{"id":2400,"date":"2018-10-19T12:24:24","date_gmt":"2018-10-19T10:24:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=2400"},"modified":"2021-08-07T08:49:16","modified_gmt":"2021-08-07T06:49:16","slug":"der-eisstoss-ein-naturschauspiel-das-nicht-wiederkehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/der-eisstoss-ein-naturschauspiel-das-nicht-wiederkehrt\/","title":{"rendered":"Der Eissto\u00df \u2013 ein Naturschauspiel, das nicht wiederkehrt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2402\" aria-describedby=\"caption-attachment-2402\" style=\"width: 293px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2402\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-1939-40-4-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-1939-40-4-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-1939-40-4-768x1179.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-1939-40-4-667x1024.jpg 667w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-1939-40-4.jpg 1286w\" sizes=\"auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2402\" class=\"wp-caption-text\">1940: Blick zur Stadlauer Br\u00fccke<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>In den Morgenstunden des 23. J\u00e4nner 1940 erreicht der gr\u00f6\u00dfte Eissto\u00df seit dem Jahr 1929 die Wiener Reichsbr\u00fccke \u2013 ein Ereignis, das wir und die uns folgenden Generationen nie mehr beobachten werden k\u00f6nnen. Denn seit Ende der 1940er Jahre steigen die Wintertemperaturen deutlich an und die Donau und andere gro\u00dfe Fl\u00fcsse frieren nicht mehr langanhaltend zu. Der letzte auffallende Eissto\u00df fand in Wien im extrem kalten Ausnahmewinter 1955\/1956 statt.<\/strong><\/p>\n<p>In fr\u00fcheren Jahrhunderten geh\u00f6rten Eisst\u00f6\u00dfe und die damit verbundenen Hochwasserkatastrophen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zum Alltag. Die Donau fror regelm\u00e4\u00dfig zu und Berge von Eisschollen verhinderten den Schiffsverkehr. Dauerte die K\u00e4lte lange genug an, t\u00fcrmten sich die Schollen oft meterhoch \u00fcbereinander \u2013 das war der Eissto\u00df. Sobald das Tauwetter einsetzte, rissen die Schollen Br\u00fccken nieder und Hochwasserfluten \u00fcberschwemmten das besiedelte Gebiet.<\/p>\n<p>Besonders schrecklich war das 1830. Als da der Eissto\u00df aufbrach, drangen Wasser und Eis mit Wucht in die Wiener Vorst\u00e4dte ein. Das Ergebnis: 74 Tote und 681 schwer besch\u00e4digte H\u00e4user.<\/p>\n<p>Durch den schnurgeraden Verlauf der Donau nach ihrer Regulierung in den 1870er-Jahren hoffte man, durch die damit einhergehende Erh\u00f6hung ihrer Flie\u00dfgeschwindigkeit verheerende Eisst\u00f6\u00dfe verhindern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am 23. J\u00e4nner 1940 erinnert das \u201eNeue Wiener Tagblatt\u201c in seinem aktuellen Bericht zun\u00e4chst an den Eissto\u00df des Jahres 1929, als der Strom auf einer L\u00e4nge von 40 Kilometern zugefroren war, von Ungarn bis in die Wachau: \u201e<em>Klirrend, knirschend und krachend schoben sich die Eisschollen zu einem einzigen glasgr\u00fcn und schneewei\u00df schimmernden Eisberg zusammen, der eine klippenreiche Br\u00fccke zwischen den beiden Ufern bildete.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der drohenden Gefahr, war das Naturereignis f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung auch ein gro\u00dfes Spektakel: \u201e<em>Trotz grimmiger K\u00e4lte und eisigen Winden lie\u00dfen sich die Neugierigen damals nicht abhalten, einen Ausflug zur alten Reichsbr\u00fccke zu unternehmen. Die Br\u00fccke war den&nbsp;ganzen Tag lang schwarz vor Menschen. Der drei Kilometer lange Weg zwischen der Br\u00fccke und&nbsp;einem eingefrorenen Donauarm n\u00e4chst der Stadlauer Br\u00fccke glich einem breiten, menschenerf\u00fcllten Korso.<\/em>\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2403\" aria-describedby=\"caption-attachment-2403\" style=\"width: 461px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2403\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"461\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-768x507.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-1024x676.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-818x537.jpg 818w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eissto\u00df-Donau-H\u00f6he-Stadlauer-Br\u00fccke-eventl-22-J\u00e4n-1940-Hintergrund-Mexikoplatz-Reichsbr\u00fccke.jpg 1968w\" sizes=\"auto, (max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2403\" class=\"wp-caption-text\">1940: Blick stromaufw\u00e4rts zum Mexikoplatz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch 1940 bewunderten die Wiener das winterliche Naturschauspiel: \u201e<em>Hinter dem Praterstern legen die Fahrg\u00e4ste des \u201eF\u00fcnfundzwanzigers&#8221; ihre Zeitungen zur Seite oder unterbrechen pl\u00f6tzlich die Unterhaltung mit dem Nebenmann und beginnen sich im romantischen Eisblumengestr\u00fcpp auf den hartgefrorenen Scheiben ein Guckerl auszuhauchen. Sie wollen w\u00e4hrend der Fahrt \u00fcber die Reichsbr\u00fccke schnell etwas vom Eissto\u00df sehen.&#8221; Und weiter: &#8220;Die wollenen Pudelm\u00fctzen \u00fcber die Ohren gezogen, die Rockkragen hochgeschlagen und die H\u00e4nde fest in die Manteltaschen gepresst, so stand am Montag Alt und Jung am Ufer und betrachtete das eindrucksvolle Naturschauspiel, das sich in m\u00e4rchenhafter Pracht vor ihren Augen abrollte.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><strong>Fotos: Privatarchiv Manfred Christ<\/strong><\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eNeues Wiener Tagblatt\u201c, 23. J\u00e4nner 1940, S.5<\/li>\n<li>\u201eEiszeit in Wien\u201c von Peter Payer. In: 1000 und 1 Buch. Magazin f\u00fcr Kinder- u. Jugendliteratur, 1\/2009<\/li>\n<li>\u201e<span><a href=\"http:\/\/www.viadonau.org\/newsroom\/news\/detail\/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=503&amp;tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&amp;tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&amp;cHash=1795acdf4272db0a1941522e50395b55\">Kein Eissto\u00df mehr in Sicht<\/a><\/span>\u201c von Christoph Trunk. In:<span> <a href=\"http:\/\/www.viadonau.org\/\">http:\/\/www.viadonau.org\/<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Morgenstunden des 23. J\u00e4nner 1940 erreicht der gr\u00f6\u00dfte Eissto\u00df seit dem Jahr 1929 die Wiener Reichsbr\u00fccke \u2013 ein Ereignis, das wir und die uns folgenden Generationen nie mehr beobachten werden k\u00f6nnen. Denn seit Ende der 1940er Jahre steigen die Wintertemperaturen deutlich an und die Donau und andere gro\u00dfe Fl\u00fcsse frieren nicht mehr langanhaltend zu. Der letzte auffallende Eissto\u00df fand in Wien im extrem kalten Ausnahmewinter 1955\/1956 statt. 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