{"id":2359,"date":"2018-09-23T21:19:47","date_gmt":"2018-09-23T19:19:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=2359"},"modified":"2018-09-23T22:00:08","modified_gmt":"2018-09-23T20:00:08","slug":"2359-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/2359-2\/","title":{"rendered":"Herbert Schneider: ein Leben lang Natursch\u00fctzer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herbert Schneider, Jahrgang 1948, \u00a0ist Biologe und ein belesener Mann. Er hat den Kopf voller Gedanken, und ein guter Teil davon dreht sich um den Schutz der Natur, im speziellen um den Schutz der Donauauen.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAufgewachsen in Wien-Margareten lernte ich schon im Volksschulalter durch meinen Vater \u2013 der leidenschaftlicher Sportfischer war \u2013 die Donauauen kennen: vom Rollerwasser an der Floridsdorfer Br\u00fccke bis zum Blauen Wasser in Albern, von Mannsw\u00f6rth bis Hainburg.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Anfang der 1960er-Jahre st\u00fcrzt er sich mit gro\u00dfem Elan mitten ins Leben: Mit 16 Jahren macht er die Jagdpr\u00fcfung, verdient sich bereits seinen eigenen Lebensunterhalt. Mit 22 schlie\u00dft er die erste Ehe, maturiert und beginnt in Wien das Studium der Zoologie \u2013 aufbauend auf einem guten Fundament aus Naturerlebnissen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2361\" aria-describedby=\"caption-attachment-2361\" style=\"width: 445px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2361\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/\u00dc-gebiet3-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/\u00dc-gebiet3-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/\u00dc-gebiet3-768x506.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/\u00dc-gebiet3-1024x675.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/\u00dc-gebiet3-95x62.jpg 95w\" sizes=\"auto, (max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2361\" class=\"wp-caption-text\">Donauinsel statt \u00dcberschwemmungsgebiet (Foto: Schneider)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>\u201eDie pr\u00e4gende Landschaft meiner Kinder- und Jugendzeit war das Wiener \u00dcberschwemmungsgebiet, das durch seine jahreszeitlich wechselnde, erfrischende Dynamik mein \u00f6kologisches Interesse geweckt hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als er 1971 ins Zoologe-Studium einsteigt, steht das \u00dcberschwemmungsgebiet durch den bevorstehenden Bau der Donauinsel gerade vor der Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Wien veranstaltet damals ein Diskussionsforum, die \u201eWiener Stadtentwicklungsenquete\u201c. Im Arbeitskreis \u201ePrater\/Lobau\u201c unter der Leitung von Anton Klein fordert man, das \u00dcberschwemmungsgebiet und die Lobau unter Schutz zu stellen.<\/p>\n<p>Herbert Schneider f\u00e4llt in den Diskussionen durch leidenschaftliches Engagement auf und wird 1972 als erster Biologe in das neue Gr\u00fcnfl\u00e4chenreferat der Wiener Stadtplanung berufen. Damit nimmt die Karriere als Natursch\u00fctzer ihren Anfang.<\/p>\n<p><em>\u201eDamals fand erstmalig der Kampf zweier Denkweisen statt. Es war ein z\u00e4hes Ringen zwischen den etablierten Architekten, den Vertretern der traditionellen Denkweise zerst\u00f6rerischer Technik, gegen die damals noch nicht anerkannten Landschaftsplaner, den Vertretern einer fortschrittlichen Denkweise naturnaher \u00d6koplanung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Herbert Schneider besch\u00e4ftigt sich nun mit der Unterschutzstellung des Mauthnerwassers im Unteren Prater, mit der Unterschutzstellung der Lobau, mit der Alberner Au und mit der Planung der Donauinsel. Als Mitglied der Naturschutzjugend arbeitet er an der Kartierung der Wiener Kleingew\u00e4sser. Die Wiener Naturschutzjugend erh\u00e4lt in der Folge 1981 \u201ef\u00fcr die Erhebung und Erhaltung der T\u00fcmpel im Raum Wien\u201c den Dr.-Karl-Renner-Preis.<\/p>\n<p>Im selben Jahr heiratet Schneider erneut, gr\u00fcndet eine Familie, schlie\u00dft das Lehramtsstudium Biologie ab, beendet sein vier Jahre lang nebenher laufendes Medizinstudium und wird zun\u00e4chst AHS-Lehrer am Stiftsgymnasium in Melk und sp\u00e4ter in Tulln.<\/p>\n<p>Das Naturschutz-Engagement setzt er fort, gr\u00fcndet mit seinen Sch\u00fclern Umweltsp\u00fcrnasen-Gruppen, l\u00e4sst die Kinder Feuchtbiotope anlegen, Trockensteinmauern bauen und B\u00e4ume pflanzen.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Entfremdung von der Natur begann sich bei der jungen Generation bemerkbar zu machen. Die Naturerlebnisgruppen, die damals zur st\u00e4ndigen p\u00e4dagogischen Einrichtung wurden, waren der Ersatz f\u00fcr die fehlende Erziehung im Elternhaus und die kaum mehr m\u00f6gliche selbst\u00e4ndige Entfaltung im eigenen Lebensraum.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_2362\" aria-describedby=\"caption-attachment-2362\" style=\"width: 422px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2362\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2013-_1030270-Schneider-300x211.jpg\" alt=\"\" width=\"422\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2013-_1030270-Schneider-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2013-_1030270-Schneider-768x539.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2013-_1030270-Schneider-1024x719.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2013-_1030270-Schneider-200x140.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2362\" class=\"wp-caption-text\">Herbert Schneider 2013 im alten Lobaumuseum (Foto: Christ)<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr ein Schulprojekt zur Revitalisierung der Gro\u00dfen Tulln erh\u00e4lt er 2001 den Hans-Czettel-F\u00f6rderungspreis f\u00fcr Naturschutz des Landes Nieder\u00f6sterreich.<\/p>\n<p>Als 1984 der Kampf um das geplante Donaukraftwerk Hainburg die Republik ersch\u00fcttert und der Nationalpark Donauauen verwirklicht werden soll, erinnert sich Herbert Schneider an seine Wurzeln in den Donauauen unterhalb von Wien.<\/p>\n<p>Er beginnt die Geschichte dieser Landschaft zu erforschen, erstellt ein p\u00e4dagogisches Konzept f\u00fcr Nationalparkbetreuer, ein Konzept f\u00fcr ein Besucherleitsystem, erarbeitet Manuskripte f\u00fcr Exkursionsf\u00fchrer und produziert ab 1998 gemeinsam mit Gerald Navara Video-Interviews mit Zeitzeugen, die von der bewegten Geschichte des Donaustroms und seiner Auw\u00e4lder erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><em>Die grunds\u00e4tzlichen Fragen, die sich Herbert Schneider im Zuge dessen immer wieder gestellt hat: \u201eWas ist Landschaft? Ist sie wirklich? Ist sie ein Produkt des Gehirns?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Seine selbst gewonnene Antwort: <em>\u201eDie Landschaft gestaltet Werte und Normen. Sie wirkt als Filter. Jede Zeit besitzt ihre eigene Erinnerung, Ideologie. Unsere Denkweisen korrespondieren mit dem Wandel der Landschaft.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbert Schneider, Jahrgang 1948, \u00a0ist Biologe und ein belesener Mann. 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