ume, ausgewalzte Forststra\u00dfen, vertriebenes Wild, zerst\u00f6rte Humusdecken \u2013 mitten in einem Schutzgebiet, und das obendrein in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit.<\/p>\n<p>Ein Nationalpark ist das ultimative Mittel, um die Natur f\u00fcr unsere Nachkommen zu bewahren: Hunde m\u00fcssen angeleint sein, Blumenpfl\u00fccken und Baden sind verboten, die Wege d\u00fcrfen selbstverst\u00e4ndlich nicht verlassen werden, Radfahren darf man nur an wenig sensiblen, deutlich gekennzeichneten Strecken, st\u00f6rende L\u00e4rmerregung ist untersagt.<\/p>\n<p>Dies alles gilt f\u00fcr Spazierg\u00e4nger, f\u00fcr Erholungssuchende und Naturinteressierte. Sind andere Interessen im Spiel, vorzugsweise wirtschaftlicher Art, wird klar, wie zerbrechlich das Nationalparkgesetz ist. Bewilligungen sind zu erteilen, hei\u00dft es da, wenn die beabsichtigte Ma\u00dfnahme die Zielsetzungen des Nationalparks \u201enicht wesentlich beeintr\u00e4chtigt\u201c. Ein klassischer Fall von \u201eGummiparagraph\u201c, der sich jederzeit phantasievoll interpretieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>Fotos: Robert Eichert<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.meinbezirk.at\/gaenserndorf\/c-lokales\/arbeit-mit-schwerem-geraet-im-donau-wald-auf-der-suche-nach-heissen-quellen_a3026064\"><strong><span>BERICHT IN DEN BEZIRKSBL\u00c4TTERN G\u00c4NSERNDORF<\/span><\/strong>\u00a0<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dbz-donaustadt.com\/assets\/files\/dbz%206-2018.pdf\"><strong><span>BERICHT IN DER DONAUST\u00c4DTER BEZIRKSZEITUNG<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Anfang November einen Spaziergang durch die Lobau unternommen hat, ist weder Rotwild, noch Rehen begegnet, sondern einer Horde von LKWs. Wie war das m\u00f6glich? 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